10.11.2021 - 09:51

COP26: Über 30 Länder und sechs Autobauer wollen Verbrenner-Aus

Im Rahmen der Weltklimakonferenz in Glasgow haben über 30 Länder, sechs große Autobauer und weitere Partner eine gemeinsame Erklärung zur Abkehr vom Verbrennungsmotor abgegeben. Ziel ist es, weltweit bis 2040 bei Pkw und LCV emissionsfrei zu sein. Nur: Einige der Unterzeichner haben sich selbst schon strengere Ziele auferlegt.

Wie die britische Regierung mitteilt, wollen die Unterzeichner „darauf hinarbeiten, dass alle Verkäufe von neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen bis zum Jahr 2040 weltweit und in den führenden Märkten bis spätestens 2035 emissionsfrei sind“.

Unterzeichnet wurde die Erklärung von Österreich, Aserbaidschan, Kambodscha, Kanada, Kap Verde, Chile, Kroatien, Zypern, Dänemark, El Salvador, Finnland, Island, Irland, Israel, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Neuseeland, Norwegen, Polen, Slowenien, Schweden, Indien, Dominikanische Republik, Kenia, Mexiko, Marokko, Paraguay, Ruanda, Türkei, Uruguay und dem Vereinigten Königreich. Bei den Autobauern handelt es sich um GM, Ford, Mercedes, BYD, Volvo und Jaguar Land Rover – inzwischen haben weitere OEM die Erklärung unterzeichnet, allerdings handelt es sich dabei um deutlich kleinere Unternehmen. Zudem haben sich 39 Städte, Bundesstaaten und Regionen, 28 Flotten und 13 Investoren den Zielen angeschlossen.

„Wir werden die Bemühungen unterstützen, den von den führenden Politikern der Welt angekündigten Durchbruch im Straßenverkehr zu erreichen, der darauf abzielt, emissionsfreie Fahrzeuge zur neuen Normalität zu machen, indem sie bis 2030 in allen Regionen zugänglich, erschwinglich und nachhaltig gemacht werden“, heißt es in der Erklärung.

Es entsteht jedoch der Eindruck, dass die Einhaltung der in der Erklärung formulierten Ziele für einige Unterzeichner keine unüberwindbare Hürde sein wird: Einige Länder haben bereits ein Verbrenner-Aus vor 2040 beschlossen – zuletzt kam in dieser Woche Griechenland mit dem Zieljahr 2030 hinzu.

Auch seitens der Autobauer haben vor allem die Unternehmen die Erklärung unterzeichnet, von denen bereits derartige Pläne bekannt sind. Volvo will bekanntlich ab 2030 nur noch E-Autos verkaufen, Mercedes peilt ebenfalls das Ende des Jahrzehnts an – allerdings mit dem Zusatz, „wo die Marktbedingungen es zulassen“. Ford hat zumindest für Europa den Umstieg auf ein reines Elektroauto-Angebot ebenfalls für 2030 angekündigt – global planen Ford und GM bis 2030 mit 40 bis 50 Prozent E-Autos. JLR will Jaguar bereits ab 2025 zur reinen E-Marke machen, für Land Rover wurde bisher 2036 als Ziel ausgegeben.

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In einer eigenen Mitteilung bestätigt Volvo, dass man die Erklärung unterzeichnet habe – und schiebt gleich eigene, strengere Ziele nach. Das schwedische Unternehmen will demnach einen internen CO2-Preis von 1.000 Schwedischen Kronen (rund 101 Euro) pro Tonne CO2 über alle Geschäftsbereiche einführen. Mit dieser Maßnahme will Volvo den eigenen CO2-Ausstoß noch schneller verringern.

