Schafft BYDs „Flash Charging“ bald 1,5 Megawatt?

Vor nicht einmal einem Jahr hat BYD mit seinem „Flash Charging“ ein Megawatt-Ladesystem für Elektroautos vorgestellt. Jetzt gibt es Berichte aus China, wonach eine überarbeitete, zweite Generation kurz vor dem Start steht – mit nochmals mehr Leistung. (Update am Artikelende)

Byd flash charging leak
Bild: Weibo

Die Berichte in Foren und Artikeln beziehen sich auf Informationen von einem angeblichen Typenschild, das von einer solchen „Flash Charging“-Ladestation der zweiten Generation stammen soll. Dort ist teilweise von bis zu 1.500 kW Ladeleistung und 1.500 Ampere Ladestrom die Rede, in anderen Berichten werden hingegen „nur“ 1.360 kW genannt. Es wäre auf alle Fälle eine Steigerung zu den 1.000 kW, die BYD mit der ersten Generation im März 2025 angekündigt hatte.

Die angeblichen Änderungen betreffen aber nicht nur die Ladeleistung: Das weiterentwickelte Modell soll auch über einen doppelt so großen Energiespeicher verfügen, um diese kurzen Ladevorgänge mit hohen Leistungen zu ermöglichen, ohne das Netz mit dem Leistungsbezug zu überlasten. Auch wenn auf dem abfotografierten Typenschild bei den 1.500 kW laut einem Übersetzungstool von einer „Einzelpistole“ die Rede ist, bleibt es bei dem Konzept, dass das E-Auto mit zwei Ladekabeln gleichzeitig geladen werden muss. Denn die zweite Generation des „Flash Chargers“ verfügt wohl über ein T-förmiges Doppel-Ladesystem, an dem zwei flüssigkeitsgekühlte Ladekabel befestigt sind – die dann beide ein Fahrzeug versorgen.

Byd flash charging leak
Bild: Weibo

Die zweite Generation soll wie das erste Modell mit den Flaggschiff-Baureihen von BYD kompatibel sein, also etwa dem BYD Han L und Tang L. BYD hatte das „Flash Charging“ zusammen mit diesen beiden Modellen vorgestellt, als diese auf die neue „Super e-platform“ umgestellt wurden – die eben mit zwei Ladeanschlüssen und einem besonderen Kühlkonzept der Batterie diese Ladeleistungen ermöglichen soll.

Bis Ende 2025 hat BYD bereits 500 dieser „Flash Charger“ in 200 chinesischen Städten in Betrieb genommen. Die Ambitionen sind aber deutlich größer: Zusammen mit Partnern sollen in China über 15.000 dieser Megawatt-Lader für E-Autos gebaut werden. Im vergangenen Sommer hat BYD auch den Roll-Out der „Flash Charger“ in Europa angekündigt, wohl vor allem im Zusammenhang mit dem Europa-Start der Premiummarke Denza – die ersten Säulen in Europa sind wohl für dieses Jahr geplant. Und im zweiten Quartal sollen auch die ersten Megawatt-Lader in Südafrika in Betrieb gehen.

Update 25.02.2025: BYD hat chinesischen Bloggern zufolge mit dem großflächigen Einsatz seiner Flash-Ladesysteme für Elektro-Pkw begonnen. Diese sollen (wie oben berichtet) eine Spitzenleistung von 1.360 kW bieten und haben laut Fotos ein T-förmiges Design mit zwei Ladekabeln, die auf der linken und rechten Seite aufgehängt sind – für das sogenannte Dual-Gun-Laden eines Fahrzeugs mit zwei Ladekabeln gleichzeitig.

