Fraunhofer ISI: Gezielte Förderung kann Lade-Lücke in Mehrfamilienhäusern schließen

Eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag von T&E Deutschland zeigt: Mit gezielten Förderinstrumenten könnte der Ausbau von Ladeinfrastruktur bei Mehrfamilienhäusern im Bestand massiv beschleunigt werden – „sozial gerecht und mit überschaubaren Kosten für den Staat“.

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Bild: Peter Schwierz

Ohne diese Förderungen drohen auch nach 2030 rund 5,6 Millionen Stellplätze in Mehrfamilienhäusern ohne Vorbereitung für Ladeinfrastruktur zu verbleiben, wie Transport & Environment mitteilt. Die Bundesregierung „übersehe“ Millionen Haushalte bei privatem Laden in Mehrfamilienhäusern. „Die drohende Lade-Lücke könnte mit vergleichsweise geringen staatlichen Förderungen verkleinert werden“, so T&E.

Schon 2024 hatte Transport & Environment die Fraunhofer-Institute ISI und ISE mit einer Studie zum Laden in Mehrfamilienhäusern beauftragt – und damals im Ergebnis auf ganz ähnliche Lade-Lücken hingewiesen. Jetzt, also Anfang 2026, drängt jedoch die Zeit: Die EPBD-Novelle (Energy Performance of Buildings Directive) muss bis spätestens Mai 2026 in nationales Recht umgesetzt werden.

Und diese Umsetzung in nationales Recht könnte gemäß dem Kurs der Bundesregierung nicht ambitioniert genug ausfallen, befürchtet T&E „Nach aktuellen Indikationen plant sie, die Richtlinie bei Wohngebäuden eins zu eins zu übernehmen“, heißt es in der Mitteilung weiter. „Damit beschränkt sie sich auf das europäische Minimum, das in Deutschland zu einer Lade-Lücke bei Mehrfamilienhäusern im Bestand führen würde.“

Denn die EPBD hat vor allem Neubauten im Visier. Für Bestandswohngebäude sieht die europäische Regelung keine verbindlichen Vorgaben vor, nur im Falle von größeren Renovierungen greifen auch im Bestand die Vorgaben der EPBD. „Da die Sanierungsrate bei Wohngebäuden bei lediglich rund einem Prozent pro Jahr liegt, wird der überwiegende Teil der Stellplätze im Bestand weder vor 2030 noch danach mit Ladeinfrastruktur ausgestattet“, befürchtet die Non-Profit-Organisation. Auch langfristig gebe es für diese Gebäude keine rechtliche Verpflichtung, Ladeinfrastruktur vorzubereiten.

Fraunhofer ISI analysiert mögliche Förder-Ansätze

Im Auftrag von T&E Deutschland hat das Fraunhofer ISI für die Studie mehrere Ansätze für Förderprogramme analysiert, um mehr Ladepunkte in Mehrfamilienhäusern zu errichten. Einfamilienhäuser, die schon in der Vergangenheit etwa über die „Wallbox-Förderung“ aus dem KfW-Programm 440 unterstützt wurden, wurden hier nicht berücksichtigt. Die Studie hat ergeben, dass mit einem Förder-Budget von 500 Millionen Euro (also ein Sechstel der geplanten E-Auto-Förderung) zwischen 300.000 und drei Millionen Stellplätze für das Laden von Elektroautos vorbereitet werden könnten – je nach Ausgestaltung der Förderung.

