Plant Mercedes eine neue E-Auto-Plattform mit Geely-Technik?

Der chinesische Geely-Konzern ist seit Jahren einer der größten Einzelaktionäre von Mercedes-Benz, bisher gab es aber kaum Technologietransfer zwischen den Herstellern. Berichten aus China zufolge könnte sich das bald ändern – doch der deutsche Hersteller dementiert.

Mercedes benz cla symbolbild
Bild: Sebastian Schaal

Zunächst hatte das in der asiatischen Auto- und Batteriebranche üblicherweise gut informierte Portal „36kr“ berichtet, dass Mercedes-Benz eine neue E-Auto-Plattform auf Basis einer Geely-Architektur plane. Konkret soll die neue globale Plattform von Mercedes den Codenamen „Phoenix“ tragen und für kompakte Elektroautos entwickelt werden. Die Basis bildet dem Bericht zufolge keine Mercedes-Entwicklung, sondern die GEEA-4.0-Plattform von Geely – GEEA steht für Geely Electronic & Electrical Architecture.

Aktuell sollen Mercedes-Entwickler eine Machbarkeitsstudie durchführen, also ein „Proof of Concept“ erstellen. Dem Bericht zufolge seien seit Januar vermehrt Führungskräfte des deutschen Autobauers im Geely-Entwicklungszentrum Hangzhou Bay gesichtet worden, im Februar soll ein Management-Team von Geely für weitere Verhandlungen zu Mercedes nach Shanghai gereist sein.

Die Kooperation rund um die Phoenix-Plattform sei das erste Projekt für Mercedes-Benz China im Rahmen einer Reorganisation, hieß es. Denn das Forschungs- und Entwicklungszentrum von Mercedes in China solle „zum globalen Hauptsitz für die Entwicklung von Kompaktfahrzeugen“ werden und die Konstruktion und Entwicklung neuer Kompaktmodelle eigenständig überwachen. Sprich: Mercedes würde zum ersten Mal überhaupt eine neue Fahrzeugplattform außerhalb Deutschlands entwickeln.

Nur: Das Unternehmen dementiert die Informationen von „36kr“. Die beschriebene Zusammenarbeit sie „erfunden und unwahr“, schreibt die CnEVPost unter Berufung auf eine Stellungnahme von Mercedes-Benz. Dass die Phoenix-Plattform wie zunächst berichtet bis 2030 in die Massenproduktion geht, darf also vorerst bezweifelt werden.

Mercedes-Benz hat unter CEO Ola Källenius sein komplettes „Entry“-Segment neu aufgebaut. Auf Basis der „Mercedes Modular Architecture“ (MMA) sind bereits der neue CLA, CLA Shooting Brake und der neue GLB vorgestellt worden – bisher alle rein elektrisch, später sollen Benziner mit 48-Volt-Hybrid folgen. Auch ein GLA-Nachfolger ist auf Basis der MMA geplant. Zunächst sollte es auch bei diesen vier „Entry“-Modellen bleiben, die A-Klasse und B-Klasse sollten wegfallen. Inzwischen hat Mercedes aber einen A-Klasse-Nachfolger bestätigt, womit es wieder fünf Kompaktmodelle von Mercedes geben soll.

Die MMA ist erst mit dem neuen CLA debütiert und somit noch komplett neu auf dem Markt. Daher wäre es aus der bisherigen Unternehmenslogik eher unsinnig, eine so neue Plattform schon 2030 durch eine Neuentwicklung zu ersetzen. Als Hauptgrund für die angebliche technische Zusammenarbeit hatte „36kr“ jedoch die niedrigeren Kosten angeführt. Die internen Auswirkungen würden nahelegen, „dass die Fahrzeugarchitektur von Geely erhebliche Vorteile bei der Kostenkontrolle bietet“.

weixin.qq.com (Original-Bericht auf Chinesisch), cnevpost.com (Dementi)