Auf Weibo veröffentlichte Bilder sollen den Austausch bestehender BYD-Schnellladesäulen mit konventionellen Ladeleistungen durch die T-förmigen Flash-Charger zeigen, die zudem in einem auffälligen Türkis lackiert sind. Mit den von oben herabhängenden Ladekabeln soll die Nutzung nicht nur sauberer werden, da die Kabel nicht über den Boden schleifen, sondern auch einfacher: Eine in den Querbalken integrierte Seilzug-Konstruktion soll das Gewicht der Kabel nahezu neutralisieren.

Die Installation eines solchen „Flash Chargers“ ist wohl etwas aufwändiger als bei herkömmlichen High Power Chargern mit einigen Hundert Kilowatt Leistung. Neben der eigentlichen Ladesäule ist auf einem der Fotos eine „Haupteinheit“ zu sehen, in der sich angeblich der Transformator und Wechselrichter befinden sollen, sowie zwei Energiespeicher, die wohl auf Superkondensatoren basieren und nicht auf Batterien. Sollte jeder einzelne „Flash Charger“ diesen Aufbau benötigen, ist der Platzbedarf vor Ort spürbar größer. Die Haupteinheit und der Energiespeicher nehmen grob gesagt die Fläche eines kompletten Stellplatzes für ein Fahrzeug ein.

In dem Bericht der CarNewsChina zu den Fotos der Blogger heißt es zudem, dass die Kosten für die „Flash Charger“ „extrem hoch“ seien – Zahlen werden aber nicht genannt. Die hohen Kosten sollen aber auch ein Grund sein, weshalb der bisherige Rollout der Technologie „bemerkenswert langsam“ laufe – gemessen an den Ankündigungen und dem sonst üblichen Tempo bei BYD.

carnewschina.com, carnewschina.com, cnevpost.com (beide Update)

