Tesla und Autohof-Betreiber Pilot planen proprietäres Lkw-Ladenetz

Pilot Travel Centers, der größte Betreiber von Autohöfen in Nordamerika, hat mit Tesla eine Vereinbarung über die Installation von proprietären Ladestationen für den Tesla Semi getroffen. Die Lader werden an ausgewählten Pilot-Standorten errichtet. Künftig könnten sie auch gegenüber weiteren Marken geöffnet werden.

Tesla semi uber freight
Bild: Uber Freight

Die ersten Tesla-Lkw-Stationen sollen entlang der Interstate 5 und 10 sowie an mehreren weiteren wichtigen Verkehrskorridoren errichtet werden. Der Bau wird laut Pilot Travel Centers noch in der ersten Jahreshälfte an ausgewählten Pilotstandorten in Kalifornien, Georgia, Nevada, New Mexico und Texas beginnen. Die ersten Standorte wollen die Verantwortlichen dann im Sommer 2026 in Betrieb nehmen. Die Hubs werden je über vier bis acht Ladestationen verfügen und die V4-Ladetechnologie von Tesla nutzen, mit der an jeder Station eine Leistung von bis zu 1,2 Megawatt abgerufen werden können sollen.

Wichtig: Der Deal von Pilot Travel Centers und Tesla sieht zunächst eine exklusive Nutzung der Lkw-Lader durch Tesla-Kunden vor. Im O-Ton heißt es: „Dieses Netzwerk wird sich zunächst auf die Bereitstellung von Ladeinfrastruktur für die Semi-Lkw von Tesla konzentrieren.“ In Zukunft könnten die Ladestationen aber gegenüber Drittmarken geöffnet werden. Ähnlich wie es bei den Tesla Superchargern im Pkw-Bereich geschehen ist.

Die Standorte wählen die Partner nach eigenen Angaben danach aus, „wo der Bedarf an Ladestationen für schwere Fahrzeuge besonders hoch ist“. Pilot Travel Centers betreibt grundsätzlich gut 900 Standorte in 44 US-Bundesstaaten sowie fünf kanadischen Provinzen – und bedient eigenen Angeben zufolge durchschnittlich 1,2 Millionen Kunden täglich. Der 1958 gegründete Konzern mit Sitz in Knoxville ist eine hundertprozentige Tochter der Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway. 2022 verkündete Pilot Travel Centers übrigens schon einmal eine Kooperation mit der Volvo Group, um für alle nutzbare Lkw-Lader aufzubauen.

„Die Zukunft der Energie aktiv mitzugestalten, ist ein strategischer Pfeiler, um den Bedürfnissen unserer Kunden und der nordamerikanischen Transportbranche gerecht zu werden“, kommentiert Shannon Sturgil, Senior Vice President Alternative Fuels bei Pilot. „Das Laden schwerer Nutzfahrzeuge ist ein weiterer Schritt in unserem Bestreben, alternative Kraftstoffe anzubieten, und wir freuen uns über die Partnerschaft mit einem führenden Unternehmen in diesem Bereich, das schlüsselfertige Lösungen anbietet und diese schnell umsetzt.“

Die schlüsselfertige Lösung ist die von Tesla im vergangenen Frühjahr für den Semi angekündigte 1,2-MW-Ladelösung auf Basis der eigenen V4-Technologie. Letztere nutzt der Hersteller auch, um seine Pkw-Lader performanter zu machen. Es handelt sich um ein dezentrales System aus schlanken Satelliten-Ladern und einem etwas abseits stehenden Technik-Schrank, die sogenannte Powerunit. Hochskaliert kann die Technologie die genannten bis zu 1,2 MW erreichen, was den Semi in einer halben Stunde „den Großteil seiner 800 Kilometer Reichweite wiederherstellen“, soll.

