Albemarle stoppt Lithium-Verarbeitung in Australien

Der US-Chemiekonzern Albemarle hat die letzte verbleibende aktive Produktionslinie Train 1 in seinem Lithiumhydroxid-Werk Kemerton in Westaustralien mit sofortiger Wirkung stillgelegt. Die Lithiumgewinnung aus Hartgestein habe sich nicht mehr gerechnet.

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Bild: Albemarle

Eigentlich hatte Albemarle große Pläne mit dem Lithiumhydroxid-Werk im Westen Australiens, denn neben den Produktionslinien Train 1 und Train 2 sollten mit Train 3 und Train 4 zwei weitere Linien gebaut werden, um Lithiumhydroxid in Batteriequalität aus dem Spodumenkonzentrat zu extrahieren. Damit sollte die Anlage in Kemerton statt bisher 50.000 Tonnen jährlich bei voller Auslastung 100.000 Tonnen  Lithiumhydroxid produzieren können – so der Plan im Mai 2023. Damit wollte das US-Unternehmen zum größten Lithiumproduzenten in Australien aufsteigen.

Schon im Jahr 2024 wurden die Ausbaupläne für die Linien 3 und 4 aber wieder kassiert und sogar die bereits in Betrieb befindliche Train 2 wieder gestoppt. Statt auf 100.000 Tonnen Verarbeitungs-Kapazität ging es also vorerst wieder auf 25.000 runter. Und jetzt sogar auf null Tonnen, denn Albemarle hat im Februar auch die einzige noch laufende Linie Train 1 vorerst stillgelegt. Wichtig ist „vorerst stillgelegt“, denn die Produktion wurde nur angehalten, das Werk ist nicht geschlossen.

„Die Stilllegung des Betriebs in Kemerton war eine schwierige Entscheidung. Sie folgt auf bedeutende Maßnahmen, die wir in den letzten zweieinhalb Jahren ergriffen haben, um die Betriebskosten während einer längeren Phase der Preisvolatilität auf dem Markt zu senken“, erklärt Albemarle-CEO Kent Masters. „Leider reichen die jüngsten Verbesserungen der Lithiumpreise allein nicht aus, um die Herausforderungen auszugleichen, denen sich die Lithiumgewinnung aus Hartgestein im Westen gegenübersieht. Diese Entscheidung verbessert unsere finanzielle Flexibilität und bewahrt uns Optionen.“

Das Material, das in der seit 2019 errichteten Anlage in Kemerton zu Lithiumhydroxid in Batteriequalität verarbeitet wurde, stammte aus der Greenbushes-Mine, die ebenfalls in Australien liegt. Dabei handelt es sich um eine Hartgesteins-Tagebaumine, die sich etwa 250 Kilometer südlich von Perth, Westaustralien, und 90 Kilometer südöstlich des Hafens von Bunbury, einem wichtigen Umschlaghafen im Südwesten von Westaustralien, befindet.

Albemarle geht davon aus, dass die Entscheidung rund um die Anlage in Kemerton keine Auswirkungen auf die prognostizierten Produktionsmengen für 2026 haben wird, da das Unternehmen die Kundennachfrage nach Lithiumhydroxid über andere Produktionskanäle decken will. Für das zweite Quartal 2026 wird buchhalterisch jedoch eine Steigerung des bereinigten EBITDA erwartet. Die australischen Bergbauaktivitäten des Konzerns, auch die Beteiligung an der Greenbushes-Mine, sind von der Entscheidung nicht betroffen, wie Albemarle betont.

Lithiumhydroxid ist ein wichtiges Material für Lithium-Ionen-Batteriezellen mit NMC-Zellchemie, also Nickel, Mangan und Kobalt, oder auch NCA-Zellen (Nickel-Kobalt-Aluminium). LFP-Zellen basieren hingegen auf Lithiumcarbonat. Beide Lithium-Verbindungen unterliegen also unterschiedlichen Nachfrage-Märkten und werden entsprechend separat auf dem Weltmarkt gehandelt. Gerade in China werden zunehmend E-Autos mit LFP-Zellen gebaut, auch europäische Hersteller schwenken aus Kostengründen auf die günstigere Zellchemie um. Und mit dem ersten Einsatz von Natrium-Ionen-Batterien könnte der Lithium-Markt künftig weiter unter Druck geraten. Noch bleibt Lithium Experten zufolge zwar auf Jahre das dominierende Batterie-Material, unklare Zukunftsaussichten machen aber langfristige Investitionen wie in Kemerton für die Unternehmen deutlich schwieriger.

prnewswire.com

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