„Deutschlandnetz“ für Lkw: Bund kürt Betreiber für Lkw-Lader an 124 Rastanlagen

Die Autobahn GmbH des Bundes hat erste Lose für das initiale Lkw-Ladenetz in Deutschland vergeben. Somit stehen für 124 unbewirtschaftete Rastanlagen entlang der Bundesautobahnen nun die Betreiber der künftigen E-Lkw-Schnellladestandorte fest. Wir haben alle bisher bekannten Details dazu.

Spirii stecker e lkw
Bild: Spirii

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Bei der Ausschreibung für die ersten 124 unbewirtschafteten Rastanlagen haben sich fünf Bewerber durchgesetzt. Wie die Autobahn GmbH des Bundes mitteilt, haben diese Bieter bzw. Bietergemeinschaften nun die Aufträge für die Planung, Errichtung und den Betrieb von E-Lkw-Schnellladeinfrastruktur erhalten. Jedes der fünf Lose umfasst dabei rund 25 größere und kleinere Standorte an unbewirtschafteten Rastanlagen. Die erfolgreichen Bieter sind im Einzelnen:

  • Los 1 (25 Rastanlagen): eliso Voltix Charging GmbH
  • Los 2 (24 Rastanlagen): autostrom.plus GmbH
  • Los 3 (26 Rastanlagen): Electric Mobility Infrastructure Deutschland GmbH
  • Los 4 (25 Rastanlagen): Bietergemeinschaft STRA-loaded
  • Los 5 (24 Rastanlagen): Bietergemeinschaft E.ON Drive & mblty

Die geplante Schnellladeinfrastruktur umfasst dabei Ladepunkte für schnelles Zwischenladen während Fahrtunterbrechungen, aber auch Ladegelegenheiten für das Gleichstrom-Laden während längerer Ruhe- und Übernachtungszeiten. Insgesamt verpflichten sich die fünf genannten Akteure, 824 Ladepunkte aufzubauen, darunter mehrheitlich Megawattlader: 447 Ladepunkte sollen laut Vorgaben des Bundes einen Ladestecker gemäß MCS-Standard (Megawatt Charging System) aufweisen, die restlichen 377 Einheiten werden CCS-Lader sein. Die einzelnen Los-Standorte verteilen sich im Bundesgebiet wie folgt:

Lose Deutschlandnetz fuer Lkw
Grafik: Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur, NOW GmbH

Die Autobahn GmbH bezeichnet das Großprojekt als Teil des bundesweiten Engagements zum Aufbau einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge. Zu deren Aufbau ist Deutschland auch verpflichtet. Schließlich gibt die europäische Alternative Fuels Infrastructure Regulation (AFIR) bestimmte Mindestaufbauziele in diesem Bereich vor. Mit ihrem Deutschlandnetz für Lkw übererfüllt der Bund dabei die Vorgaben.

Kurz zur Einordnung: Mitte September 2024 hatte der Bund offiziell die Ausschreibung zum Aufbau eines Lkw-Ladenetzes entlang deutscher Autobahnen veröffentlicht. Im ersten Schritt geht es dabei um Lkw-Ladeparks an den knapp 130 unbewirtschafteten Rastanlagen. Bis 2030 sollen aber insgesamt 350 vom Bund geförderte Standorte mit rund 4.200 Ladepunkten das initiale Lkw-Schnellladenetz bilden.

Netzausdehnung auf bewirtschaftete Raststätten folgt

Wichtig: Die bewirtschafteten Raststätten von Tank & Rast sind bei der ersten Ausschreibungsrunde des Lkw-Netzes außen vor. Das sind über 90 Prozent der in Deutschland bewirtschafteten Rastanlagen. Grund ist der (inzwischen beigelegte) Rechtsstreit zwischen Fastned und der Autobahn GmbH, durch den sich der Ausbau von HPC-Ladern für Pkw und Lkw an Autobahn-Raststätten bereits seit Jahren verzögert. Erst in einer späteren Ausschreibung will der Bund Lkw-Ladeparks an 220 bewirtschafteten Raststätten errichten lassen.

