KMU-Förderung für Lkw-Lader nach gut sechs Stunden ausgeschöpft
„Aufgrund des großen Interesses am Förderaufruf sind die hierfür vorgesehenen Fördermittel bereits ausgeschöpft“, heißt es auf der entsprechenden Webseite des Projektträgers Jülich, der den Aufruf im Auftrag des Bundesverkehrsministers koordiniert. Dies betrifft allerdings nur den „Aufruf A“ für KMU. Das Antragsformular für den „Aufruf B“, der allen Unternehmen offen steht, soll Anfang dieser Woche zur Verfügung stehen. Eigentlich sollte die Antragsfrist für letztere Zielgruppe schon am 26. Mai beginnen. Doch wegen technischer Probleme ist es bisher nicht möglich, Bewerbungen einzureichen.
Aber der Reihe nach: Das Bundesverkehrsministerium kündigte Anfang Mai an, im großen Umfang den Aufbau von E-Lkw-Ladeinfrastruktur zu fördern. Die neue Förderrichtlinie richtet sich sowohl an Unternehmen, die Ladeinfrastruktur im eigenen Depot errichten, als auch an Betreiber öffentlich zugänglicher Ladepunkte. Zum Start machte das Ministerium gleich drei separate Förderaufrufe publik:
- Aufruf A – Förderaufruf nicht-öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für kleine und mittlere Unternehmen: Hier geht es um Ladepunkte für die betriebseigenen Fahrzeuge oder einen eingeschränkten Nutzerkreis. Anträge konnten ab dem 05. Juni 2026 gestellt werden. Die Bewilligung der pauschalen Förderung erfolgt in der Reihenfolge der Antragseingänge, es gibt kein Auswahlverfahren. Pro Ladepunkt müssen mindestens 50 kW Leistung errichtet werden, jede installierte kW wird mit 500 Euro netto gefördert.
- Aufruf B – Förderaufruf nicht-öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für alle Unternehmen: Hier geht es um Ladepunkte für die betriebseigenen Fahrzeuge oder einen eingeschränkten Nutzerkreis. Anträge können vom 26. Mai bis zum 07. Juli 2026 eingereicht werden – so die Theorie. Die Bewilligung erfolgt im Anschluss und nach Abschluss des wettbewerblichen Auswahlverfahrens. Pro Ladepunkt müssen mindestens 50 kW Leistung errichtet werden, jede installierte kW wird mit 500 Euro netto gefördert.
- Aufruf C – Förderaufruf öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur: Hier geht es um Ladepunkte an Rastanlagen, Ladehubs oder an öffentlichen Umschlagplätzen. Anträge können vom 26. Mai bis zum 07. Juli 2026 eingereicht werden, so der ursprüngliche O-Ton. Die Bewilligung erfolgt im Anschluss und nach Abschluss des wettbewerblichen Auswahlverfahrens. Pro Ladepunkt müssen mindestens 100 kW Leistung errichtet werden, jede installierte kW wird mit 500 Euro netto gefördert.
Der KMU-gerichtete Förderaufruf dauerte im Endeffekt nur sechseinhalb Stunden. Am 5. Juni nahm der Projektträger Jülich ab 10 Uhr Anträge entgegen. Da die pauschale Förderung in der Reihenfolge der Antragseingänge erfolgen sollte, herrschte offenbar großer Andrang. Die Subvention war ohne Auswahlverfahren bewusst niedrigschwellig gehalten. Dem Run auf die Förderung hielt dann aber offenbar die Webseite-Technik nicht Stand, sodass es bei Antragstellern vermehrt zu Fehlermeldungen gekommen und die Bewerbung nicht möglich gewesen sein soll. Um 16.23 Uhr desselben Tages erklärte der Projektträger den Förderaufruf wegen ausgebuchter Fördermittel für beendet.
Bei Linkedin entlädt sich der Frust darüber, dass ein Förderverfahren schon am ersten Tag technisch nicht stabil läuft und am Ende wohl nur ein Teil der Antragsteller überhaupt durchkommt. So berichtet etwa Rached Kaiser, Managing Director beim eMobility-Dienstleister Flottenwende im Gespräch mit electrive, dass die Seite bis mittags „quasi tot“ war und selbst der Kundensupport von Jülich gesagt habe, dass bis gegen Mittag wegen technischen Problemen keine Bewerbungen durchgingen. Und wenige Stunden später sei dann alles vorbei gewesen. Flottenwende koordinierte die Förderbewerbungen im Auftrag mehrerer Firmen. „Mit dem entsprechenden zeitlichen Aufwand für uns und unsere Auftraggeber“, so Kaiser. Und betroffen sind aus seiner Sicht nicht nur einzelne Unternehmen, „sondern viele, die ohnehin unter hohem Druck stehen, investieren wollen und auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen sind. Gerade dann braucht es digitale Prozesse, die funktionieren.“ Mehrere weitere Firmen berichten auf Linkedin von ähnlichen Erfahrungen.
Auf eine Bitte um Stellungnahme von electrive reagierte der Projektträger Jülich nicht sofort. Sobald uns eine Antwort vorliegt, werden wir diesen Artikel aktualisieren. In seiner Benachrichtigung zum beendeten Förderaufruf verweist Jülich aber bereits darauf, dass „auch im nächsten Jahr weitere Förderaufrufe für den Aufbau von Ladeinfrastruktur für E-Lkw geplant sind.“ Außerdem könnten kleine und mittlere Unternehmen auch am „Förderaufruf nicht-öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für alle Unternehmen“ (Aufruf B) teilnehmen, der entgegen des nun schon geschlossenen KMU-spezifischen Aufrufs wettbewerblich organisiert ist. Sprich: Hier gibt es keine Eile, aller Bewerbungen werden bis 7. Juli gesammelt und dann nach festgelegten Kriterien entschieden.
Wie eingangs erwähnt, ist hier die Bewerbung aber ebenso wie beim Aufruf C noch nicht möglich. Statt am 26. Mai soll es Anfang dieser Woche losgehen. Dann wäre noch grob ein Monat Zeit. Da sich die Förderanträge zwischen den Aufrufen A und B unterscheiden, bedeutet die neuerliche Bewerbung für nun nicht zum Zug gekommene KMU allerdings nochmals Aufwand.





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