21.04.2021 - 11:10

Volvo: Recycling soll Kosten sparen

Volvo Cars will in einer globalen Initiative Recycling-Kreisläufe entwickeln, um die CO2-Emissionen und Ausgaben zu senken. Dabei geht es auch, aber nicht nur um die Wiederverwertung der Hochvolt-Batterien aus Plug-in-Hybriden und Elektroautos.

Insgesamt wollen die Schweden mit der Aufbereitung, Reparatur und Wiederverwendung emissionsintensiver Materialien in der Auto-Produktion ab 2025 pro Jahr 2,5 Millionen Tonnen CO2 und eine Milliarden schwedische Kronen (rund 98 Millionen Euro) einsparen. Dabei soll es nicht um einzelne Pilot-Projekte gehen, sondern Maßnahmen in allen Volvo-Werken weltweit.

„Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, müssen wir die Kreislaufwirtschaft einbeziehen“, sagt Anders Kärrberg, bei Volvo Cars für die globale Nachhaltigkeit verantwortlich. „Dazu überdenken wir alles, was wir tun und wie wir es tun. Wir konzentrieren uns darauf, Nachhaltigkeit in unsere Denk- und Arbeitsweise zu integrieren.“

Wie Kärrberg ausführt, geht es dabei nicht nur um das Recycling von Abfällen und Verschnitten aus der Fertigung der Fahrzeuge, sondern auch darum, die Produktionsprozesse so weiter zu entwickeln, dass das Material effizienter genutzt wird und der Abfall gar nicht erst entsteht. „Müll zu entsorgen wird künftig teurer“, sagt Kärrberg. „Deshalb wollen wir den Müll direkt vermeiden.“

Beim Recycling seien bereits kleinere Maßnahmen hilfreich. Statt einer Tonne für Altmetall sollen unterschiedliche Metalle direkt in der Fabrik getrennt werden, was die spätere Aufarbeitung deutlich vereinfacht. Dazu kommt der Transport: „Die Logistik und Transportkosten sind ein wichtiger Faktor beim Geschäftsmodell Recycling“, sagt der Nachhaltigkeits-Experte. „Wie auch bei der Fertigung gilt: Die Lieferketten zu lokalisieren und die Wege kurz zu halten, hat einen enormen Einfluss auf die Nachhaltigkeit.“

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Doch nicht jedes Material ist für das Recycling geeignet. „Lackierte Oberflächen und für den Kunden sichtbare Teile sind nach wie vor schwierig“, so Kärrberg. Komponenten, die der Kunde nicht sieht und bei denen keine Entwicklung notwendig ist, könnten aber künftig so ausgelegt werden, dass sie ein Fahrzeugleben überdauern und später in einem Neuwagen verbaut werden könnten.

Für einen wichtigen Umweltfaktor bei elektrifizierten Autos, die Batterien, wird das wohl nicht gelten. Wie Batterie-Entwickler Ulrik Persson im Gespräch mit electrive.net angibt, seien die Volvo-Batterien auf eine Lebensdauer von 15 Jahren im Fahrzeug ausgelegt. Danach können sie in Second-Life-Anwendungen weiter genutzt werden.

Derzeit arbeitet Volvo hier an zwei Pilotprojekten: In Zusammenarbeit mit BatteryLoop werden aus Batterien elektrifizierter Volvos solarbetriebene Energiespeicher hergestellt. Ab April werden mit dem System Ladestationen für Elektroautos und E-Bikes im Geschäftszentrum des schwedischen Hygiene- und Gesundheitsunternehmens Essity in der Nähe von Göteborg betrieben, so Volvo.

Längere Second-Life-Nutzung als Einsatz im Auto

In einem zweiten Projekt mit Comsys und Fortum soll die Kommerzialisierung von Energiespeichern in einem schwedischen Wasserkraftwerk erprobt werden. Dort werden die ausgedienten Fahrzeug-Batterien als stationäre Energiespeicher dazu eingesetzt, sogenannte „Fast-Balancing“-Dienste für das Stromsystem zu erbringen.

Batterie-Entwickler Persson geht es dabei um Lerneffekte, wie die Akkus länger genutzt werden können. „Man kann Batterien ohne Probleme in einem Jahr killen“, so Persson. Mit einer anderen Ladesteuerung erhofft sich Volvo aber eine ungleich längere Nutzungsdauer: „Im Vergleich zur automobilen Nutzung sind die Akkus dort deutlich weniger aggressiven Zyklen ausgesetzt.“

Dabei macht es durchaus einen Unterschied, ob es sich um eine Zelle aus einem Plug-in-Hybriden oder einem Batterie-elektrischen Auto handelt. „Eine PHEV-Batterie wurde für 6.000 Zyklen entworfen, eine BEV-Batterie für 1.000 Zyklen. Ich würde für solche Projekte also PHEV-Batterien bevorzugen“, sagt Persson. Er gibt aber auch zu, dass die Volvo-Partner das teilweise anders sehen. „Unsere Partner wollen große Batterien, bei denen sie auf einen Schlag eine große Kapazität erhalten. Die ökonomischen Skaleneffekte sind bei BEV-Batterien somit deutlich besser.“

Volvo setzt auf hydrometallurgisches Batterie-Recycling

Aber auch die beste Batterie muss eines Tages ins Recycling. Dass, wie von manchen Experten gefordert, die Recycling-Fähigkeit der Batterie bereits beim Entwurf der Zellen berücksichtigt wird, hält Persson zumindest in den kommenden Jahren für illusorisch. „Das Zell-Design ist auf die Performance im Fahrzeug ausgelegt. Nicht nur bei uns, sondern auch bei unseren Wettbewerbern“, sagt der Batterie-Experte.

Statt an Änderungen am Zell-Design will Persson lieber an Verbesserungen der Recycling-Methoden arbeiten. Wie auch Volkswagen setzt Volvo auf hydrometallurgische Verfahren. Im Vergleich zu den pyrometallurigschen Verfahren, bei denen die zerkleinerten Batterieteile energieintensiv eingeschmolzen werden, können bei den hydrometallurgische Verfahren unter Einsatz von Wasser und Chemikalien deutlich mehr Materialien zurückgewonnen werden.

„Das Ziel muss es sein, aus den Batterien wieder Batterie-taugliche Materialien zu gewinnen, die dann in neuen Zellen verwendet werden können“, sagt Persson. „Das geht mit der Hydrometallurgie, nicht mit dem Einschmelzen der Batterien.“

Beim Recycling der Zellen und auch der Abfälle aus der Fahrzeug-Produktion handelt es sich übrigens um Volvo-eigene Projekte, wie Nachhaltigkeits-Experte Kärrberg betont. „Wir machen das selbst, weil wir glauben, dass es ein Geschäftsmodell und auch ein Wettbewerbsvorteil ist“, sagt Kärrberg. „Wir merken es schon: Die Kunden fragen mehr nach und auch deutlich detaillierter. Nachhaltigkeit wird bei der Kaufentscheidung immer wichtiger.“
Quelle: Online-Konferenz mit Kärrberg und Persson, volvocars.com

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