EU-Abgeordnete rütteln am Steuerprivileg für Verbrenner-Dienstautos

Steuerliche Vorteile für Firmenwagen haben in Deutschland lange Tradition. In Brüssel soll es jetzt einen Vorstoß geben, Verbrenner-Dienstautos dieses Privileg zu streichen – und mit den Steuererleichterungen nur noch E-Autos „made in Europe“ anzureizen. Die Industrie reagiert alarmiert.

Eu parlement symbolbild
Bild: Europäisches Parlament

Das „Handelsblatt“ schreibt, dass „entscheidende Kräfte im EU-Parlament steuerlich begünstigte Verbrenner-Dienstwagen faktisch aus dem Markt drängen wollen“. Dabei beruft sich das Wirtschaftsblatt auf einen internen Entwurf sozialdemokratischen Berichterstatter im EU-Parlament. Demnach sollen EU-Staaten „ab 2028 praktisch keine steuerlichen oder finanziellen Vorteile mehr für fossil betriebene Firmenwagen gewähren dürfen“. Steuerlich priviligiert werden sollen stattdessen nur noch E-Autos „made in Europe“.

Das würde zur Linie der EU-Kommission passen, die bekanntlich darauf abzielt, „emissionsfreie oder emissionsarme Fahrzeuge und ‚Made in the EU‘ zu einer Vorbedingung für Fahrzeuge zu machen, die finanzielle Unterstützung aus öffentlichen Mitteln erhalten“. Dieses Ziel aus dem jüngsten „Auto-Paket“ ergänzte die Kommission im Dezember zudem um die Ankündigung, dass man den Mitgliedsländern ab 2030 konkrete Vorgaben für den Elektrohochlauf von Dienstwagen machen wolle – und zwar für jedes Land andere Vorgaben.

Das Handelsblatt schreibt, dass der Vorstoß zur Einschränkung der Dienstwagen-Steuerprivilegien im EU-Parlament Teil eines größeren politischen Machtkampfs sei, der die Industrie aufschrecke. Und: „Selbst wenn der Vorschlag in dieser Form kaum eine Mehrheit finden dürfte, gibt er im EU-Gesetzgebungsverfahren die Linien bei den Verhandlungen im Parlament vor“.

Hintergrund ist, dass das „Auto-Paket“ nach dem Aufschlag der Kommission im Dezember, dieses Jahr noch durch das Parlament und den EU-Rat muss, bevor es in Kraft treten kann. Derzeit laufen in Brüssel wie berichtet die Verhandlungen zu einem mehrheitsfähigen Kompromiss. Im EU-Parlament reicht eine einfache Mehrheit, im EU-Rat ist eine sogenannte „qualifizierte Mehrheit“ nötig. Es bräuchte die Zustimmung von mindestens 15 Ländern, die zusammen wenigstens 65 Prozent der EU-Bevölkerung ausmachen.

handelsblatt.com

9 Kommentare

zu „EU-Abgeordnete rütteln am Steuerprivileg für Verbrenner-Dienstautos“
Andreas Scholz
22.05.2026 um 13:43
Gute Verteidigungsstrategie, finde ich. Idealerweise gibt es keine Einigung und es bleibt der klaren Regelung, die bisher gilt. Jegliches Aufweichen bringt nur Probleme mit sich. Das wird ein interessanter Verhandlungsprozess.
vector3d
22.05.2026 um 17:04
Es wäre eine gute Idee die Vergünstigungen für Heizfahrzeuge zu streichen. Ich glaube aber nicht, dass es durchgeht, leider.
Thilo Endrich
23.05.2026 um 13:19
Der Begriff "Dienstwagen-Privilegien" ist kritisch zu hinterfragen. Tatsächlich ist die private Nutzung steuerpflichtig und es ist nur eine pauschalierte Steuerberechnung geregelt (da werden E-Fahrzeuge bereits bevorteilt) - ob sich bei anderen Berechnungsverfahren höhere Steuern ergeben ist fraglich.
Erpel
26.05.2026 um 07:25
Im Freundes- und Bekanntenkreis haben sich in den letzten zwei Jahren 3 Familien überhaupt erst ein Auto angeschafft, weil es dieses Privileg gibt. Zugegeben: alles Elektroautos. Eine zahlt z.b. für einen EX60 im Monat unter 90€. Ja, den Arbeitgeber kostet das Fahrzeug auch noch etwas, aber diesen Betrag als Lohn zu erhalten, wenn man keinen PKW nimmt, war bei allen nicht möglich. Weil auch beim AG Kosten gespart werden. Ein Verzicht insgesamt war natürlich möglich, aber sind wir ehrlich: wer würde das machen, wenn er für 90€ ein neues Fahrzeug fahren kann? Es handelt sich hierbei um eine massive Subvention hoher Einkommen mit Steuern, die auch Geringverdiener zahlen. Damit ist es natürlich ein Privileg.
Philipp
28.05.2026 um 21:12
weil beim eAuto ja auch nur ein viertel der Steuer anfällt im Vergleich zum Verbrenner ...
Stefan
23.05.2026 um 16:10
Jeder Dienstwagenfahrer hat die Wahl, ein Fahrtenbuch zu führen und einen niedrigeren geldwerten Vorteil nachzuweisen. Für viele ist die pauschale Abrechnung aber einfacher. Kann sein, dass bei 1,5-2% die pauschale Abrechnung weniger genutzt wird. Der Dienstwagenvorteil entsteht ja vor allem, weil eben auch Versicherung und Wartung von der Firma übernommen wird.
Jörg
24.05.2026 um 12:59
Wieder Alarmismus, weil damit eine obsolete, ineffiziente und klimaschädliche Technologie aus dem letzten Jahrhundert gefährdet ist (aka Technologieoffenheit) - wo bleiben da die ganzen Schreihälse, die immer bei Elektromobilität jegliche marktverzerrende Subventionierung ablehnen?
Kurvenflitzer
26.05.2026 um 09:05
Deutschland will Marktführer bleiben, in einem sterbenden Markt.
Max
26.05.2026 um 09:22
Aus dem Newsletter electrive TODAY 26.05.2026: "Die Industrie reagiert darauf leider wie erwartet negativ." Ich habe in diesem Artikel nichts von einer Reaktion der Industrie auf diese Forderung gefunden, nur zum "größeren politischen Machtkampf", der die Industrie aufschrecke. Sie sieht die Reaktion konkret aus?

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