25.06.2019 - 07:03

Geofencing: BMW zwingt Plug-in-Hybride in Elektromodus

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In sogenannten „eDrive Zones“ will BMW künftig seine Plug-in-Hybride automatisch in den rein elektrischen Fahrbetrieb schalten lassen – ohne Zutun des Fahrers. Ein (verzweifelter) Versuch, dem Verbrenner in Innenstädten mehr Akzeptanz zu verschaffen?

BMW will künftig den Antriebsmodus seiner Plug-in-Hybrid-Modelle zwangsweise in den rein elektrischen Fahrmodus umschalten, wenn das Auto eine besonders deklarierte Zone befährt. Mit der vierten Generation der PHEV-Modelle sollen „neuartige Features“ Einzug halten, die dazu beitragen sollen, „elektrische Fahranteile zu maximieren“. Die sogenannten „BMW eDrive Zones“ gehören ab 2020 bei Plug-in-Hybriden der Münchner zum Serienumfang

Das soll so funktionieren: Sollten Städte Umweltzonen für ausschließlich emissionsfreies Fahren deklarieren, können diese in Zukunft mithilfe der Geofencing-Technologie automatisch erkannt werden. Bei Einfahrt wechselt das Fahrzeug dann automatisch in den rein elektrischen Fahrbetrieb. „Mit dieser neuartigen Betriebsstrategie wird das Potenzial von Plug-in-Hybrid Fahrzeugen zur Reduzierung von Emissionen nochmals erheblich gesteigert“, heißt es in einer Mitteilung, die electrive.net vorliegt.

Für den Kunden soll die Fahrt im E-Modus zudem günstiger sein, da insbesondere im Stadtverkehr „der Elektroantrieb durchgängig einen höheren Wirkungsgrad erreicht als ein Benzin- oder Dieselantrieb“.

Auf ähnliche Gedanken ist vor einiger Zeit bereits Ford gekommen: In London, Valencia und inzwischen auch Köln sind einige Transit PHEV zu Testzwecken unterwegs, die ebenfalls per GPS-Erkennung in den E-Antriebsmodus geschaltet werden können. In die Serie hat es diese Funktion bei Ford allerdings noch nicht geschafft.

BMW hat das Prinzip bereits in Rotterdam getestet: Rund 50 Freiwillige nahmen im Herbst 2018 mit ihren Plug-in-Hybriden an dem Feldversuch teil. Damals wurde noch mit einer speziellen App bei der Einfahrt in den Rotterdamer Innenstadtbereich darauf hingewiesen, manuell in den E-Modus zu schalten. Zentrale Erkenntnis nach drei Monaten war, dass die PHEV-Fahrer über 90 Prozent aller Strecken innerhalb der Rotterdamer eDrive Zone rein elektrisch zurückgelegt hatten, wenn die App mit dem Fahrzeug verbunden war. Einen Vergleichswert ohne die App-Unterstützung nannte BMW allerdings nicht.

Die im Versuchsprojekt eingesetzte Technologie habe „die weitere Entwicklung von BMW eDrive Zones“ inspiriert, so der Konzern. Einige Fragen aus dem Fahralltag bleiben allerdings vorerst offen: Muss das Auto ein Mindestmaß an Batteriekapazität vorhalten, wenn es noch in eine eDrive Zone einfahren will? Wenn das Auto durch das Navigationsziel weiß, dass es in eine eDrive Zone einfahren wird, aber der Ladestand nicht reicht, wird dann die Batterie zuvor über den Verbrenner geladen? Was ist mit Kunden, die in einer eDrive Zone leben, aber mangels eigener Wallbox nicht ständig laden können? Wie werden solche Punkte dem Fahrer kommuniziert? Und nicht überall ist die öffentliche Ladeinfrastruktur so gut ausgebaut wie in den Niederlanden.

Zumindest die Motivation von BMW ist klar: „Mit dem Paradigmenwechsel von der auto- zur menschengerechten Stadt erwägen immer mehr Städte Zugangsbeschränkungen für verbrennungsmotorisch angetriebene Fahrzeuge“, begründen die Münchner das Vorhaben. „Vor diesem Hintergrund entwickelt die BMW Group ihre Betriebsstrategie für Plug-in-Hybrid Modelle konsequent weiter.“

Sprich: Anstatt einen radikaleren Schritt in Richtung vollelektrischer Fahrzeuge zu gehen, versuchen die Münchner, die (Zufahrts-)Einschränkungen für ihre PHEV-Kunden so gering wie möglich zu halten und den Verbrenner so noch ein wenig länger am Leben zu erhalten. Da die Vernunft (oder das Wissen um die Funktionsweise der Systeme) bei den PHEV-Fahrern offenbar nicht ausreicht, um eigenständig so oft wie möglich rein elektrisch zu fahren, muss bald wohl nachgeholfen werden.