In vielerlei Hinsicht ähnelt die Ausschreibung für das Lkw-Ladenetz dabei dem Deutschlandnetz für Pkw. Es gibt verschiedene Lose und Suchräume. Ziel ist es, wirtschaftlich attraktive und weniger lukrative Standorte gleichermaßen abzudecken, um ein flächendeckendes Netz zu spannen. Aber: In der Ausschreibung für das initiale Lkw-Ladenetz ist erstmals in solch einer Vergaberunde das Durchleitungsmodell vorgeschrieben. Einem früheren Bericht des „Handelsblatt“ zufolge soll das nicht allen Bietern gefallen haben. Einzelne Ladenetzbetreiber hätten damit gedroht, sich ganz aus dem Bieterverfahren zurückzuziehen, hieß es in dem vergangenes Jahr publizierten Artikel. Es drohe ein „Flop“. Was es mit dem Durchleitungsmodell auf sich hat, können Sie hier nachlesen. Verkürzt ausgedrückt, können die Logistiker dabei ihren eigenen Stromvertrag mit an die Ladesäule bringen.

So oder so – Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hebt die Bedeutung des Großprojekts hervor: „Leistungsfähige öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für E-Lkw stärkt den Logistikstandort Deutschland. Mit dem Aufbau des Lkw-Schnellladenetzes unterstützen wir Unternehmen dabei, Lieferketten resilienter, planbarer und perspektivisch kosteneffizienter aufzustellen. Dafür stellen wir rund eine Milliarde Euro zur Verfügung.“

Johannes Pallasch, Leiter und Sprecher der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur unter dem Dach der NOW GmbH, kommentiert: „Mit dem Aufbau der Schnellladeinfrastruktur für E-Lkw an den Rastanlagen beginnt jetzt eine entscheidende Phase für die Elektromobilität im Straßengüterverkehr. Es entsteht die Grundlage für einen zuverlässigen und flächendeckenden Einsatz von E-Lkw entlang der Autobahnen. Das gibt Logistikunternehmen Planungssicherheit und zugleich den nötigen Antrieb für den Umstieg auf klimafreundliche Nutzfahrzeuge.“

Die Zuschlagsempfänger im Einzelnen

Von ersten Zuschlagsempfängern erhalten wir inzwischen eigene Mitteilungen und Präzisierungen zu ihren Losen. So meldet etwa E.ON und Tank & Rast, dass sie an ihren 24 zugeteilten Standorten des Loses 5 insgesamt 195 Ladepunkte errichten werden. Dabei legt die Bietergemeinschaft mit dem Namen E.ON Drive & mblty (mblty ist eine Marke der Tank & Rast Gruppe) einen starken Fokus auf das Megawattladen: 101 der 195 Ladepunkte in Verantwortung des Duos werden MCS-Ladepunkte für den Fernverkehr sein. Bei den restlichen CCS-Ladern werden 32 Einheiten bis zu 400kW und 62 Einheiten bis zu 150 kW Ladeleistung liefern – letztere sind für längere Standzeiten und das Über-Nacht-Laden gedacht.

Die Eröffnung des ersten Standorts sei ab 2027 geplant, schreibt E.On in der uns vorliegenden Firmen-Mitteilung weiter. Und: „Beide Partner verantworten jeweils die Hälfte der Standorte und bündeln ihre Kompetenzen: Betrieb und Integration von Verkehrsinfrastruktur auf der einen sowie Planung, Aufbau und skalierter Betrieb von Schnellladeinfrastruktur auf der anderen Seite.“ Das Projekt umfasse dabei neben der Ladeinfrastruktur selbst auch zentrale technische Komponenten wie Netzanschlüsse, Trafostationen, IT-Anbindung und Reservierungssysteme.

