MAN will 160 Mio. Euro in deutsches Servicenetz pumpen

MAN Truck & Bus hat dieser Tage angekündigt, bis 2030 rund 300 Millionen Euro in sein europäisches Servicenetzes zu investieren. Die deutsche Vertriebsgesellschaft teilt nun mit: Davon entfallen allein rund 160 Millionen Euro auf Deutschland. Mit den Geldern soll u.a. die Elektrifizierung forciert werden.

Man service symbolbild
Bild: MAN

Als MAN Truck & Bus vor knapp zwei Wochen die 300 Millionen Euro als Invest in das europäische Servicenetzes nannte, sprach das Unternehmen von dem größten derartigen Paket in der Firmengeschichte. Ein Drittel dieser neuen Gelder sollen in Elektromobilität und Digitalisierung fließen. Nun legt die deutsche Vertriebsgesellschaft nach und skizziert, was das Investitionsprogramm für den Ausbau des Servicenetzes in der Bundesrepublik bedeutet. Rechnerisch klar ist: Mit 160 Millionen Euro geht mehr als die Hälfte der vorgesehenen Gelder in MANs Heimatmarkt Deutschland.

Vorneweg schickt die MAN Truck & Bus Deutschland GmbH, dass sich das Unternehmen zusammen mit der Mitbestimmung und der IG Metall auf den Zukunftstarifvertrag „Gemeinsam für Wachstum“ geeinigt hat, der hierzulande als Voraussetzung für die Weiterentwicklung des bundesweiten Servicenetzes gilt. Bis 2030 sollen nun besagte 160 Millionen Euro fließen, um MANs Serviceangebot zu sichern und auszubauen. Das „bereits heute größte herstellereigene Servicenetz in Deutschland „, so MANs O-Ton, soll dadurch binnen fünf Jahre modernisiert, erweitert und um gezielte Neubauten ergänzt werden. „Damit bekennt sich das Unternehmen klar zu seinen Servicestandorten und stärkt gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit im deutschen Nutzfahrzeugmarkt“, betonen die Münchner.

Zentrale Punkte im „Zukunftsvertrag“ umfassen eine Qualifizierungsoffensive für die Belegschaft, die Erhöhung des Schulungsbudgets und jährlich zugesicherte Trainingstage – auch zur Vorbereitung auf mehr elektrifizierte Lkw. Auch sollen weitere Ladegeräte an MAN-Servicestandorten entstehen. Auf Anfrage von electrive fasst eine Sprecherin des Unternehmens die eMobility-spezifischen Pläne wie folgt zusammen: „Der Zukunftstarifvertrag adressiert nicht nur die Ladeinfrastruktur, sondern auch Qualifizierung und Digitalisierung – damit unsere Standorte technisch und organisatorisch auf den zunehmenden Anteil elektrischer Nutzfahrzeuge vorbereitet sind.“

Lkw-Lader baut MAN bekanntlich in Kooperation mit dem Energiekonzern E.On auf. Im Zuge des 2024 angekündigten Projekts werden eine Vielzahl von MAN-Serviceniederlassungen mit öffentlich zugänglichen Ladepunkten für Elektro-Lkw ausgestattet. Insgesamt streben die Partner bis zu 400 Ladepunkte an bis zu 170 Standorten in Europa an, davon bis zu 125 Standorte allein in Deutschland. Als bisher in Betrieb genommene Anlaufpunkte nennt MAN die Standorte Berlin-Wildau, Fürstenwalde und Karlsfeld sowie der österreichische Standort Eugendorf sowie Čestlice in Tschechien. „Weitere Stationen werden noch in diesem Jahr in verschiedenen Märkten eröffnet“, äußert der Hersteller, ohne an dieser Stelle näher ins Detail zu gehen.

Darüber hinaus spielt laut der Firmensprecherin bei der E-Mobilität die Qualifizierung und Organisationsentwicklung eine wichtige Rolle. „Wir bauen die Hochvolt‑Ausbildung weiter aus und orientieren uns dabei an einem dreistufigen Lernpfad – von der HV‑Sensibilisierung bis zur Elektrofachkraft.“ Die Trainings kombinieren Präsenzphasen, digitale Lerneinheiten und einen hohen Praxisanteil, insbesondere bei Arbeiten an Batterien. Und: „Des Weiteren verdoppeln wir das Budget für Schulungen im Bereich Elektromobilität im Rahmen des Zukunftstarifvertrags.“

Ein dritter Schwerpunkt der aktuellen Pläne liegt bei MAN zudem auf der Digitalisierung der Werkstätten. „Serviceberater und Monteure wurden bereits mit iPads ausgestattet, um Serviceaufträge, Dokumentationen und Kommunikation digital abzuwickeln“, heißt es. Zudem sollen App-Lösungen und künstliche Intelligenz die durchgängige Digitalisierung des Werkstattbesuchs unterstützen und für effizientere Abläufe, höhere Transparenz und eine verbesserte Servicequalität sorgen. 