Und wenn wir ganz ehrlich sind: Bei einem Paradigmenwechsel von der auto- zur menschengerechten Stadt ist es nicht nur eine Frage der Antriebstechnologie, wer künftig noch in die Innenstadt darf oder nicht. Sondern wohl eine Frage der Mobilitätsform.

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9 Kommentare zu “Geofencing: BMW zwingt Plug-in-Hybride in Elektromodus

  1. Elektriker

    Ich bin BMW-PHEV-Fahrer und schalte natürlich manuell immer optimal in den E-Modus um. Für „Lieschen Müller“ wäre die vorgesehene Technik natürlich optimal, wenn diese auf einen PHEV angewiesen ist (die Politiker haben ja seit 2 Jahren die privaten Schukosteckdosen in Gemeinschafts-TG verhindert!! siehe Bundesratbeschluss zum WEG-Gesetz)!

  2. Max

    Den PHEV-Fahrerinnen und -Fahrern mangelnde Vernunft oder mangelndes Wissen zu unterstellen ist schon ein starkes Stück. Wie wäre es mit dem Komfort, nicht darauf achten zu müssen, wo besonders schützenswerte Gebiete sind?

    • JW

      Wie wäre es mit der (eigenen) Vernunft, auf besonders schützenswerte Gebiete (bewußt statt unbewußt) zu achten ?

  3. Thomas Wagner

    Es ist schon ein Heraumgeeier, was BMW da abliefert. Anstatt dass sie ihre Strategie klar auf reine Elektroautos ausrichten, versuchen sie nach wie vor ihr Glück im „Verbrenner mit Krückstock “ 🙁

  4. JW

    Warum kaufen sich denn Leute Hybrid-Autos, wenn sie den elektrischen Modus nicht ‚aus eigener Vernunft‘ nutzen ? Nur um die Prämie abzugreifen ?

    Aber wenn eigene Vernunft nicht reicht: Autohersteller benutzen seit Jahren ‚Abschalt-SW‘ zu Betrugszwecken, sollte es nicht ein Leichtes sein, diese ausgenommen einmal zu Gunsten der Umwelt und ihrer Bewohner einzusetzen ?
    Sollte BMW dies nicht vielleicht sogar aus freien Stücken und mit einem positivem Marketingansatz tun und nicht erst dann, wenn es um Fahrverbote geht.
    Nur werden die paar elektrisch fahrbaren Kilometer eines Hybrid-Autos kaum einen nennenswerten Effekt erzielen können. Man hört heute schon die Ausreden: man hat getan was möglich ist. Mehr ist technisch nicht drin (in deutschen Autos). Erst die chinesischen Elektroautos werden den d(D)eutschen Beine machen.

  5. Strauss

    man hat getan was technisch möglich ist. Besser gesagt was einige in den Autofirmen wollten. der i 8 mit 1400er Motor als PHEV ist nicht daneben! Leistung wie der TESLA 3. Aber eben sollte die Batterie mind. 30 KWh haben und das Auto 3x weniger kosten. REiche wird es immer weniger geben die für ein solches Auto 130 000.- ausgeben.
    Hoffe auch die Chinesen lesen diese Forderung. Dises Auto ist völlig OK so. Lieber den für 40 000 als ein SUV.

  6. Meienberg

    Wann macht BMW endlich vorwärts mit dem bidirektionalen Laden? Es kann doch nicht sein, dass ich neben dem i3 noch eine Batterie für 30000.- installieren muss die nur 15 KWh abdeckt und der i3 steht daneben und hätte eine Batterieleistung von 43 KWh die ich auch nachts im Hause gebrauchen könnte. Es ist doch klar dass ich mit meiner eigenen Solaranlage den Strom möglichst selber brauchen möchte. Und übrigens wäre dies ein super Verkaufsargument.

  7. Strauss

    Zu dem Preis kaufst du besser zwei Zoe s dann ist immer einer geladen. Ein PHEV noch noch kurz vor einer Stadt mit dem Benzinmotor aufladen???? Da will sich einer selber am Schopf aus dem Schlamm ziehen. 30 KWh Akkus würden reichen um die Citys sauber zu durchfahren. Nur keine PHEv s mehr kaufen bis die Hersteller dies bauen!!!
    Schliesslich müssen arg verschmutzte CO 2 Zonen zuerst geschont werden. In ländlichen Regionen mit vielen Bäumen verträgt es noch etwas mehr. Auch bei der Gewinnung von den seltenen Erden entstehen CO2 .OK, aber auch dort ist die Umweltbelastung durch andere Einflüsse ebenfalls wesentlich geringer.

  8. Boris J.

    Sollte dem PHEV dann die Batterie ausgehen… bleibt er dann liegen?
    Der Verbrenner darf sich ja nicht einschalten.
    Abschleppfirmen, werden Hochbetrieb feiern.

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25.06.2019 07:50