Dieser interne Preis sei „absichtlich deutlich höher angesetzt als von Organisationen wie der Internationalen Energieagentur empfohlen“, so die Schweden. „Ein globaler und fairer CO2-Preis ist entscheidend, damit die Welt ihre Klimaziele erreichen kann. Wir alle müssen mehr tun“, fordert Björn Annwall, Chief Financial Officer (CFO) bei Volvo Cars. „Fortschrittliche Unternehmen sollten vorangehen, indem sie einen internen CO2-Preis festlegen. Indem wir künftige Autos nach ihrer CO2-bereinigten Rentabilität bewerten, erwarten wir eine Beschleunigung der Maßnahmen, die uns dabei helfen werden, CO2-Emissionen schon heute zu erkennen und zu reduzieren.“

Interessant: Obwohl Volvo die Erklärung unterzeichnet hat, kritisieret die Volvo-Tochter Polestar die Erklärung. „Die Autokonzerne reden immer noch davon, Benzin- und Dieselfahrzeuge bis 2040 zu verkaufen“, sagt Polestar-CEO Thomas Ingenlath. „Wenn man die Lebensdauer eines Autos bedenkt, werden diese noch in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts fahren und die Umwelt verschmutzen. Sie verzögern damit eine der wirksamsten Klimaschutzlösungen, die uns zur Verfügung stehen.“

Laut Ingenlath sei es „nicht die Zeit für schrittweise Veränderungen, sondern für radikale Veränderungen“. „Der Bau und Verkauf von Elektroautos ist nicht das Ende, sondern der Anfang“, so der deutsche Manager. „Wir müssen mindestens genauso viel Aufmerksamkeit auf die Schaffung einer sauberen Lieferkette und schließlich auf das Recycling legen.“

Unabhängig von der Erklärung zu den Pkw und leichten Nutzfahrzeugen wollen es 15 Länder laut einer gemeinsamen Absichtserklärung ermöglichen, dass ab dem Jahr 2040 neue Lkw und Busse nur noch emissionsfrei auf die Straßen kommen. Als Zwischenziel für das Jahr 2030 wird ein emissionsfreier Anteil von 30 Prozent genannt. Die unterzeichnenden Länder sind Österreich, Chile, Kanada, Dänemark, Finnland, Luxemburg, die Niederlande, Neuseeland, Norwegen, Schottland, die Schweiz, die Türkei, Großbritannien, Uruguay und Wales.
heise.de, gov.uk, volvocars.com, polestar.com, globaldrivetozero.org (Lkw und Busse)

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20 Kommentare zu “COP26: Über 30 Länder und sechs Autobauer wollen Verbrenner-Aus

  1. Djebasch

    Das ganze ist doch ein Witz, 2030 sind wir eventuell schon bei 1,5Grad+ und hier Diskutiert man ernsthaft über 2040 …
    Daran merkt man doch deutlich das die Ernsthaftigkeit der Situation immer noch nicht angekommen ist.

    • Gonzo

      Der Markt regelt das schon. Bis dahin kann sich eh kaum Jemand den Sprit leisten und wenn ich mich so umschaue, wechseln eh alle cleveren Menschen jetzt schon zum E Auto 😉

      • Michel

        Hey Gonzo,

        ich bin auch sehr froh, dass ich seit Ende 2020 mit meinem Corsa-e unterwegs bin, die derzeitigen Sprit-Preise sprechen nämlich eine deutliche Sprache. Mein Mitleid hält sich aber in Grenzen, weil diese dämlichen, ineffizienten SUVs weiter sehr beliebt sind. Scheinbar ist der Sprit daher immer noch zu günstig. Was ich weiterhin überaus kritisch sehe, sind die Preise zum öffentlichen Laden, auch in Hinblick auf Energiegehalt sowie Vergleich mit etwa einem Diesel deutlich zu teuer (oder eben als Diesel zu günstig). Da ist noch sehr viel Nachholbedarf notwendig.

        Ansonsten muss ich dem Rest hier Recht geben: Die Politiker labbern leider nur, dabei rumgekommen ist (abseits von E-Autos) leider kaum etwas. Ein Verbrenner-Aus 2040 oder leicht früher ist einfach nur ein schlechter Witz, zum einen absolut unvereinbar mit den „Klima-Zielen“, sowie auch realitätsfern weil die Marktdurchdringung von E-Autos bis dahin höchstwahrscheinlich so hoch ist, dass der normale Bürger von sich aus nicht mehr auf die Idee kommen würde, etwas mit einem Verbrenner zu kaufen (bis auf wenige „Liebhaber“ sowie Reiche, denen sowieso alles egal ist).

