31.01.2019 - 15:48

EnBW: Neue kWh-Tarife lösen Aktions-Pauschalen ab

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EnBW kündigt die Einführung eines neuen Tarifs für das Laden von Elektroautos an. Der Energieversorger wird ab 1. März 2019 in seinem gesamten Laderoaming-Netz mit etwa 25.000 Ladepunkten in Deutschland, Österreich und der Schweiz kWh-genau abrechnen.

Konkret wird es einen Standard-Tarif ohne Grundgebühr geben, bei dem an AC-Ladestationen 39 Cent/kWh und an DC-Ladern 49 Cent/kWh berechnet werden (auch an High Power Chargern). Ein Viellader-Tarif richtet sich darüber hinaus an E-Mobilisten, die ab etwa 50 kWh pro Monat laden und schlägt mit kWh-Preisen von 29 Cent (AC) bzw. 39 Cent (DC inkl. HPC-Stationen) zu Buche. Bei diesem Tarif wird allerdings ab dem vierten Monat eine monatliche Grundgebühr in Höhe von 4,99 Euro fällig. Der Viellader-Tarif ist monatlich kündbar und beinhaltet eine kostenlose EnBW-Ladekarte.

Zur Einordnung: Mit dieser neuen Preistafel erhöht EnBW gegenüber dem zuletzt angebotenen Aktionstarif massiv die Preise: Aktuell werden noch maximal ein Euro je Ladevorgang an AC-Ladestationen und maximal 2 Euro an DC-Stationen fällig.

Interessant ist auch, dass der Energieversorger bewusst auf die Abrechnung nach Kilowattstunde setzt, obwohl es weiterhin Unklarheiten im Hinblick auf die Vorgaben der Eichrechtskonformität gibt. Darauf angesprochen, teilte uns die EnBW mit: „Unsere Hardware liefert genaue Messwerte. Daher sind wir schon heute in der Lage, eine transparente und verbraucherfreundliche Abrechnung basierend auf der geladenen Strommenge zu realisieren. Für die offizielle Zertifizierung stehen wir in Kontakt mit der zuständigen Landeseichrechtsbehörde.“

Standard-Tarif Viellader-Tarif¹
39 Cent/kWh an Normalladestationen (AC) 29 Cent/kWh an Normalladestationen (AC)
49 Cent/kWh an Schnellladestationen und High-Power-Chargern (HPC) 39 Cent/kWh an Schnellladestationen und High-Power-Chargern (HPC)
Keine Grundgebühr 4,99 Euro monatliche Grundgebühr ab dem 4. Monat
Monatlich kündbar
Kostenlose EnBW-Ladekarte

¹ Für E-Mobilisten, die ab etwa 50 kWh pro Monat laden. Das entspricht einer monatlichen Laufleistung von rund 330 Kilometern.

Deutlich wird an diesem Beispiel, dass viele Akteure vor dem Hintergrund wachsender Konkurrenz zunächst vermehrt mit Aktionspreisen um die elektrisierte Kundschaft werben. Darüber haben wir Anfang Dezember ausführlich berichtet. So startete etwa die Deutsche Telekom Mitte Dezember ein deutschlandweit einheitliches Angebot für das Laden an öffentlichen Stationen, das mit zwei Cent pro Minute – unabhängig von der Ladegeschwindigkeit – nur als Kampfpreis gewertet werden kann. Dieser Einführungspreis ist bis zum 31. März 2019 gültig. Anschließend hieß es, werde sich der Tarif auf 4 Cent pro Minute inkl. Mehrwertsteuer erhöhen, aber diese Angabe ist mittlerweile von der Webseite der Telekom verschwunden. Das lässt Raum für Spekulationen.

Auch der österreichische Anbieter Smatrics buhlt mit einem „Winter Bonus“ in Höhe von 20 Prozent auf die Ladeentgelte um Kunden. Den Preiskampf im Autostrom-Markt eingeleitet hatte zuvor die Maingau Energie: Mit dem Autostromtarif „EinfachStromLaden“ zahlen Vertragskunden an mehr als 34.000 Ladepunkten in Europa allerdings nur noch heute 2 Cent pro Minute. Der Normalpreis lag für alle anderen Nutzer bei 5 Cent pro Minute. Ab morgen gibt es jedoch auch bei Maingau neue Preise: Dann zahlen Maingau-Energiekunden (Kunden mit Haushaltsstrom- oder Gasvertrag) 15 Cent pro kWh. Alle anderen Nutzer erhalten die Kilowattstunde für 25 Cent. Hinzu kommen 10 Cent/Minute ab der 120. Minute bei AC-Ladevorgängen bzw. ab der 60. Minute bei DC-Ladungen. Während die 25 Cent/kWh europaweit für Maingau-Energiekunden gelten, zahlen sonstige Nutzer in den Niederlanden einen Aufpreis von 5 Cent/kWh und in Österreich bzw. in allen anderen europäischen Ländern sogar 15 Cent/kWh mehr.

