Volkswagen trennt sich von seiner Ladesäulen-Produktion
Unter dem Namen Flexpole vermarktet Elli seit mehreren Jahren Batterie-gepufferte Schnellladesäulen, deren Endmontage bei Volkswagen in Hannover erfolgt. Im Gespräch mit electrive erklärt Elli-Technikchef Mark Möller nun aber, dass Elli zum Ende des Jahres aus dem Hardware-Geschäft aussteigt. Der bisherige chinesischer Partner ZhongDe Energy will es alleine weiterführen.
Die Flexpole ist eine Schnellladesäule mit bis zu 250 kW Gesamtleistung und zwei Ladepunkten, die bei Einzelnutzung bis zu 150 kW Strom liefern. Eine Besonderheit ist, dass es die Station nur mit Pufferbatterie gibt. Auf der Messe Power2Drive in München stellte Volkswagens Energie-Tochter Elli vergangenes Jahr noch eine neue Generation der Säule namens „Flexpole Plus“ vor. Ein Jahr später nun macht Technikchef Mark Möller gegenüber electrive den Ausstieg von Elli aus diesem Businessbereich publik.
„Der Markt bewegt sich weiter: vom Basisladen in Richtung intelligentes Laden“, vergegenwärtigt Möller im Gespräch. „Wir wollen diese Chance nutzen und noch intensiver an der Schnittstelle zum Energiemarkt arbeiten. Darauf wollen wir uns fokussieren. Im Umkehrschluss müssen wir in dieser neuen Marktphase Hardware nicht mehr zwingend selbst herstellen. Deshalb haben wir uns entschieden, die Endmontage der Flexpole in Hannover zum Jahresende 2026 zu beenden.“
Elli will sich auf Energiemarkt konzentrieren
Wichtig zu wissen: Die Wertschöpfung bei Elli bzw. Volkswagen in Deutschland ist bei dem Schnellladesystem eher mäßig tief. Die Hauptkomponenten der Batterie-gepufferten Säule kommen bereits von Partner ZhongDe Energy aus China. Volkswagen trägt die Endmontage und allen voran eichrechtsrelevante Komponenten sowie die Ladekabel mit CCS-Stecker bei. Zum Jahresende ist damit Schluss. Arbeitsplätze gehen laut Möller aber nicht verloren, denn die bisher bei der Säulenmontage engagierten Mitarbeiter kommen in der benachbarten Batteriesystem-Montage in Hannover unter.
Möller erklärt den Strategieschwenk bei Elli allen voran mit den Phasen, die der reifende Ladeinfrastuktur-Markt durchläuft. „Die erste Phase war bei uns von dem Ansporn geprägt, die Kunden von Volkswagen und den Marken beim Thema Laden zu unterstützen. Dazu gehörte etwa der Launch von Wallboxen und Ladekarten“. Kurz darauf sei das öffentliche Laden als Thema hinzugekommen und die Schnellladeinfrastruktur in den Fokus gerückt. „In Batterie-gepufferten Ladesäulen sahen wir damals eine relevante Nische – und setzten die Idee, solch eine Säule selbst anzubieten, mit unserem chinesischen Partner schnell um.“
Bis heute wurde die Flexpole in 14 Ländern in Europa ausgerollt. Knapp 1.000 Einheiten hat Elli im Laufe der Zeit verkauft, knapp 700 sind zurzeit im Feld. Möller betont, dass das Elli-Management die Ladesäule weiterhin als relevantes Produkt betrachte, dass die Firma aber nun „am Ende dieser ersten Phase angekommen ist“. Elli wolle sich gänzlich von der Hardware-Produktion trennen. Stattdessen will sie bewusst Hardware-unabhängig die aufkommenden Möglichkeiten an der Schnittstelle des immer enger zusammenrückenden Mobilitäts- und Energiemarkts beackern. „Wir fokussieren auf digitale Anwendungsfälle im Energiehandel“, so Möller.
Auf der Power2Drive in München ließ sich der Strategieschwenk diese Woche schon im wahrsten Sinne des Wortes begreifen: Elli stellte auf der Messe sowohl das aktuell bekannte Produkt aus als auch eine Weiterentwicklung, die der chinesische Partner alleine anbieten würde.
Partner ZongDe zeigt neue Ladesäulen-Version
Die Kunden, die die Flexpole im Bestand haben, werden von Elli unterdessen weiterhin betreut. Die Garantiepflichten erfüllt die Marke ebenfalls. Und Möller betont, dass sein Arbeitgeber dafür eintreten will, dass „das Produkt weiterlebt“. Deshalb hat Elli mit seinem chinesischen Partner eine Absichtserklärung unterschrieben, um die eigenen Teile des Geschäfts an diesen Partner zu veräußern – insbesondere das für das Eichrecht relevante End-of-Line-Testing.
ZongDe Energy will die Fertigung der Batterie-gepufferten Ladesäulen künftig in einer 2.000 m2 großen Halle in Dreieich bei Frankfurt fortsetzen. Das Vorgehen bleibt identisch: Die Komponenten – etwa die Batteriezellen von CATL – kommen größtenteils aus China und die Endmontage erfolgt in Deutschland. Bei der Gelegenheit in München hat ZongDe auch ein Update der Batterie-gepufferten Ladestation vorgestellt: Die Kapazität der verbauten Batterie (mit 4 Modulen) wächst von 193 auf 219 Kilowattstunden und die Ladeleistung für die Fahrzeuge verdoppelt sich von 150 auf 300 kW pro Anschluss. Die Gesamtleistung des Systems wächst indes nur von 250 auf 330 kW. Beim Netzanschluss sind es künftig 80 statt wie bisher 40 kW. Die integrierte Batterie kann also schneller nachladen. Zudem ist eine Löschautomatik auf Pulverbasis verbaut. Das Thermomanagement ist weiterhin im Kopf der Station verbaut.





1 Kommentar