        LG

        Michel

    • Benjamin

      Man muss aber auch bedenken, dass so ein Fahrzeug einige Jahre in der Entwicklung steckt und dann auch mehr als 1 oder 2 Jahre produziert und verkauft wird…

      Fahrzeuge die zur aktuellen Stunde entwickelt werden, werden vermutlich noch bis 2031 produziert und verkauft.

      Die Umstellung einer ganzen Industrie, welche Millionen von Fahrzeugen jährlich produziert und alles was dazugehört kann nicht innerhalb weniger Jahre komplett umgestellt werden.

      So einfach und schnell, wie man es sich vielleicht vorstellen kann, funktioniert es in der Realität nicht.

      • Wolfgang Arnold

        Sehe ich anders. Wenn man sich zB VW anschaut, die haben innerhalb von 5 Jahren eine BEV-Produktion hochgezogen. Über JV könnten die anderen (Ford macht das zB mit VW) auch schneller UND profitabler neue Fahrzeuge auf den Markt bringen. Die Plattformen, die neue Fahrzeuge hervorbringen, sind ja alle schon fertig entwickelt! Das Problem ist Geld! Du musst Verbrenner verkaufen, um BEVs zu entwickeln. Die Skalen-Effekte sind eher klein.

  2. Hans Herbert

    Alles was „Verbrenner-Aus“ nach 2030 ansiedelt, ist ein Kasperle-Theater. Ob es den Grünen gelingt, die Schallmauer des Blödsinnredens von Politikern zu durchbrechen, wird eine interessante Beobachtung sein. Der Druck der Straße wird jedenfalls noch wachsen.

    • Djebasch

      Spätestens wenn die COP und die Verhandlungen der Koalition schlecht ausfallen wird auch in Deutschland alles auf die Strasse gehen…

      • Max

        Alles wird bestimmt nicht auf die Straße gehen. Nur etwa jeder zehnte Erwachsene hat bei der letzten Bundestagswahl den Grünen die Stimme gegeben.

    • Wolfgang Arnold

      Zweimal nein!
      Erstens sind die Grünen nur Junior-Partner in einer Dreier-Koalition, gebrandmarkt als Spinner/Utopisten/Marktzerstörer. Kaum Rückhalt in unserer Portemonnaie-Demokratie.
      Zweitens wird die FDP sich die Meinungs-Hohheit in den Medien sichern. Da wird von den Grünen nicht viel wahrzunehmen sein.

  3. walter

    Warum ist eigentlich VW nicht dabei?

    • Ralf

      Auszug aus einer Audi-Pressemitteilung vom 22.06.21:
      „Bereits in vier Jahren startet die Produktion des letzten komplett neu entwickelten Verbrenner-Modells von Audi. Und ab 2026 bringt die Premiummarke nur noch neue Modelle auf den Weltmarkt, die rein elektrisch angetrieben sind. Das hat Markus Duesmann, CEO der AUDI AG, auf der Konferenz der Stiftung Klimaneutralität angekündigt. Im Rahmen der strategischen Neuausrichtung beschleunigt das Unternehmen den Umstieg in die E-Mobilität. Bis 2033 lässt der Hersteller die Produktion der Verbrenner nach und nach auslaufen. „

  4. Jürgen Baumann

    Und von Tesla hört man nun gar nichts dazu 🙂

    • JOE

      Tesla hat sich verpflichtet nur E Autos zu bauen….kein Witz
      LG JOE

      • Helmuth Meixner

        Schön! Toll! und mit welcher Transporttechnik wird die Menschheit versorgt?
        Mit Beamen?
        Bis jetzt sehe ich NUR ERDÖL und warme Luft oder hohles Geschwafel von Leuten die fast NUR ERDÖL nutzen können, weil sonst nix da ist. Ohne Erdöl wird SOFORT verhungert. Warum wohl?

