Norwegischer Zellhersteller Morrow Batteries ist insolvent

Der norwegische Batteriehersteller Morrow Batteries ist zahlungsunfähig und hat für sich selbst sowie seine Tochtergesellschaften Insolvenzverfahren eingeleitet. Das Unternehmen, das 2024 eine kleinere industrielle Anlage für LFP-Zellen eröffnet hatte, will versuchen, zumindest einen Teil des Betriebs zu retten.

Batteriefabrik morrow batteries
Bild: Morrow Batteries

Morrow Batteries galt bislang als eines der wenigen Unternehmen, die Batteriezellen auf europäischem Boden herstellen. Doch nun hat es das gleiche Schicksal wie das deutlich größere Northvolt aus Schweden erreicht: Auch der norwegische Batteriezellhersteller muss Insolvenz anmelden.

Dabei ist Morrow Batteries zum Schicksal geworden, dass es in einem sich konsolidierenden Markt schlicht und einfach zu klein ist: Die im Sommer 2024 am Stammsitz in Arendal eröffnete Anlage zur Produktion von prismatischen LFP-Zellen ist mit ihrer Jahreskapazität von 1 GWh längst nicht groß genug, um einen größeren Autohersteller zu beliefern, denn das reicht nur für ca. 25.000 Kleinwagen mit einer 40-kWh-Batterie. Zum Vergleich: Die VW-Tochter PowerCo gibt für ihre neue Zellfabrik in Salzgitter eine Kapazität von 20 GWh pro Jahr an, was entsprechend für ca. 250.000 Kleinwagen reicht.

Für Ausbau auf 43 GWh fehlten Investoren

Zwar peilte auch Morrow Batteries, an dem u.a. Siemens beteiligt ist, einen Bau einer solchen Gigafabrik an. Die Norweger wollten den Standort in Arendal in vier Schritten auf später 43 GWh erweitern. Doch dazu kam es nie – es fanden sich keine passenden Investoren. Und schon der Hochlauf der bestehenden 1-GWh-Anlage war offenbar eine massive Herausforderung: Offenbar kam es in der Zellfabrik nie zu einer Serienproduktion. Denn noch im Januar 2026 – und damit immerhin schon fast eineinhalb Jahre nach der Eröffnung der Fabrik – hieß es von Morrow Batteries, man sei nun bereit zur Serienproduktion, setze dabei aber auf einen „partnerschaftlichen Ansatz“ und strebe dabei langfristige Investitionen und strategische Allianzen an, um die Technologievalidierung zu beschleunigen und Abnahmeverträge zu sichern.

Zu seiner Insolvenz schreibt Morrow Batteries nun, die Hintergründe seien komplex: „Das Unternehmen befand sich in einer frühen und kapitalintensiven Industrialisierungsphase, während gleichzeitig der globale Batteriemarkt durch Überangebot und den daraus resultierenden Preisdruck wettbewerbsintensiver geworden ist. Hinzu kommt, dass gestiegene Kapitalkosten, Verzögerungen im Industrialisierungsprozess und ein zurückhaltenderer Investitionsmarkt die Finanzierung deutlich erschwert haben.“

Heißt also in einfacheren Worten: Morrow Batteries ist das Geld ausgegangen, weil keine neue Investoren kamen, die Zinsen stiegen, die Skalierung der Zellproduktion nicht recht vorankam (hier ist oft eine zu hohe Ausschussrate das Problem) und obendrein auch noch die Preise auf dem Batteriemarkt fielen, was es für Newcomer noch schwerer macht.

„Die Entwicklungen auf dem globalen Batteriemarkt und der Kapitalbedarf in einer frühen Industrialisierungsphase haben diesen Weg deutlich schwieriger gestaltet als erwartet. Wir haben intensiv an einer nachhaltigen Lösung gearbeitet, konnten aber innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens keine ausreichende Finanzierung sichern. Gleichzeitig sind wir stolz auf die Leistungen unserer Mitarbeiter – sie haben ein Werk errichtet und eine Technologie entwickelt, die sich hoffentlich für den wachsenden europäischen Batteriesektor als wertvoll erweisen wird“, sagt Ann Christin Andersen, Verwaltungsratsvorsitzende von Morrow Batteries.

