Autonomer Bus ohne Sicherheitsfahrer in Norwegen
Der autonome Bus darf in Stavanger aber freilich nicht ohne Vorbereitung losfahren: Bereits seit 2022 läuft dort ein Projekt, bei dem ein autonomer Elektrobus namens e-ATAK des türkischen Herstellers Karsan samt Technologie von Adastec eingesetzt wird. Bislang saß in dem Fahrzeug, das auf Autonomie-Level 4 fährt und damit eigentlich vollständig selbstständig fahren kann, immer ein Sicherheitsfahrer an Bord.
Nun aber haben die Partner die nächste Stufe erreicht: Norwegens Straßenverkehrsbehörde Statens Vegvesen hat die Genehmigung dafür erteilt, dass der private Busbetreiber Vy Buss den autonomen E-Bus von Karsan nun regulär im ÖPNV-Netz der Region namens Kolumbus einsetzen darf, und zwar nun eben ohne Aufsichtsperson an Bord. Das wäre der erste autonome Linienbetrieb ohne Sicherheitsfahrer in Europa.
Noch in diesem Monat soll es mit dem Regelbetrieb losgehen. Die Route führt dabei durch komplexe innerstädtische Verkehrssituationen, darunter mehrere Knotenpunkte und einen rund 800 Meter langen Tunnel. Der Bus fährt im Mischverkehr mit bis zu 40 Kilometern pro Stunde. Die Strecke, deren exakte Länge unbekannt ist, soll laut den Projektpartnern aber deutlich länger sein als die ursprünglich nur 2,6 Kilometer lange Pilotstrecke in 2022.
Zum Einsatz kommt dabei auch die Software xFlow für Fern- und Flottensteuerung des norwegischen Unternehmens Applied Autonomy. Die Lösung vernetzt Fahrzeug, Leitstelle und Fahrgäste. Während in der Pilotphase jedes Fahrzeug einzeln überwacht wurde, erlaubt der Fernbetrieb nun einen entscheidenden Schritt: Eine Person kann mehrere Fahrzeuge gleichzeitig begleiten.
„Stavanger zeigt, dass autonome Busse im Alltag funktionieren“, sagt Olav Madland, CEO von Applied Autonomy. „Der Fernbetrieb macht den Einsatz ausbaufähig. Verkehrsunternehmen können ihr Angebot sichern, auch wenn Fahrpersonal fehlt.“
Der autonome e-ATAK von Karsan würde zuletzt auch ein halbes Jahr in Paris getestet und kommt zudem aktuell im Projekt Albus der Üstra in Burgdorf bei Hannover zum Einsatz. Autonome Busse und Shuttles eröffnen neue Perspektiven für den ÖPNV: Sie könnten Fahrermangel bekämpfen, die Kosten senken, neue Strecken und On-Demand-Angebote schaffen und sollen nicht zuletzt auch sicherer sein als von Menschen gelenkte Fahrzeuge.





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