Hamburger Hochbahn plant 240 neue E-Busse und vertagt E-Ziel
Die Hamburger Hochbahn gilt als einer der deutschen Pioniere bei der Elektrifizierung des ÖPNV. Ebenso wie die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) wollte sich die Hochbahn eigentlich bis 2030 von Dieselbussen verabschieden. Beide Hamburger Verkehrsunternehmen ruderten jedoch bereits vor knapp zwei Jahren zurück und strebten die Umstellung inzwischen „bis Anfang der 2030er Jahre“ an. Zum damaligen Zeitpunkt wurde als neues Ziel das Jahr 2032 genannt.
Doch auch dieses Ziel wurde nun offenbar wieder gekippt. Gegenüber electrive teilt ein Hochbahn-Sprecher mit, dass das Ziel einer vollständig lokal emissionsfreien Flotte auch von einer Förderung durch den Bund abhänge. Und weiter: „Voraussetzung für eine erfolgreiche Umstellung kompletter Busflotten auf E-Antriebe sind Fördermittel des Bundes.“ Ein konkretes Jahr wird nicht genannt.
Bekanntlich beschafft die Hochbahn seit 2020 ausschließlich emissionsfrei angetriebene Busse. Aktuell sind 432 Busse rein elektrisch unterwegs, was einem Anteil von rund 39 Prozent an der gesamten Flotte entspricht. Hinzu kommen noch einige Hybridbusse. Insgesamt sind derzeit somit knapp 500 von rund 1.200 Stadtbussen elektrifiziert, wie Hendryk Münster, Fachbereichsleiter bei der Hamburger Hochbahn, zuletzt im electrive-Interview mitgeteilt hatte.
Mit der geplanten Beschaffung von bis zu 240 weiteren Elektrobussen würde der Anteil rein elektrischer Fahrzeuge bis 2031 zwar auf bis zu 60 Prozent steigen. Naheliegend ist, dass die zusätzlichen E-Busse aus dem Ende 2024 geschlossenen Rahmenvertrag mit Daimler Buses stammen. Daimler Buses war damals als Alleinlieferant für bis zu 350 Elektrobusse vom Typ Mercedes-Benz eCitaro und eCitaro G benannt worden. Ein Jahr vor dem zuletzt genannten Zieljahr 2032 wären damit allerdings weiterhin rund 40 Prozent der Flotte nicht rein elektrisch unterwegs.
Gleichzeitig kündigt die Hochbahn an, die Flotte um bis zu 150 zusätzliche Fahrzeuge zu ergänzen, die mit HVO und nicht mit Diesel betankt werden sollen. Parallel dazu werden seit Januar 2026 die bestehenden herkömmlich angetriebenen Fahrzeuge schrittweise auf den Einsatz von HVO-Kraftstoffen umgestellt, „um die bilanzierten CO2-Emissionen auch für den noch nicht auf Batterieantrieb umgestellten Teil der Busflotte deutlich zu reduzieren“. Es soll sich dabei aber nur um eine „beschränkte Anzahl an HVO-betankten Bussen“ handeln. Nähere Details nennt die Hochbahn nicht.
Die Hochbahn begründet die breitere Aufstellung bei den Antriebsarten in der Flotte mit einer größeren Krisenfestigkeit des Busbetriebs. Genannt werden etwa großflächige Störungen der Energieversorgung, kurzfristig stark steigende Transportbedarfe etwa bei Evakuierungen sowie internationale Entwicklungen, die Auswirkungen auf Energie- und Kraftstoffverfügbarkeiten haben könnten. Die zusätzlichen Fahrzeuge sollen demnach die Einsatzfähigkeit des Busverkehrs auch dann absichern, wenn die eigene Ladeinfrastruktur nur eingeschränkt zur Verfügung steht.
„Unser Kurs bleibt klar: Wir treiben die Elektrifizierung unserer Busflotte konsequent voran. Gleichzeitig tragen wir Verantwortung dafür, dass der Nahverkehr auch in Ausnahmesituationen stabil, flexibel und zuverlässig funktioniert“, so Robert Henrich, Vorstandsvorsitzender der Hochbahn. Saskia Heidenberger, Betriebsvorständin Bus, ergänzt: „Ein leistungsfähiger Nahverkehr muss heute beides schaffen: nachhaltiger werden und zugleich robust gegenüber Krisen und Ausfällen sein. Diese beiden Ziele stehen nicht im Widerspruch, sondern müssen gemeinsam gedacht werden.“ Die Beschaffung der neuen Fahrzeuge sei Teil einer umfassenden Vorsorgestrategie, um sich für potenzielle Herausforderungen zu wappnen. „Sie ist eine notwendige Ergänzung zum eingeschlagenen Elektrifizierungskurs der Hochbahn“, so das ÖPNV-Unternehmen.





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