Ebusco verhandelt über Teilverkauf seines E-Busgeschäfts
In seinem aktuellen Geschäftsbericht führt Ebusco aus, dass es Interessenten für einen Einstieg als Mehrheitseigner gibt: Die Verhandlungen werden mit „strategischen Partnern“ geführt, „die ernsthaftes, jedoch bisher unverbindliches Interesse am Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung am Busgeschäft von Ebusco bekunden“. Somit sind die Niederländer bereit, die Kontrolle an ihrem operativen Kerngeschäft abzugeben, um ihre Finanzen in den Griff zu bekommen. Ein eigens gegründetes Transaktionskomitee des Aufsichtsrats koordiniert die Gespräche. Parallel dazu treibt der Vorstand den Wandel zum reinen Entwickler voran („vom Original Equipment Manufacturer zum Original Equipment Developer, kurz: vom OEM zum OED“). Die Fertigung wird in diesem Modell an Partner ausgelagert.
Ebusco gibt an, diesen strategischen Wechsel vom OEM- zum OED-Betriebsmodell im vergangenen Jahr weitgehend abgeschlossen zu haben: „Ebusco arbeitet mit mehreren Auftragsfertigern in Asien zusammen, die nun ausschließlich die Busmontage übernehmen, während sich die Ebusco-Werke in Deurne und Cléon auf die Auslieferungsinspektion und den Kundendienst konzentrieren. Dadurch ist Ebusco deutlich schlanker und effizienter geworden“, heißt es in dem Geschäftsbericht. Dazu trug auch die Zusammenlegung der Standorte Deurne und Venray zu einem einzigen Werk bei. Die Belegschaft schrumpfte in diesem Zuge um 46 Prozent von 522 Mitarbeitern Ende 2024 auf 282 Mitarbeiter Ende 2025.
Blicken wir auf die weiteren Jahres-Kennziffern: 2025 kletterte der Umsatz von Ebusco stark auf 76,6 Millionen Euro (gegenüber rund 11 Millionen Euro in 2024). Der operative Verlust (EBITDA) sank parallel von 132,6 Millionen auf 56,4 Millionen Euro. Dies vor allem dank deutlich reduzierter Betriebskosten (ohne Materialkosten) von nur noch 72,6 Millionen Euro (-55,1 % im Vergleich zum Vorjahr). Allerdings verringerte sich auch die Zahl der ausgelieferten Busse von 157 Einheiten im Jahr 2024 auf 123 Einheiten in 2025. Der Auftragsbestand schrumpfte im Jahresvergleich deutlich von 581 auf 245 Fahrzeuge.
Das Geschäft von Ebusco im Bereich Energiespeicherlösungen, unterstützt von Partner und Anteilseigner Gotion High-tech, gewann 2025 unterdessen an Fahrt. Die Sparte „sicherte sich die ersten Verträge für sein Energiespeichersystem (ESS) und stärkte sein Geschäft mit mobilen Energiecontainern (MECs) weiter“, heißt es.
Die finanzielle Lage des Gesamtunternehmens bleibt dennoch prekär. Nach mehreren Überbrückungskrediten sicherte sich Ebusco im April zwar rund 27,4 Millionen Euro an frischem Kapital durch Kredite von Aktionären und asiatischen Partnern. Doch noch steht die Zusage für einen weiteren wichtigen Kredit einer internationalen Bank aus. Diese neue Vereinbarung soll bis Ende Juni 2026 abgeschlossen sein, ist aber noch ungewiss. Das Unternehmen warnt selbst im Geschäftsbericht, dass diese Gesamtlage auf „das Vorliegen einer wesentlichen Unsicherheit hindeutet, die erhebliche Zweifel an der Fortführungsfähigkeit von Ebusco aufkommen lässt“. Die Abgabe der Mehrheit am Busgeschäft ist insofern eine existenzsichernde Maßnahme.
„Ebusco durchlebte 2025 eine weitere äußerst schwierige Phase, während das Unternehmen gleichzeitig seine Produktionsstruktur umstellte und den Sanierungsplan umsetzte, die Kostenbasis senkte und sein Betriebsmodell anpasste. Obwohl der Weg vor uns weiterhin anspruchsvoll und herausfordernd ist, vor allem aufgrund der finanziellen Lage und anhaltender Liquiditätsengpässe, ist das Management überzeugt, dass sich das Unternehmen auf dem richtigen Weg befindet“, fasst der Vorstand die Lage zusammen. Deutliche Fortschritte seien bei der Optimierung der Unternehmensgröße und der Implementierung der OED-Produktionsstrategie erzielt worden.
ebusco.com





0 Kommentare