Als „besonders wirkungsvoll“ bezeichnet T&E auf Basis der Studie zinsgünstige oder zinsfreie Förderkredite mit Tilgungszuschuss: „Diese Instrumente ermöglichen große Hebelwirkungen: Ein vergleichsweise geringer staatlicher Mitteleinsatz mobilisiert Milliarden an privaten Investitionen. Direkte Investitionszuschüsse hingegen wären zwar einfach umzusetzen und besonders für Wohnungseigentümergemeinschaften attraktiv, würden jedoch deutlich weniger Stellplätze erreichen und wären pro Ladepunkt teurer für den Staat.“

Vor pauschalen Förderungen – wie etwa dem erwähnten KfW-Programm 440 – warnen die Autorinnen und Autoren jedoch wegen der möglichen Mitnahmeeffekte. Sie empfehlen, „Förderinstrumente gezielt auszugestalten und gegebenenfalls soziale Kriterien zu berücksichtigen“. Denn so könnten Förderprogramme für Mehrfamilienhäuser einen Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit leisten. „Wer keine Lademöglichkeit zu Hause hat, ist beim Umstieg auf das E-Auto benachteiligt. Das betrifft vor allem Menschen in Mehrfamilienhäusern – also häufig Haushalte mit mittleren und niedrigeren Einkommen“, sagt  Susanne Goetz, Referentin für E-Mobilität bei T&E Deutschland. „Ein sozial gerechter Hochlauf der Elektromobilität gelingt nur, wenn Mieterinnen und Mieter endlich gleichberechtigten Zugang zu Ladeinfrastruktur bekommen.“

T&E fordert von der Bundesregierung, neben einem Förderprogramm für Mehrfamilienhäuser verbindliche Ausbauziele für das Laden in Bestandswohngebäuden im GEIG zu verankern. Bis 2030 sollten 30 Prozent der Stellplätze für Ladeinfrastruktur vorbereitet werden. Das umfasst die Grundinstallation wie Netzanschlüsse und Verteilerschränke sowie die Vorverkabelung der Stellplätze. So ist das Nachrüsten mit einer Wallbox für E-Autofahrende später einfacher. Bis 2035 sollten Ausbauziele analog zu den Flottengrenzwerten gelten.

„Wer im Einfamilienhaus wohnt, kann bequem und günstig laden. Millionen Mieterinnen und Mieter in Mehrfamilienhäusern werden dagegen allein gelassen – und das dauerhaft“, sagt Goetz. „Wenn die Bundesregierung der E-Mobilität wirklich zum Hochlauf verhelfen und so der deutschen Autoindustrie unter die Arme greifen möchte, dann darf die EU-Gebäuderichtlinie nicht die Messlatte sein, weil sie einen Richtwert für den europäischen Durchschnitt setzt. Deutschland muss ambitionierter sein und seinem Anspruch, Spitzenreiter zu sein, gerecht werden.“

transportenvironment.org

2 Kommentare

zu „Fraunhofer ISI: Gezielte Förderung kann Lade-Lücke in Mehrfamilienhäusern schließen“
Ulrich Wachter
26.01.2026 um 09:48
Die Förderung des Ladens in Mehrfamilienhäusern ist ein guter Ansatz, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Umsetzung dann doch häufig Herausforderungen mit sich bringt. Darüber hinaus sehe ich aber vor allem die große Chance das Laden beim Arbeitgeber stärker in den Fokus von Förderungen zu nehmen. Einerseits stehen die Fahrzeuge vor allem mittags beim Arbeitgeber, womit im Sommer der PV-peak mitgenommen werden. Andererseits ist das ein zusätzliches Argument für die Mitarbeiter in der Überlegung sich ein e-Auto anzuschaffen, wenn Sie die Möglichkeit haben zumindest beim Arbeitgeber gesichert und zu meist fairen Preisen laden zu können.
Simon 1
26.01.2026 um 09:50
Die Welt wartet nicht darauf, bis auf Eigentümerversammlungen derartige Beschlüsse gefasst werden. Bis das in relevantem Maße passiert sind Verfügbarkeit von HPC, Reichweiten und Ladegeschwindigkeiten derart fortgeschritten, dass jeder problemlos mit der öffentlichen Ladeinfrastruktur klarkommt. Ich tue das heute schon ohne nennenswerte Einschränkungen.

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