7 Kommentare

zu „Schafft BYDs „Flash Charging“ bald 1,5 Megawatt?“
Markus
05.02.2026 um 11:25
Während man den zweiten Stecker einsteckt, ist das Auto ja schon fast vollgeladen. Ich finde den Ansatz von Mercedes besser, bei dem ein weiterentwickelter CCS-Stecker das Auto mit bis zu 1,1 MW und 800 kW im Durchschnitt lädt. Das ist definitiv schnell genug, ein zweiter Stecker wie bei BYD finde ich unnötig, nur um die Ladeleistung von 1,1 MW auf 1,5 MW zu erhöhen. Das Ein-Stecker System von Mercedes schafft 10-80% in 9 min, das ist bereits ausreichend. (Siehe Mercedes-AMG GTXX)
Gāo Zǐmò
05.02.2026 um 15:54
Die neuen Flash Charger von BYD unterstützen ebenfalls 1MW Ladeleistung mit einem CCS-Stecker (wie auf der IAA vorgestellt). Neu ist lediglich die höhere Ladeleistung bei Kombination von zwei CCS-Steckern (max 1.5MW). Han L EV und Tang L EV brauchen für den 10-80% Hub nur 8 min. Die Technik ist in China bereits zuverlässig im Alltagseinsatz und nicht im „Concept-Car-Stadium“ wie bei Mercedes.
Simon10
06.02.2026 um 08:18
Alltagseinsatz, oder eher ein Phantom wie bei der Feststoffbatterie von Nio mit 150 kWh? In zahlreichen Videos habe ich bis jetzt immer nur so Messe Dummys gesehen, keine echten Ladevorgänge. Würde mich über einen Link freuen.
Paul-Gerhard Fenzlein
06.02.2026 um 17:14
Die Ankündigung eines 1,5-MW-Ladesystems durch BYD mag auf dem Papier beeindrucken, doch bei genauerer Betrachtung wirkt das Ganze eher wie eine technologische Flucht nach vorn. Während die Marketingabteilung das „Laden so schnell wie Tanken“ verspricht, ignoriert die Realität zwei fundamentale Hürden: die physikalische Infrastruktur und den Zeitvorteil des Verbrenners.1. Das Zeit-Dilemma: Schneller ist nicht schnell genugSelbst mit Megawatt-Power bleibt das Versprechen wackelig. Wer heute einen Verbrenner tankt, benötigt inklusive Bezahlvorgang selten mehr als 5 bis 7 Minuten. Ein Ladevorgang von 10 % auf 80 % beansprucht bei einem 1,5-MW-System theoretisch zwar nur noch rund 5 bis 10 Minuten, doch das setzt eine perfekte Ladekurve voraus, die Batterien thermisch oft gar nicht konstant halten können. Für den Massenmarkt bleibt der Zeitvorteil des Verbrenners somit bestehen – zumal das Stromnetz diese Spitzenlasten kaum ohne massive (und teure) Pufferspeicher bewältigen kann.2. BYDs „Januar-Loch“ 2026: Ein Riese gerät ins StrauchelnDie aktuellen Zahlen aus China sprechen eine deutliche Sprache: Im Januar 2026 verzeichnete BYD einen dramatischen Absatzrückgang von rund 30 %. Besonders alarmierend ist die Schwäche bei den Plug-in-Hybriden (PHEV), deren Verkäufe um fast 28,5 % eingebrochen sind. Der Trend zeigt klar:Die neue Kaufsteuer in China dämpft die Nachfrage im Inland massiv.Konkurrenten wie Geely konnten im Januar am Primus vorbeiziehen.Der Fokus auf den Billig-Massenmarkt rächt sich nun durch hauchdünne Margen, die im aktuellen Preiskrieg kaum noch Spielraum für Innovationen lassen.3. Luxus-Segment: Wo sind die Statussymbole?Im prestigeträchtigen High-End-Markt läuft BYD der Konkurrenz hinterher. Während Marken wie NIO durch ihr Batteriewechsel-System und Xiaomi (mit Rekord-Auslieferungen des SU7/YU7 im Januar) den Lifestyle-Faktor besetzen, bleibt BYD das Image des "Volks-Stromers" haften. Die Luxusmarke Yangwang ist zwar ein technisches Aushängeschild, erzielt aber keine Volumina, die NIO oder die aggressive Expansion von Xiaomi ernsthaft gefährden könnten.Fazit: 1,5 MW Ladeleistung wirken in einer Welt mit maroden Stromnetzen und sinkenden Margen eher wie eine verzweifelte Profilierung als wie eine Lösung für den Massenmarkt. BYD muss aufpassen, dass sie vor lauter Gigawatt-Träumen den Anschluss an die Profitabilität und den Premium-Markt nicht endgültig verlieren.
MWF
26.02.2026 um 07:30
Das ist die gleiche Produktstrategie wie die der deutschen OEMs zur Zeit der Verbrenners. Kein Kunde brauchte 400PS und 250km/h schnelle Autos. Keiner braucht eine Taucheruhr die bis 200 Meter dicht ist. Reines Image. Smarter Move von BYD.
Kosinus
26.02.2026 um 08:11
Weiß jemand, ob das Laden gleichzeitig über beide Ladebuchsen oder abwechselnd erfolgt?Der Tang L hat an den Ladebuchsen Stromschienen, die zu einer Verteilerdose führen. Von dort ist jedoch nur ein relativ kurzes Rundkabel mit dem Wechselrichter verbunden. Und da frage ich mich, wie die Leitung den Strom tragen kann.
R. Boberg
01.03.2026 um 22:12
Herr Fenzlein, gut, dass sie sich Sorgen machen um BYD oder andere Autohersteller. Es werden immer einige auf der Strecke bleiben. Das sind die Markt-Gesetze. Das eigentliche Ziel, die Mobilitätswende so schnell wie möglich auf die Straße zu bringen, sollte uns Allen Sorgen bereiten und ist jede Anstrengung wert. Es geht, verdammt noch mal, nicht um die Frage, ob man einen Verbrenner 3 oder 4 Minuten schneller betanken kann, als ein E-Auto zu laden. Wenn wir das CO² nicht reduzieren, werden unsere Sorgen ganz andere sein.

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