Schon bekannt ist darüber hinaus, dass auf europäischer Ebene weitere MAN-eigene Batteriereparatur-Zentren entstehen sollen: Solche Einrichtungen gibt es bereits u.a. in Deutschland, Spanien, Belgien, Italien und Österreich (wobei Österreich auch als Hub für die Nachbarländer Tschechien, Slowakei und Ungarn agiert). Weitere Länder sollen nun innerhalb der nächsten Monate angebunden werden. Über Partner gelte dies auch bereits für Schweden und zeitnah in den Niederlanden, wie MAN jüngst mitteilte. Bis 2030 soll das Netz an Batteriereparatur-Zentren so weit verdichtet und ausgedehnt werden, dass alle europäischen Märkte erschlossen sind.

Grundsätzlich macht MAN klar, dass die Investition in das deutsche und europäische Servicenetz die Kundenbindung nochmals stärken soll. Dafür nehmen die Münchner auf europäischer Ebene nach eigenen Angaben bis 2030 so viel Geld in die Hand, wie noch nie zuvor. Die 300 Millionen Euro macht MAN dabei durch Einsparungen an anderer Stelle locker: Im Januar kündigten die Münchner an, mit ihrem Programm „MAN2030+“ Kosten senken zu wollen, um ebensolche Investitionen in Wachstum und Innovationen stemmen zu können.

Interessant dabei: MAN hat eigentlich heute schon ein recht dichtes Netz an Service- und Vertriebsstandorten: Europaweit gibt es rund 1.200 MAN-eigene und Partner-Betriebe – mit in Summe circa 7.000 Beschäftigten (in MAN-Betrieben). Und über den Pannen- und Mobilitätsdienst MAN Mobile24 sorgen gut 2.000 MAN-Servicestützpunkte und Kooperationspartner für eine enge Betreuung. Auf Deutschland heruntergebrochen umfasst das MAN-Servicenetz mehr als 340 eigene und Partner-Servicestandorte.

Warum MAN in Zeiten seines harten Sparkurses samt Stellenabbau trotzdem so viele Mittel in das Servicenetz pumpt, erläutert Friedrich Baumann, Vorstand für Sales und Customer Solutions bei MAN, wie folgt: „Eine starke Marke braucht ein starkes Servicenetz. Das haben wir – und wir machen es jetzt noch stärker. Neben unserer Vertriebsmannschaft sind unsere Werkstätten unser Gesicht für unsere Kunden. Unser starkes Netz ist ein Wettbewerbsvorteil. Den wollen wir weiter ausbauen. Deshalb investieren wir hier in den nächsten Jahren massiv, denn die Kombination von Produkt, Service und guter Qualität wird in den kommenden Jahren auch vor dem Hintergrund neuer Wettbewerber noch wichtiger.“

Mit neuen Wettbewerbern dürften unter anderem die angekündigten China-Marken im Lkw-Bereich gemeint sein. Bei den Bussen sind Yutong, BYD und Co. ja schon länger konkurrenzfähig. Baumann will sein Unternehmen deshalb im Service „noch einmal deutlich stärker abheben und nachhaltig aufstellen“. Denn: „Das Nutzfahrzeug-Geschäft ist im Vergleich zum Pkw deutlich komplexer und serviceintensiver. Die tägliche Verfügbarkeit der Fahrzeuge ist für unsere Kunden essenziell wichtig für ihr Geschäft. Um erfolgreich zu sein, müssen wir ganz nah an unseren Kunden sein und einen top Service bieten.“

Den angestrebten Service-Mehrwert gießt der Hersteller auch in Zielwerte: Angestrebt wird etwa, dass fast 80 Prozent der Kunden künftig eine Fahrzeit unter 30 Minuten zum nächsten MAN-Servicestandort haben. Zu den wichtigsten Märkten, in denen dieses Ziel vorrangig und vor 2030 erreicht werden soll, gehören Deutschland, Österreich und Schweiz sowie unter anderem Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Polen und die Türkei. Und: „In einzelnen besonders Logistik-intensiven Regionen soll das Ziel unter anderem auch durch das Schaffen neuer Stützpunkte erreicht werden. In diesen Ländern eröffnen wir im Schnitt pro Jahr sieben neue Niederlassungen“, skizziert Baumann.

press.mantruckandbus.com

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