
Vorheizen und Eco-Modus: Tipps für den Winterbetrieb von Elektroautos
Beim Autofahren im Winter gelten seit Jahrzehnten feste Routinen: Frostschutz ins Scheibenwischwasser, Winterreifen montieren – und an der Zapfsäule fließt zwischen Mitte November und Ende Februar sogenannter Winterdiesel, der kältefest ist, aber einen leicht höheren Verbrauch mit sich bringt.
Ein vergleichbares Pendant gibt es beim Elektroauto nicht. Strom bleibt Strom, unabhängig von der Jahreszeit. Dennoch wirkt sich Kälte auch bei Elektroautos auf den Alltag aus – etwa auf Reichweite, Ladeleistung oder den Energiebedarf für Heizung und Komfortfunktionen. Mit etwas Vorbereitung und dem richtigen Umgang lassen sich diese Effekte jedoch gut abfedern. Wichtig: Einige der Punkte sind von der Ausstattung des E-Autos abhängig und müssen schon beim Kauf bedacht werden. Wir haben die wichtigsten Tipps aus vielen Jahren mit E-Autos in der Redaktion zusammengetragen und in drei Themenfelder sortiert:
Akku & Laden
Das Vorheizen des Elektroautos gehört sicherlich zu den effektivsten Maßnahmen, um den Komfort zu steigern und den Reichweitenverlust zu minimieren, solange das E-Auto dabei noch an der Wallbox angeschlossen ist. Dabei wird der Innenraum – und je nach Modell auch der Akku – vor der Abfahrt auf Temperatur gebracht, ohne Energie aus dem Fahrakku zu nutzen. Das funktioniert entweder manuell im Fahrzeug, per App oder über einen festen Zeitplan. Ein weiterer Vorteil: Das Eiskratzen kann dabei entfallen und das Fahrzeug leichter vom Schnee befreit werden.
Ein Stellplatz in der Garage oder ein Carport kann zudem verhindern, dass Akku und Innenraum über Nacht zu stark auskühlen. Schon wenige Grad Temperaturunterschied können den Energiebedarf für Heizung und Erwärmung des Akkus senken.
Während der Fahrt die Vorkonditionierung des Akkus zu nutzen, sorgt zwar für einen leicht höheren Verbrauch, kann am nächsten Schnelllader aber mehrere Minuten Ladezeit einsparen, da die Technik die Temperatur der Batterie vorher in den Wohlfühlbereich bringt. In der Regel startet die Vorkonditionierung automatisch, wenn ein Ladestopp in der Navigation eingeplant ist, bei manchen Fahrzeugen lässt sie sich auch manuell aktivieren. Leider verfügen aber nicht alle Modelle auf dem Markt über eine oder gar beide Optionen.








Direkt nach einer längeren Fahrt empfehlen wir, das Elektroauto zu laden. Fahrzeug und Akku befinden sich bereits auf Betriebstemperatur, was die Ladeleistung erhöhen und die Ladeverluste verringern kann. Lädt man erst später, kann die Batterie bereits wieder ausgekühlt sein und der Vorgang dauert länger.
Es wird deutlich, dass die Temperatur des Hochvoltakkus eine zentrale Rolle für die Effizienz und damit auch für die verfügbare Reichweite sowie für das Ladeverhalten eines Elektroautos spielt. Akkus arbeiten am besten in einem bestimmten Temperaturbereich, dem sogenannten Wohlfühlbereich, der zwischen 20 und 40 Grad liegt. Ist es zu kalt, steigen die Ladeverluste und das Batteriemanagement begrenzt die Ladeleistung, um die Zellen zu schützen. Befindet sich der Akku hingegen im optimalen Temperaturfenster, kann Energie effizienter aufgenommen und abgegeben werden. Das wirkt sich positiv auf Ladezeiten sowie die Reichweite aus.
Ob sich der Akku aber im optimalen Temperaturfenster befindet, kann oftmals kaum ohne andere technische Hilfsmittel wie mit einem OBD-Dongle herausgefunden werden. Nur wenige Hersteller stellen diese wichtige Information ihren Kunden im Fahrzeug zur Verfügung.
Komfort & Reichweite
Die Klimatisierung des Innenraums – egal ob kühlen oder heizen – sorgt vor allem bei Fahrtantritt für einen recht hohen Verbrauch. Je länger die zurückgelegte Strecke ist, desto weniger kann dieser beim Gesamtverbrauch ins Gewicht fallen.
Häufig wird in diesem Zusammenhang die Wärmepumpe als wichtiger Baustein genannt, um diesen Einzelverbrauch zu reduzieren. Vor allem auf der Langstrecke kann sie aber ihre Stärken ausspielen und benötigt weniger Energie für das Erwärmen des Innenraums im Vergleich zur klassischen Heizung. Bei Kurzstrecken sieht das schon anders aus, hier schafft die Technik das nur bedingt.
Effektiver kann vor allem auf kürzeren Strecken die Nutzung der Sitz- und Lenkradheizung sein. Die punktuell abgegebene Wärme verbraucht weniger Energie als das Heizen des gesamten Fahrgastraums. Wird das Elektroauto zudem vor der Abfahrt, wie eingangs erwähnt, vorgeheizt, ist der Innenraum ohnehin bereits angenehm temperiert. Auf kurzen Strecken ist ein starkes Heizen dann oft gar nicht mehr erforderlich. Entsprechend empfiehlt es sich, die Innenraumtemperatur moderat einzustellen und, sofern technisch möglich, gezielt nur den Fahrerbereich zu beheizen.
Fahrstil & Sicherheit
Nahezu jedes Elektroauto verfügt über einen Eco-Modus, der die Heizleistung begrenzt und für ein sanfteres Ansprechverhalten des Fahrpedals sorgt. Gerade letzteres reduziert oder verhindert gar ganz das Durchdrehen der Räder. Das spart nicht nur Energie, wenn auch kaum messbar, erhöht auf glatten Straßen aber vor allem die Fahrsicherheit.
Wer die Möglichkeit hat, sollte bei Schnee oder Eis eher eine schwächere Rekuperationsstufe auswählen. Eine zu starke Rekuperation kann auf glatten Straßen das Fahrverhalten negativ beeinflussen. Manche Hersteller bieten auch eine adaptive Rekuperation an. Je nach Hersteller und Modell empfiehlt sich hier ein Blick in die Bedienungsanleitung, ob diese bei solchen Straßenverhältnissen lieber deaktiviert werden sollte. Einzelne Modelle bieten auch einen gesonderten Schnee-/Winter-Modus. Auf glatten Straßen ist es oft (noch) sicherer, die Verzögerung selbst zu kontrollieren und nicht der Software zu überlassen.
Sinkende Temperaturen reduzieren den Reifendruck, was Rollwiderstand und Verbrauch erhöht. Aus diesem Grund sollte der Reifendruck regelmäßig geprüft werden. Eine leichte Anpassung um etwa 0,1 bis 0,2 bar über dem Mindestdruck kann zudem die Effizienz und die Fahrstabilität verbessern – solange dies innerhalb der Herstellervorgaben bleibt.
Ein Mythos hält sich übrigens weiterhin hartnäckig: Nebenverbraucher würden die Reichweite stark beeinflussen. Radio, Scheinwerfer oder auch Scheibenwischer haben aber nur einen sehr geringen Einfluss auf den Verbrauch!
Trotz all der Tipps gilt: Sicht und Sicherheit sollten immer Vorrang vor möglichen Verbrauchseinsparungen haben, die nur wenige Kilometer mehr Reichweite bieten. Kommen Sie also gut durch die kalte Jahreszeit und allzeit gute Fahrt.




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