„Die meisten internen Komponenten [zwischen Pkw- und Lkw-Ladern] sind identisch, nur das Kabel, der Stecker und ein paar andere Kleinigkeiten wurden für Hochleistungsanwendungen angepasst“, erläuterte Dan Priestley, Leiter des Semi-Programms bei Tesla, im April 2025. Diese Strategie erlaube, „unser Volumen und unsere Skalierung zu nutzen, um das Aufladen zu einem geringeren Preis zu ermöglichen, und bringt gleichzeitig die Zuverlässigkeit und Betriebszeit mit sich, auf die sich die Nutzer des Supercharger-Netzwerks verlassen haben.“

Im Vergleich zu den derzeitigen Ladelösungen für Elektro-Lkw soll das Tesla-System durch seinen dezentralen Aufbau den Platzbedarf um über 50 Prozent senken. Die bis zu 1,2 MW fließen dabei jedoch nur, wenn lediglich ein Fahrzeug lädt. Grundsätzlich kann die Lösung durch Power-Sharing bis zu acht Fahrzeuge mit entsprechend niedrigerer Leistung laden.

Laut Dan Priestley sollen bereits im vergangenen Frühjahr 46 öffentliche Lkw-Ladestationen an wichtigen Logistikkorridoren im Bau gewesen sein, doch vor einer Inbetriebnahme haben wir bisher nichts gehört. Einzig eine Kooperation mit Uber Freight ist Ende September publik geworden: Mit dem „EV Fleet Accelerator Program“ wollen Uber Freight und Tesla amerikanische Spediteure zur Anschaffung des Tesla Semi bewegen. Allerdings geht es hier eher um Beschaffungsanreize für das Fahrzeug als um den Aufbau von Ladeinfrastruktur. Gleichwohl will Tesla auch beim Lkw-Depotladen aktiv werden.

Immerhin: Die zunehmende Anzahl von Kooperationen deuten wir mal als Signal, dass der Tesla-Lkw nun endlich in den Startlöchern steht. Dass der Semi dieses Jahr wirklich in Serie gehen soll, bestätigte Tesla zuletzt in seinem Geschäftsbericht für das dritte Quartal 2025. Der Launch des Trucks verzögert sich bereits seit Jahren. Gebaut werden soll der E-Lkw in einer separaten Fabrik neben der Gigafactory Nevada. Wie das Portal Electrek in einem früheren Bericht schrieb, hat Tesla das Gebäude Anfang 2025 fertiggestellt und mit der Arbeit an den Produktionslinien begonnen. Bei der Kapazität ist die Rede von 50.000 Fahrzeugen pro Jahr. 2017 vorgestellt und anfangs für 2019 auf den Straßen versprochen, wird der Semi also voraussichtlich 2026 wirklich in den Verkauf gehen.

Dass der Tesla Semi nicht nur in den USA abgesetzt werden soll, sondern auch nach Europa kommt, ist dabei spätestens seit September 2024 klar: Damals zog das Modell auf der IAA in Hannover alle Blicke auf sich. Lange Schlangen bildeten sich vor dem elektrischen US-Truck. Allerdings machten die Verantwortlichen schon seinerzeit deutlich, dass das Marktdebüt noch mindestens zwei Jahre auf sich warten lässt – sprich: frühestens 2026 erfolgt. Letztes Jahr gab es in der Sache aber Bewegung – zumindest personell: Usuf Schermo postete auf LinkedIn, dass er als „Head of Business Development EMEA“ für den Tesla Semi arbeitet. EMEA steht für die Regionen Europa, Mittlerer Osten und Afrika.

businesswire.com

2 Kommentare

zu „Tesla und Autohof-Betreiber Pilot planen proprietäres Lkw-Ladenetz“
ID.alist
28.01.2026 um 09:56
Ziemlich viel Tsla PR-Balh-Blah. Mitlerweile gibt es andere ähnliche Systeme wie der HYC 1000 von Alpitronic die genau dasselbe leisten.Das wichtigste hier ist, will Tesla den MCS Standard nutzen, oder wieder versuchen, die ganze Industrie zu ändern, weil die sich zu fein sind um das zu nutzen worauf sich sonst alle geeinigt haben?Letzendlich nutzt Tesla bei den Autos den CCS Standard in der Komunikation , nur mit einen anderen Stecker.
Lukas P
28.01.2026 um 10:13
Der Tesla Semi und der Megacharger verwenden MCS. Eine Kompabilität ist damit gegeben. In den USA sind viele (alle?) anderen Hersteller auf den Tesla-Standard NACS umgeschwenkt. In Europa ist es andersherum, hier nutzt auch Tesla CCS.

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