Geht es nach dem Management, so soll zumindest ein Teil des Unternehmens weiterleben. Es will den Insolvenzverwalter bei der Maßnahmen, die der Werterhaltung dienen, sowie der Umsetzung von Lösungen, die den Fortbestand von Teilen des Geschäfts ermöglichen, umfassend unterstützen.

morrowbatteries.com, automobilwoche.de, morrowbatteries.com (Meldung aus dem Januar)

8 Kommentare

zu „Norwegischer Zellhersteller Morrow Batteries ist insolvent“
Schmack
11.05.2026 um 20:48
Traurig! Und die europäische Politik schaut zu, wie die Abhängigkeit von Zukunftstechnologie ins Ausland verschwindet und die nächste große Abhängigkeit entsteht nach Solar, Wind nun also Batterien und zukünftig PKW..
dare100em
12.05.2026 um 09:43
Was soll den bitte die lösung sein? Technisch und wirtschaftlich kommt man gegen die Skaleneffekte in Asien nicht an - soll man ewig defizitäre Hersteller subventionieren, weclhe dann hur homäopatische Dosen herstellen?Das würde bei Solarzelle genausowenig funktionieren. Das die erneuerbaren energien überhaupt so weit vorankommen liegt auch an den günstigen Preisen. Mit "deutschen" Modulen zu "deutschen" Preisen hätte man ganz andere Probleme.
Sebastian Krebs
12.05.2026 um 05:56
Es sagte mal ein Ingenieur/Manager so etwas wie: "Ankündigungen & Prototypen sind trivial, die kann eigentlich jeder. Die eigentliche Herausforderung liegt in der eigenwirtschaftliche Großserienfertigung (positiver Cashflow). Wer die hinkriegt, der hat sich wirklich die Lorbeeren verdient!"Gerade im Hinblick auf die Zellfertigung außerhalb Asiens, könnte die Aussage nicht wahrer sein, wie sich am Scheitern vieler, auch sehr großer Player & Joint Ventures immer wieder ablesen lässt. Deswegen haben die Unternehmen, die das schaffen und ganz besonders auch jene Ingenieure&Manager die das ermöglichen meinen vollständigen Respekt.Auch wenn es manchmal bedeutet, im Hinblick auf die Innovationsgeschwindigkeit temporär ins Hintertreffen zu geraten. Sich davon nicht abbringen zu lassen und es als Unternehmen durchziehen, dass finde ich mehr als respektabel!
Sebastian
12.05.2026 um 06:30
Es ist halt offensichtlich nicht mehr 5 vor sonder n 5 nach 12. Dank unfähigen Managern und Unternehmern sowie der Fossilien Lobby, die die Politik immer wieder in die falsche Richtung schickt, steht Europa vor einer zunehmenden Abhängigkeit. Und statt zu lernen, und endlich aufzuwachen, verharrt man in einem Trauerspiel.
E-Fan
12.05.2026 um 08:37
So lange das Thema Batteriezellen nicht strategisch gesamteuropäisch gedacht wird und sich viele Hersteller versuchen, ein Alleinstellungsmerkmal herauszuarbeiten (siehe Cellforce), hat man gegen die geballte chinesische Macht mit ihren Giga-Unternehmen überhaupt keine Chance. Da ist die europäische Politik gefragt, ein großes gemeinsames Projekt zu unterstützen und Batteriezellen als systemrelevante strategisch kritische Komponente einzustufen. Aber noch viel mehr sind Unternehmen in der Pflicht, ihre Grabenkämpfe aufzugeben und gemeinsam als Big Player aufzutreten.
Roger Hobbs
12.05.2026 um 10:36
Der grundsätzliche Fehler europäischer (die Amerikaner denken da schon etwas anders) Batteriehersteller ist, zu versuchen, sich im LFP Markt etablieren oder sogar gegen die Chinesen stellen zu können. Der Zug ist abgefahren. Daher gilt es entweder mit (etablierten) NMC, LTO oder Mischchemien einen Markt zu schaffen oder sich eben ganz auf die Forschung neuer Technologien zu konzentrieren. Aber wie bereits oben beschrieben, ist es eine Sache, eine Batterie zu entwickeln und die andere, sie in großen Stückzahlen marktgerecht zu produzieren. So oder so...dem chinesischen Markt folgen zu wollen ist eine Sackgasse.
Matthias
12.05.2026 um 15:45
"Überholen ohne einzuholen", das Motto wurde mindestens einmal zuvor ausgegeben.Andere Felder beackern, genau das macht(e) Morrow ja: laut Webseite ist neben LFP auch LNMO-X ihr Ding. Also Nickel-Mangan-Oxid, ebenfalls kobaltfrei. Im Nissan Leaf wurde diese Chemie (LMO von AESC) verwendet, dort ohne Akkutemperierung mit Problemen behaftet: "Rapidgate", "Coldgate", nix geht. Schon traurig dass Europa die Zellproduktion nicht hinbekommt, schon an der Qualität scheitert, nicht auf Quantität skaliert bekommt, und vom Preis brauchen wir erst gar nicht zu reden.
WH
19.05.2026 um 16:58
LNMO ist nicht das LMO aus dem Nissan Leaf, sondern ein völlig anderes Material, wo noch nicht alle Probleme gelöst sind auf der Forschungsseite.

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