Es liegt auf der Hand, dass die Stromanbieter mit den bisherigen Angeboten drauflegen. Insofern ist abzusehen, dass die Schnäppchen-Phase auch bei Konkurrenten der EnBW früher oder später von einer Preisstruktur abgelöst wird, mit der die Konzerne mittelfristig Geld verdienen.
enbw.commaingau-energie.de

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6 Kommentare zu “EnBW: Neue kWh-Tarife lösen Aktions-Pauschalen ab

  1. notting

    Die IMHO wichtigste Info fehlt: Wie wirkt sich das auf die Preise aus, die man an EnBW-Ladesäulen zahlt, wenn man z. B. über Newmotion oder Plugsurfing lädt?

    notting

  2. Patrick Fooltig

    Sehr weltfremde Tarife hier von ENBW – damit werden sie genau das Gegenteil erreichen. Eine Verwaisung ihrer angeboteten Dienste. Echt arm ENBW 🙁

    • Vomer

      Prinzipiell finde ich den Umstieg auf kWh-basierte Abrechnung sehr gut. Und nur, weil das Eichrecht teils absurde Anforderungen stellt, heißt es ja nicht, dass eine aussagekräftige Messung in Bezug auf DC-Ladungen technisch nicht heute schon möglich ist. Dank der ganzen im Auto verbauten Diagnostik würde ein zu großes Delta wahrscheinlich auch recht schnell auffallen.

      Man kann die Kosten ja mal kurz überschlagen.
      Hyundai Kona, Reichweite ca. 415 km.
      Idealerweise lädt man von 20 auf 80% SoC.
      Kosten pro 100 km:

      Gelegenheitsnutzer: 7,50 €
      Vielnutzer: 6,00 € (+ Anteilig Grundgebühr)
      Diesel (bei 5 Liter Verbrauch): 6,20 €
      Benzin (bei 7 Liter Verbrauch): 9,25 €

      Wird direkt an der Autobahn getankt sieht es schon anders aus:
      Diesel: 7,35 €
      Benzin: 10,60

      Gelegenheitsnutzer werden bevorzugt woanders und wesentlich günstiger Laden, da werden Ladevorgänge an EnBW Säulen sicherlich niemanden arm machen. Für Vielnuzter wird es möglicherweise teurer…je nach Fahrzeug und Witterung.

      Letztlich muss sich die Ladeinfrastruktur auch irgendwann mal selbst tragen. Jedem muss klar sein, dass es nicht möglich ist, ewig zu vernachlässigbaren „Sprit“-Kosten ein Elektroauto zu fahren. Das würde auch nur zu Rebound-Effekten führen.
      Eine schrittweise Erhöhung der Preise wäre aber bestimmt sinnvoller gewesen.

      • Manfred Stummer

        Hallo Vomer!
        Auch ich (aus Österreich) finde die Umstellung auf Abrechnung nach Strommenge für gut.
        Aktuell kriege ich an 11 – bzw. 22 kW-Ladern 1-phasig nur 1/3 der zu zahlenden Energiemenge in den Akku!
        Allerdings würde ich den Energiekonzernen mehr Zurückhaltung bei der Preisgestaltung empfehlen.
        Bei einem Erzeugungspreis von nur einigen Cent/kWh wäre eine Stromabgabe, an zumeist mit öffentlichen Geldern mitfinanzierten Ladeeinrichtungen, von beispielsweise 30 Cent/kWh, wohl ausreichend.
        Sobald eine große Anzahl von E-Autos auf der Straße ist (hoffentlich bald!) wird das mit Sicherheit ein Riesengeschäft für die E-Wirtschaft.
        Außerdem nicht vergessen, 1 Liter Benzin/Diesel hat grob einen Energiegehalt von 10 kWh bei Kosten von etwa 1,3€!

  3. Marko

    Das ist doch Absprache da! Und warum sollte man überhaupt so viel bezahlen müssen!? Da muss doch EU Preisgrenzen setzen! Da kauft man sich doch lieber gleich einen Diesel und gut ist! Nächste Jahr wird dann 59 Cent kosten und dann bald 1 euro/kW. Dieses gier da, das ist doch einfach unfassbar! Jetzt möchten die gleich Milliarden mit Strom verdienen…aber nicht mit mir!

  4. Bernhard

    Hallo Marko,
    das ist keine Absprache, sondern Marktwirtschaft. Ein Schnitzel ist im Restaurant ja auch deutlich teurer als beim Metzger.
    Selbst mit 49 Cent/kWh (wovon EnBW nach Abzug der Mehrwertsteuer nur 41 Cent bleiben) ist eine 50 kW Station nicht zu finanzieren. Der Aufbau einer solchen Station kostet inklusive Netzanschluss mind. 30.000 Euro,. Gerne auch mal 40.000.
    Und mit 15 Cent pro kWh Rohmarge rechnet sich solch eine Station schlicht und einfach niemals.

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https://www.electrive.net/2019/01/31/enbw-teurere-lade-tarife-loesen-aktions-pauschalen-ab/
31.01.2019 15:46