Bosch zeigt in China automatisiertes Fahren auf Level 3
Für den deutschen Zulieferer bedeutet das einen wichtigen Technologiesprung. Denn bot Bosch bislang nur Fahrassistenzsysteme (ADAS) auf Level 2 an, heißt Level 3 den Einstieg ins hochautomatisierte Fahren. Fahrzeuge mit Assistenzsystemen auf Level 2 können zwar eigenständig bremsen, lenken und beschleunigen, doch der Fahrer muss den Verkehr dauerhaft beobachten und jederzeit das Steuer übernehmen können. Bei Level 3 geht die Verantwortung in bestimmten Anwendungsfällen auf das Fahrzeug über. Der Fahrer darf die Hände vom Lenkrad und die Augen von der Straße („hands-off, eyes-off“) nehmen.
Wie Bosch schreibt, soll der Fahrer „in einer Welt, die sich immer schneller dreht, dank Bosch-Technologie wertvolle Zeit im Auto zurückgewinnen“. Das System kann dabei auf der Autobahn und auf Schnellstraßen innerhalb chinesischer Städte verwendet werden. Es funktioniert bis zu einer Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern, funktioniert bei Wetterbedingungen bis 300 Meter Sicht und wechselt automatisch die Spur.
„Wir setzen KI in jedem Softwarebaustein ein und kombinieren sie mit einer redundaten Sicherheitsarchitektur. Mit unserem Wissen über alle Fahrzeugdomänen hinweg sind wir idealer Partner für Hersteller, um Level 3 zu skalieren“, sagt Markus Heyn, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH und Vorsitzender von Bosch Mobility
Bosch hat im März 2026 die Lizenz erhalten, im chinesischen Wuxi Fahrzeuge mit Level-3-Fahrfunktionen im Realbetrieb zu testen. Der Zulieferer setzt dabei auf eine weiterentwickelte ADAS-Systemlösung, die im Chery Exeed ES bereits zum Einsatz kommt.
Dabei betont Bosch seine hohe Inhouse-Kompetenz für die Entwicklung des assistierten und automatisierten Fahrens: Das Unternehmen verfügt über Know-how in allen Kernfahrzeugbereichen wie Antrieb, Lenkung, Bremse, Fahrzeugsensorik, Hochleistungsrechner, Bordelektronik, Software und KI. Durch Bosch bekommen Hersteller sowohl die Hardware wie etwa den leistungsstarken Radar der siebten Generation als auch die Algorithmen.
Bosch betont zugleich, dass das System längst nicht nur für China gedacht ist: „Wir können Erkenntnisse aus einem Markt in andere transferieren. Unser Ziel ist es, bevorzugter Partner für chinesische und westliche Hersteller zu sein“, bekräftigt Heyn. Ein Level-3-System für Privatfahrzeuge, das den Fahrer für längere Zeit von der Fahraufgabe entbindet, sei auch für Europa und die USA attraktiv. Bosch-Chef Stefan Hartung ergänzt: „Wer wie wir in der Lage ist, Angebot und Lieferketten an regionale Gegebenheiten anzupassen, und gleichzeitig Weltniveau liefern kann, ist klar im Vorteil.“

Bemerkenswert ist freilich das Timing von Bosch, sein Level-3-System zu zeigen. Denn BMW und Mercedes-Benz, die bereits solche Systeme am Markt haben, haben sich entschlossen, diese zunächst nicht länger anzubieten. Denn die Hardware für Level 3 (insbesondere LiDAR-Sensoren und redundante Systeme) ist bislang extrem teuer. Daher kostete das „Drive Pilot“ genannte System von Mercedes zuletzt in der S-Klasse und im EQS zwischen 6.000 und 9.000 Euro Aufpreis. Ähnlich war es beim „Personal Pilot L3“ im 7er von BMW. Außerdem war der Einsatz in Deutschland bislang auf die Autobahn beschränkt. Stattdessen setzen beide Marken nun auf besonders smarte Level-2-Systeme, die überall genutzt werden können, also auch in Städten und auf Landstraßen. Zugleich erfordern sie aber eine stärkere Überwachung durch den Fahrer. So kann der neue „MB. Drive Assist Pro“ von Mercedes automatisiert von Tür zu Tür navigieren – ähnlich wie auch Teslas „FSD Supervised“.





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