        • Jürgen Baumann

          Kohle kann man nicht essen, Erdöl nicht nicht trinken und Erdgas nicht atmen.
          Ganz ruhig – die Elektrifizierung ist nicht mehr aufzuhalten. In allen Transportbereichen. Der PW ist nur der Anfang.

  5. Nostradamus

    Wenn es nur um Mobilität geht und seine Rolle in der Rettung unsere Zivilisation, es ist notwendig der Begriff „Verbrenner“ durch „Fossilen Brennstoffe“ zu ersetzen. Die Fossilen Brennstoffe bis 2030 aus dem Verkehr zu vertreiben kann man als Ziel setzen aber wir sollen bereit sein in diesem Jahr nicht überrascht zu werden das sowas nicht geht, noch nicht. Aus diesem Grund es ist absolut notwendig gegen CO2 Emission, wie auch gegen Emission von allen schädlichen Stoffen, frontal zu kämpfen! Für Fossilen Brennstoffe gibt es nur ein Ersatz – Strom. Als einzige wahre Alternative, Strom muss preiswert werden! Der „Kreativität“ der Politiker hat uns mit hohen Energiepreisen buchstäblich eingekesselt, ohne uns ein Ausweg zu geben – Strom! Also, Strom als einzige Alternative muss von allen „Parasitbelastungen“ ab sofort befreit werden, egal wie es produziert wird! Es gibt Bereiche wo wir das Jahr 2030 nicht warten müssen um CO2 zu eliminieren – Heizanlagen. In Deutschland Heizanlagen laufen von Anfang September bis zu Ende Mai, genau acht Monate lang werden riesige Menge von Holz, Öl und Gas verbrannt, und zwar ohne irgendwelchen Partikelfilter, Katalysatoren und SCR-Katalysatoren! Das ganze dieser giftige Kram könnte man in nur einem Jahr durch Stromheizung ersetzen. Weiter, wozu brauchen wir Langstrecken LKWs, die müssen tonnenweise teure Batterien mitschleppen, dessen Laden extrem große Stromstärke und Zeit verlangt? Für die Gütertransport steht schon lange Eisenbahn zu Verfügung, der muss man nur nützen! Warum geht es so schwer?! Stadtverkehr – warum wir brauchen teure und aufwendige Batteriebusse, wenn wir können billige Trolleybusse nützen?! Und zum Schluss, für die ganze dieser CO2-Kampf brauchen wir gigantische Strommenge – und Trotzdem der Ausbau von Solar- und Windanlagen läuft so schleppend?! Warum? Denn das größte Hindernis dabei sind gerade die Grüne, die CO2-Bekämpfung so laut und aggressiv fordern?! Die ganze unsere Gesellschaft dreht sich in einem Kreiß wie ein Hund der versucht eigenen Schwanz zu beißen.

    • Jürgen Baumann

      Zu unterscheiden wären fossile Treibstoffe und fossile Brennstoffe. Für erstere bieten sich Strom an. Für letztere stehen auch Solar- und Bioenergien zu Verfügung (Solarpanels für Warmwasser, Pellets, Holzschnitzel usw.).

  6. Raymond

    Oh wie Wunderlich. Welche Länder haben nicht unterschrieben?
    Deutschland, Frankreich, Italien, China und die USA.
    Allesamt Länder mit grosser Automobilfertigung.

  7. Klaus

    Natürlich kommt es der Industrie entgegen, nur noch eine Technologie entwickeln und produzieren zu müssen. Das ist Gewinnmaximierung. Das hat aber mit Klimaschutz nichts zu tun. Und wieder sind es die reichen Länder, die mit BEV und der ganzen Zusatztechnik wie Ladestationen mit 400 oder 800 kW einen riesigen CO2 Rucksack erzeugen, der bestenfalls in 20 Jahren abgebaut sein wird. Was wir aber brauchen, ist eine sofortige Senkung des CO2 Ausstoß. Leider beherrschen selbst Wissenschaftler fie Hrundrechenarten nicht mehr.

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2021/11/10/cop26-24-laender-und-sechs-autobauer-wollen-verbrenner-aus/
10.11.2021 09:18