Timo Sillober, CEO von E.ON Drive Infrastructure, äußert sich dazu wie folgt: „Die Elektrifizierung des Pkw hat gezeigt: Ist die Infrastruktur da, folgt der Markt. Beim E-Lkw bauen wir genau diese Grundlage. Als paneuropäischer Betreiber in elf Ländern bringen wir die Erfahrung und das Netz mit. Ab 2027 erweitern wir unser Lkw-Ladenetzwerk um zentrale Autobahnachsen in Deutschland, mit passender Ladeleistung für jeden Betriebsfall.“ Peter Markus Löw, CEO der Tank & Rast Gruppe, ergänzt: „Der elektrische Schwerlastverkehr braucht ein Ladenetz, das unterschiedliche Anforderungen entlang und im Umfeld der Autobahnen abdeckt. Unsere Autohöfe sind dabei bereits heute ein wichtiger Baustein. Mit E.ON ergänzen wir diese Infrastruktur nun um Ladepunkte an weiteren geeigneten Park- und Pausenstandorten im Autobahnnetz. So entsteht Schritt für Schritt ein dichteres Angebot für die Logistik der Zukunft.“

Bei dem Los-1-Gewinner eliso Voltix Charging GmbH handelt es sich um eine auf das Lkw-Laden spezialisierte Tochter des Autobahnkonzessionsbetreibers VINCI Concessions. Die Stuttgarter Firma Eliso gehört nach ihrer Übernahme im Jahr 2022 zu VINCI Concessions. Voltix ist wiederum ein von VINCI 2023 in Eigenregie ins Leben gerufener Ableger und ha innerhalb der Gruppe die Aufgabe, öffentliche Ladestationen für schwere E-Lkw und E-Busse zu entwickeln und zu bauen. Dass beide Töchter nun als GmbH zusammen agieren, ist eine neue Entwicklung. Details zur Ausgestaltung des Los 1 liegen von dem eliso Voltix Charging noch nicht vor.

Die Autostrom plus GmbH als Zuschlagempfänger für das Los 2 kennen wir wiederum schon von der Deutschlandnetz-Ausschreibung für Pkw. Die GmbH gründete sich 2024 auf Basis der damaligen Bietergemeinschaft. Führende Konsortialpartner des Autostrom-Konsortiums sind das auf Bau, Immobilien und Infrastruktur spezialisierte Unternehmen Drees & Sommer, die Enercity AG aus Hannover sowie der Ladepark- und Tankstellenbetreiber Q1 Energie AG mit Sitz in Osnabrück. Mitglieder des Konsortiums sind außerdem die Pohl-Gruppe, die Kölner RheinEnergie AG (die mit der TankE GmbH über eine Ladeinfrastruktur-Tochter verfügt), die SWN Stadtwerke Neumünster GmbH sowie der Ladeinfrastruktur-Dienstleister Westfalen Weser Ladeservice GmbH aus Paderborn. Über das Los 2 sind noch keine weiteren Details bekannt.

Das mit 26 Rastanlagen größte Los 3 geht an die Electric Mobility Infrastructure Deutschland GmbH mit Sitz in Berlin. Die Firma ist eine operative Gesellschaft des Energieversorgers ENGIE Deutschland.Gegründet wurde die GmbH im vergangenen Jahr.

Die Gewinner des Los 4 hatten sich dagegen frühzeitig zu ihrer Kandidatur bekannt: Die Unternehmen R:loaded, eLoaded und STRABAG gaben bereits 2024 an, bei der Ausschreibung der Autobahn GmbH mitzumachen. Ihre Bietergemeinschaft firmiert unter STRA-loaded und wird nun die Lkw-Lader an 24 Rastanlagen verantworten.

Interessant ist auch, welche Unternehmen nicht zu den künftigen Betreibern gehören werden. Laut dem oben erwähnten „Handelsblatt“-Artikel aus dem vergangenen Jahr, hätten im Vorfeld der Ausschreibung grundsätzlich auch Unternehmen wie Aral, Tesla und Shell ihr Interesse bekundet, aber wehrten sich wohl dagegen, dass E-Trucks an Autobahnen den Stromanbieter selbst auswählen dürfen, Stichwort: Durchleitungsmodell. Ob sie dennoch offiziell kandidierten, ist nicht bekannt. Anders als bei LichtBlick eMobility. Die Firma war Ende 2024 der erste bekannte Bewerber, gehört jetzt aber augenscheinlich nicht zu den Zuschlagsempfängern.

autobahn.de

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