EU soll Zölle auf Hybride aus China erwägen
Das Nachrichtenportal Euractiv berichtet, dass die EU-Exekutive aktuell über etwaige Sonderzölle auf Hybride aus China berät. Dies soll ein Beamter aus dem Büro des EU-Industriekommissars Stéphane Séjourné gegenüber Euractriv bestätigt haben. Zur Debatte steht demnach, die bereits auf Elektroautos geltenden Sonderzölle der EU auf Hybride auszuweiten. Seit 2024 erhebt die Europäische Union bekanntlich Extra-Abgaben, die je chinesischem Hersteller zwischen 7,8 und 35,3 Prozent pendeln – zusätzlich zum regulären Importzoll von zehn Prozent. Ziel der Zölle ist es, den EU-Markt vor Wettbewerbsverzerrungen durch stark subventionierte E-Autos aus China zu schützen.
Euractiv schreibt unter Berufung auf seine Quelle weiter, dass der französische Kommissar Stéphane Séjourné, der auch als einer der sechs Vizepräsidenten der Brüsseler Kommission fungiert, „die Frage der chinesischen Hybridfahrzeuge bei zahlreichen Gelegenheiten angesprochen hat”. Sein Kabinett werfe die Frage auf, warum das, was für Elektrofahrzeuge gilt, nicht auch für Hybridfahrzeuge gelte, die unter den gleichen Bedingungen hergestellt werden und deren europäische Konkurrenten den gleichen Schutz und gleiche Wettbewerbsbedingungen benötigten.
Zunehmen an Relevanz gewinnt die Debatte aktuell, weil chinesische Hybridfahrzeug-Exporte in die EU zuletzt stark angestiegen sind: 2025 konkret um 155 Prozent. Die schon hoch zu verzollenden Elektroauto-Exporte in die EU sind im vergangenen Jahr dagegen nur um zwölf Prozent geklettert. Noch sind die absoluten Zahlen von chinesischen Hybriden in der EU nicht viel höher als die von reinen Elektroautos. Aber laut Branchenbeobachtern entspricht die hohe Dynamik bei der Einfuhr von Hybriden einem logischen Strategiewechsel der Chinesen, um die Zölle auf BEVs zu kompensieren. Und der Trend ist darüber hinaus global spürbar: Weltweit machen Hybridfahrzeuge laut einem kürzlichen Artikel des „The Economist“ mittlerweile ein Drittel der chinesischen Pkw-Exporte aus. „Bei der aktuellen Entwicklung werden sie bis Mitte 2026 Elektro- und Benzinfahrzeuge überholen“, so die Prognose des Wirtschaftsblatts. Wie weit der Hybrid-Begriff dabei gedehnt wird, bleibt dabei allerdings sowohl bei Euractiv als auch bei The Economist unklar. Ob damit neben Plug-in-Hybriden und E-Autos mit Range-Extendern also auch Voll- und/oder Mildhybride gemeint sind, wird zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausgeführt.
Klar ist: Die 2024 eingeführten EU-Zölle auf Basis einer vorangegangenen Anti-Dumping-Untersuchung haben Peking verärgert. Und in zähen Verhandlungen hat Chinas Regierung der EU zuletzt einen Kompromiss abgerungen: Alternativ zu den Zöllen sollen sich chinesische Hersteller bei der Einfuhr von BEVs in die EU auf Mindestpreise verpflichten können. Beide Schutzmechanismen – Zölle und Mindestpreise – sollen nach derzeitigem Stand parallel zur Auswahl stehen. Ab wann genau die Mindestpreis-Regelung dabei in Kraft treten wird, ist allerdings unklar. Die EU meldete Anfang der Woche lediglich, bereits einen für chinesische Importeure gedachten Leitfaden mit allgemeinen Hinweisen für die Preisverpflichtungen erarbeitet zu haben.
Während das chinesische Handelsministerium und die betroffenen Hersteller den Schritt als Durchbruch gutheißen, warnte Brüssel, dass die Herausgabe der Leitlinien nicht bedeute, dass die Zölle auf Elektrofahrzeuge letztendlich abgeschafft würden. Viele Skeptiker gegenüber der Mindestpreis-Regel sehen die EU bei dem Deal auch als nicht gut weggekommen. Denn während die Zölle Einnahmen in die EU-Kassen spülen, können sich die Hersteller die Marge aus den höheren Mindestpreisen selbst in die Tasche stecken. Durch die Erwägung, nun auch Hybride in die Anti-Dumping-Politik aufzunehmen, könnte die EU in dieser Situation neuerlichen Druck aufbauen, indem sich die Anzahl der von der Zoll- bzw. Preispolitik betroffenen Güter merklich erhöht.





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