Bosch vertieft Partnerschaft mit Nio

Nio und Bosch haben während des Besuchs des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz in China eine strategische Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Die Partnerschaft wird sich auf alle drei Nio-Marken – Nio, Onvo und Firefly – erstrecken und auf Kerntechnologien der Elektromodelle konzentrieren.

Bosch nio signing
Bild: Nio

Zu den Technologien, die über die neue Partnerschaft abgedeckt werden, zählen Chassis-Systeme wie Steer-by-Wire, aber auch antriebsrelevante Komponenten wie Batteriemanagement- und Antriebssysteme. Auch Sensormodule rund um das autonome Fahren sollen in dem vereinbarten Paket enthalten sein. Angaben zu den finanziellen Umfängen der Partnerschaft gibt es bisher nicht.

Der Deal zwischen dem deutschen Zulieferer und dem chinesischen E-Autobauer wurde im Vorfeld sicher lange verhandelt, unterzeichnet wurde die Vereinbarung aber zu einem politisch bedeutsamen Zeitpunkt. Bundeskanzler Friedrich Merz war mit einer großen Wirtschaftsdelegation in den vergangenen Tagen auf seinem ersten Staatsbesuch in China unterwegs. Im Zuge dieser Reise nahm Merz auch gemeinsam mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Qiang am Symposium des Chinesisch-Deutschen Wirtschaftsbeirats in Peking teil – auch Nio-Gründer und -CEO William Li hat sein Unternehmen bei dem Treffen vertreten.

„Während der Gespräche tauschte sich Li mit führenden Vertretern der chinesischen und deutschen Industrie über grüne und kohlenstoffarme Entwicklung, digitale Transformation, Widerstandsfähigkeit der Lieferketten und das bilaterale Investitionsumfeld aus“, schreibt Nio. „Außerdem diskutierte er mit Vertretern deutscher Automobilunternehmen über die Förderung von gegenseitigem Nutzen und gemeinsamem Wachstum angesichts des beschleunigten Wandels der globalen Automobilindustrie hin zu Elektrifizierung und intelligenter Mobilität.“

In chinesischen Medien wird überraschend deutlich die politische Ebene des Deals hervorgehoben, weniger der technische Inhalt. „Die Vereinbarung spiegelt weitergehende Ambitionen wider, die deutsch-chinesische Zusammenarbeit in der Energiewende und der fortgeschrittenen Fertigung zu intensivieren und die industrielle Kooperation im globalen Bestreben nach nachhaltigem Wachstum zu stärken“, schreibt etwa das Portal Gasgoo, bleibt dabei aber recht nahe an den Formulierungen aus der Mitteilung von Nio. Die CN EV Post wird noch deutlicher: „Diese hochkarätige Zusammenarbeit erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem chinesische Autohersteller in Europa mit Handelsbarrieren konfrontiert sind.“

Unterzeichnet wurde die Vereinbarung auf Nio-Seite von Shen Feng, Executive Vice President des Unternehmen und Chairman des Quality Management Committee. Für Bosch hat Johannes Sommerhäuser, Regional President Asia-Pacific bei Bosch Global Business Services und Vorstandsmitglied von Bosch China, unterschrieben.

Während Zuliefer-Deals zwischen chinesischen E-Autobauern und deutschen Zulieferern keine Seltenheit sind (und Nio verfügt über einen großen Standort in München), überrascht inhaltlich der Punkt, dass die Vereinbarung mit Bosch auch den Bereich Steer-by-Wire umfasst. Denn beim Flaggschiff-Modell Nio ET9, der über ein Steer-by-Wire-Lenksystem verfügt, arbeiten die Chinesen eigentlich mit ZF zusammen.

gasgoo.com, cnevpost.com, linkedin.com (Nio-Mitteilung)

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