9 Kommentare

zu „Plant Mercedes eine neue E-Auto-Plattform mit Geely-Technik?“
ShelbyGT
06.03.2026 um 14:57
Dann könnte Mercedes mittelfristig technologisch aufrücken, bisher ist Geely deutlich weiter und in der eMobiltät weiter vorne als der deutsche Konzern.
Alkibiades
07.03.2026 um 07:34
Das ist seltsam. Ich wüsste nicht nach welchen Kriterien Geely technologisch weiter vorn liegen sollte. Zumal noch „deutlich“. Nennen Sie doch mal ein paar konkrete Punkte.
Branchenkenner
06.03.2026 um 22:39
Ich sehe Mercedes nicht wirklich dahinter. Was Mercedes kann beweist der vollelektrische AMG GT-4 Türer dieses Jahr. Der Prototyp hat viele Rekorde geschlagen.
Paul-Gerhard Fenzlein
09.03.2026 um 13:55
Als Prototyp vielleicht. Aber ich habe noch kein elektrisches AMG GT Serienauto gesehen. Die Chinesen bauen leider keine Prototypen, sondern Serien Autos!
lumia
06.03.2026 um 21:55
Aber nicht bei Smart. Was hilft eine starke Ladetechnik, wenn der Verbrauch viel zu hoch ist. Auch die Software lässt stark zu wünschen übrig.
Andy
07.03.2026 um 09:39
Ich würde diesen Schritt für gut halten. Sich austauschen und von den Chinesen lernen um aufzuholen.
Branchenkenner
08.03.2026 um 23:16
Man muss da nichts aufholen
Joa Li
07.03.2026 um 11:52
Im Prinzip ist das die Zukunft von Mercedes; eine Markenhülse für den Abverkauf von Technik aus China mit Ausstattungen im Abo, die es bei den chinesischen Originalen serienmässig gibt.
Paul-Gerhard Fenzlein
09.03.2026 um 13:52
Die Vorstellung, Mercedes-Benz habe in Geely einen „Traumpartner“ gefunden, ist längst der Ernüchterung gewichen. Tatsächlich gleicht das Verhältnis der Stuttgarter zu ihren chinesischen Großaktionären – allen voran BAIC und Geely – eher einer angespannten Zweckgemeinschaft unter massivem Legitimationsdruck.Interessenkonflikte im AufsichtsratDie Machtverhältnisse im Mercedes-Aufsichtsrat sind ein Minenfeld. Mit einem BAIC-Anteil von rund 10 % sitzt ein Akteur am Tisch, der mit Stelato – der gemeinsamen Luxusmarke mit Huawei – direkt gegen die S-Klasse antritt. Diese Konstellation illustriert die strategische Zwickmühle: Man ist einerseits finanziell voneinander abhängig, andererseits kämpft man im chinesischen Heimatmarkt um dieselben Kunden. Dass hier eine klare „Strategie-Hoheit“ erkennbar wäre, ist zu bezweifeln; stattdessen regiert ein taktisches Lavieren, während die Konkurrenz in China den Takt vorgibt.Das technologische Paradigma: Warum NIO der „Elefant im Raum“ istWährend man in Stuttgart noch über die Feinabstimmung von Verbrennern und Hybriden debattiert, hat sich der Markt in China technologisch längst weiterentwickelt. Wenn man neutral auf die Hardware blickt, ist NIO Mercedes weit voraus:Integrative Technologie: Mit dem Shenji NX 9031-Chip, dem Sky Ride-Fahrwerk und Steer-by-Wire-Systemen bietet NIO ein Gesamtpaket, das für eine neue Generation von Luxuskäufern relevanter ist als das traditionelle Markenimage des Sterns.Infrastruktur-Vorteil: Die Batterie-Wechseltechnologie ist nicht nur ein Gimmick, sondern ein systemischer Vorteil, der das Reichweiten- und Ladedauer-Argument der S-Klasse im Alltag ad absurdum führt.Dass eine Kooperation mit NIO aus Mercedes-Sicht als „Eingeständnis des Versagens“ gewertet würde, ist das klassische Innovator’s Dilemma. Doch genau diese Hybris – das Festhalten an der eigenen, scheinbar überlegenen Vergangenheit – könnte den Stuttgartern zum Verhängnis werden.Die nackte Realität der ZulassungszahlenDer Markt ist gnadenlos: Der Erfolg der S-Klasse und des Mercedes-Maybach lässt sich nur noch durch massive Rabatte erkaufen. Das ist kein Zeichen von Stärke, sondern ein Hilferuf an die Preissensibilität, während die Konkurrenz bereits die nächste Welle rollen lässt. Mit Fahrzeugen wie dem Maextro S800, dem NIO ET9 und dem kommenden ES9 sowie dem Druck durch Geely und Stelato ist das Premium-Segment in China für Mercedes kein Selbstläufer mehr, sondern ein extrem herausforderndes Terrain.Fazit: Der Erfinder des Automobils steht vor seiner größten Herausforderung. Um in der neuen Ära relevant zu bleiben, muss Mercedes aufhören, sich hinter der Historie zu verstecken, und beginnen, die technologischen Disruptoren als das zu sehen, was sie sind: die neue Messlatte. Die Zeit, in der das Logo allein den hohen Preis rechtfertigte, ist in China abgelaufen.

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