Bund geht für 2030 von 8 Millionen Elektroautos in Deutschland aus
Die sogenannten „Cleanroom-Gespräche Pkw“ hat die die bundeseigene NOW GmbH im Sommer 2025 geführt – es handelte sich dabei bereits um die dritte Runde dieses Gesprächsformats in den vergangenen Jahren. Das Verkehrsministerium erfasst im Zuge dieses Austauschs mit den Herstellers allerhand Informationen, um aktuelle Markt- und Technologieentwicklungen im Bereich der Elektro-Pkw abzuschätzen. Die teilnehmenden Unternehmen decken dabei den Großteil des Markts ab: Sie repräsentieren gemeinsam „mehr als 80 Prozent des Pkw-Absatzes und über 90 Prozent der E-Pkw-Absätze in Deutschland“, so die NOW GmbH in einer begleitenden Mitteilung.
Aus den Einblicken, die die Autobauer zu ihren jeweiligen Absatz- und Technologieprognosen gewähren, entwirft die NOW GmbH ihrerseits eine Gesamtprognose für den deutschen Pkw-Markt – und die ist nun spruchreif: „Basierend auf den Absatzprognosen der Hersteller mit Stand Sommer 2025 hat die NOW GmbH die mögliche Entwicklung des Gesamtbestandes an elektrifizierten Pkw in Deutschland für die Jahre 2026 bis 2030 ermittelt. Daraus ergibt sich für das Jahr 2030 ein erwarteter Pkw-Bestand von rund 8 Millionen Batterie-elektrischen Fahrzeugen (BEV) und 2,4 Millionen Plug-in-Hybriden (PHEV)“, schreibt die Organisation.
Zur Einordnung: Die Schwelle zu zwei Millionen BEVs wurde in Deutschland rund um den Jahreswechsel 2025/26 überschritten. Dabei hat sich die Entwicklung stets beschleunigt: „Während im Jahr 2017 noch 34.022 Fahrzeuge zugelassen waren, hat sich die Zahl bis 2026 auf über zwei Millionen Fahrzeuge um nahezu das 60-Fache erhöht“, schrieb das Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) Anfang des Jahres zu der erreichten Zwischenetappe. Ein deutlicher Anstieg des Wachstums sei insbesondere ab dem Jahr 2020 zu beobachten gewesen. Wir erinnern uns: Im Jahr 2023 wurde erstmalig die 1-Million-Marke überschritten.
Aber: 2021 hatte die damalige Ampel-Koalition das Ziel von 15 Millionen E-Autos im Jahr 2030 ausgegeben. Dieses politische Ziel hatte lange Bestand, im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD fehlt diese Angabe aber – die 15 Millionen E-Autos werden seitdem nicht mehr verfolgt. Dass es mit rund 8 Millionen BEV nun knapp die Hälfte ist, vereinfacht die Planung für Entscheidungsträger wohl nicht gerade – auch wenn es bei einem Bestand von zwei Millionen E-Autos Anfang 2026 wohl ein realistischerer Wert ist.
Aber um selbst diese 8 Millionen E-Autos zu erreichen, sagt die NOW GmbH nun also eine weitere rasante Steigerung der BEV-Absatzzahlen voraus. In nur vier Jahren sollen 6 Millionen weitere BEVs folgen. Für den Pkw-Absatz im Jahr 2030 prognostizieren die Verantwortlichen circa 1,8 Millionen neue Elektroautos und rund 200.000 neue Plug-in-Hybride, was laut Schätzungen der NOW GmbH einem E-Anteil am Gesamtabsatz von rund 70 Prozent entsprechen würde.
Diese Kalkulation übertrifft die bisherigen Annahmen ganz erheblich: „Zwischen 2026 und 2030 wächst der prognostizierte BEV-Absatz in Deutschland jährlich um durchschnittlich 24 % und damit stärker als bisher angenommen“, kommentiert die NOW GmbH ihre Prognose.
Dagmar Fehler, Sprecherin und CEO der NOW GmbH, äußert: „Das Cleanroom-Format ist in seiner Art einzigartig: In einem systematischen und kartellrechtskonformen Verfahren erheben und analysieren wir die Absatzplanungen der Automobilindustrie. Dies erlaubt fundierte Aussagen und Empfehlungen zu entscheidenden Fragen für die Mobilität der Zukunft. Mit den Ergebnissen der Cleanroom-Gespräche geben wir als NOW Orientierung – für die Politik, für Wirtschaft und Wissenschaft sowie für interessierte Bürgerinnen und Bürger. Für die nächsten Jahre sehen wir einen klaren Trend: Eine wachsende Modellauswahl, größere Reichweiten und schnelleres Laden machen das Fahren eines E-Autos immer attraktiver.“
Inwiefern sich diese Rahmenbedingungen konkret verbessern dürften, skizziert die NOW GmbH wie folgt:
- Die Modellauswahl wächst: Die Anzahl der BEV-Modelle steigt laut der NOW-Prognose zwischen 2026 und 2030 um 40 Prozent, während das PHEV-Angebot leicht zurückgeht.
- Die durchschnittlich nutzbaren Batteriekapazitäten steigen um rund 5 Prozent, in oberen Fahrzeugsegmenten sogar um bis zu 30 Prozent.
- Die Reichweiten aller Fahrzeugsegmente nehmen zu, mit besonders starken Fortschritten in oberen Segmenten.
- BEV in mittleren und oberen Segmenten sind bereits heute für Schnellladen (HPC, ≥ 150 kW) ausgelegt. Auch für kleinere Modelle wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren zunehmend HPC-Fähigkeit erwartet.
- Bidirektionales Laden (V2X) wird bis 2030 bei BEV-Neuzulassungen deutlich verbreitet sein – ein wichtiger Baustein für die Energiewende.
Wichtig ist der NOW GmbH zudem die Botschaft, dass die Ergebnisse der Cleanroom-Gespräche für ein klares strategisches Bekenntnis der Automobilindustrie zur Elektromobilität sprechen: „Die BEV-Produktion wird in allen relevanten Märkten strategisch priorisiert. Nach 2030 werden jährliche BEV-Neuzulassungen von über zwei Millionen Pkw erwartet – der Markt etabliert sich damit als echter Massenmarkt“, schreibt die bundeseigene GmbH.
Die von Juli bis September 2025 geführten Gespräche erfolgten bei alledem kartellrechtskonform und umfassten persönliche Gespräche sowie eine strukturierte Datenabfrage zu Absatzprognosen für den Zeitraum 2026 bis 2030. Sie dient der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur allen voran als Grundlage für deren Bedarfsprognosen – etwa was die erforderliche Ladeinfrastruktur angeht. Erstmals regte das Verkehrsministerium diesen Austausch mit der Branche im Jahr 2020 an. Zu einer zweiten Runde kam es 2022/23, ehe nun die dritte Runde erfolge.





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