10.03.2022 - 10:21

Wie hart der PHEV-Bestellstopp bei VW die Fuhrparkmanager trifft

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Die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine und der folgenden Sanktionen sind inzwischen Tag für Tag deutlich zu spüren – etwa an der Tankstelle. Der Ukraine-Krieg hat aber auch (indirekt) dafür gesorgt, dass einige Plug-in-Hybride in diesem Jahr gar nicht mehr bestellbar sind – und das stellt einige Unternehmensflotten vor Herausforderungen.

* * *

Es waren zwei kleine Meldungen, die aber eine große Wirkung haben: Zunächst hatte Audi in der vergangenen Woche einen Bestellstopp für seine Plug-in-Hybride verhängt. Anfang dieser Woche folgte dann Volkswagen. Während Audi den Schritt mit der hohen Nachfrage und „einigen Einschränkungen bedingt durch die Versorgungssituation“ begründete (und keinen Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg sehen wollte), ist die Lage bei VW klar. „Aufgrund weltweit steigender Bestellzahlen für die Plug-in-Hybridmodelle, der nach wie vor schlechten Versorgung mit Halbleitern und insbesondere der aktuell dramatischen Situation in der Ukraine ist ein vorläufiger Bestellstopp unvermeidbar“, heißt es in einem Schreiben an die Händler.

Modelle wie der VW Golf e-Hybrid, die GTE-Variante des Dienstwagen-Klassikers Passat oder der Audi A3 e-tron bis hin zum A7 e-tron sind nun also in 2022 nicht mehr bestellbar. Bei der VW-Tochter Skoda gibt es zwar noch keinen Bestellstopp, die Lieferfristen für einen Octavia mit Plug-in-Hybridantrieb sind Berichten zufolge aber ohnehin bereits im August 2023. Von schneller Verfügbarkeit kann keine Rede mehr sein. Und da man eine zeitnahe Belieferung nicht mehr garantieren könne, gab Audi etwa an, mit dem Bestellstopp auch für Planungssicherheit bei den Abnehmern sorgen zu wollen. Sprich: In diesem Jahr werden nur noch bereits bestellte PHEV ausgeliefert. Wenn überhaupt.

Das Problem: Autos aus dem VW-Konzern haben traditionell einen hohen Anteil in den deutschen Unternehmensflotten. Der Bundesverband Fuhrparkmanagement e.V. schätzt auf Nachfrage von electrive.net alleine den Anteil von VW und Audi auf „an die 30 Prozent“. Dazu kommt die bekannte Tatsache, dass VW im vergangenen Jahr bei den Elektro-Neuzulassungen den Langzeit-Spitzenreiter Renault überholt hat. Also nicht nur in den Flotten, sondern auch bei E-Autos hat VW eine herausragende Stellung.

„Insofern ist für eine Mobilitätswende mittels E-Fahrzeuge als einem wichtigen Treiber dieser Bestellstopp eine Katastrophe“, sagt Axel Schäfer vom Bundesverband Fuhrparkmanagement. „Er bremst die Bemühungen der Unternehmen umzurüsten, er vernichtet jegliche Planungs- und Kalkulationsgrundlage.“ Und das, obwohl es „für Mobilitätsbedürfnisse der Unternehmen noch lange nicht alle notwendigen Modelle elektrifiziert“ gebe.

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Die Halbleiter-Krise hat die Beschaffung von Neuwagen schon erschwert, vor allem in Hinblick auf die zuverlässige Verfügbarkeit der bestellten Autos, um die betriebliche Mobilität zu gewährleisten. Verschiebungen und teilweise Absagen schon vereinbarter konkreter Termine sind laut Schäfer bereits an der Tagesordnung. Auch wenn es bisher nur von VW und Audi konkrete Bestellstopps gibt, hält es der Fuhrpark-Experte für möglich, dass andere Hersteller bald folgen werden. „Es ist leider keineswegs abwegig, dass auch andere Hersteller dem folgen“, so Schäfer. „Zumindest wurde uns dies resultierend nach Abfragen von Unternehmen bei verschiedenen Herstellern bestätigt.“

Neben der schweren Planbarkeit bei den Auslieferungen und zunehmend auch bei den Bestellungen kommt auf die Branche ein weiterer Punkt hinzu: Das Bundeswirtschaftsministerium hat den Umweltbonus in seiner derzeitigen Form nur bis zum 31. Dezember 2022 verlängert, für 2023 strebt Robert Habeck eine Novellierung der E-Auto-Förderung an. Wann diese vorgestellt wird und wie BEV und PHEV ab 2023 gefördert werden: Ungewiss. Zuschüsse von bis zu 9.570 Euro dürfte es dann aber nicht mehr geben.

Neben der Höhe der Förderung macht dem Bundesverband die bekannte Tatsache Sorgen, dass der Antrag auf den Umweltbonus erst nach der Zulassung (und damit nach der Auslieferung) gestellt werden kann. „Eine Bedingung der Förderung ist, dass die Fahrzeuge bis dahin auch ausgeliefert werden. Und das sieht ganz schlecht aus“, sagt Schäfer. „Hier muss dringend nachgebessert und auf die aktuelle Situation eingegangen werden.“ Sonst hätten Unternehmen unter falschen Voraussetzungen bestellt und die Kalkulation fliegt den Finanzchefs um die Ohren. „Das wäre nicht mit einem ‚Pech gehabt, schauen wir nach vorne‘ schnell vergessen, wäre weit mehr als eine Bagatelle und hätte ernste Konsequenzen für Unternehmensliquidität, Investitionskraft bis hin zu gefährdeten Arbeitsplätzen“, sagt der Experte. Seine Befürchtung: „Das könnte sogar so weit führen, dass die geplante Elektrifizierung von Flotten auf Eis gelegt werden muss. Damit wird die Mobilitätswende weiter gebremst.“

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9 Kommentare zu “Wie hart der PHEV-Bestellstopp bei VW die Fuhrparkmanager trifft

  1. Birne

    Jeder nicht gebaute PHEV hilft dem Klima,…

    • R. Zelring

      Nein.
      Viele PHEV-Interessenten
      in dem IT-Unternehmen, in dem ich tätig bin,
      schwenken jetzt um wieder auf reinen Benziner bzw. Diesel 🙁 BEV ist wenig nachgefragt bei unseren Mitarbeitern.
      Dies ist eben das reale Leben jenseits mancher lieb gemeinter Blasen von „Evangelisten“ und „Gesundbetern“.

      • Birne

        Eben, es ist Umweltfreundlicher Dieselfahrzeuge in der Flotte zu betrieben, als PHEV die selten geladen werden, bzw. Langstrecke auf der Autobahn fahren.

        Somit, jeder nicht produzierte PHEV ist gut fürs Klima.

        Besser wäre natürlich wenn reine BEV verkauft werden, nur da kommt die Produktion nicht hinterher.

        • Achja

          Die PHEV werden nicht für den Verbrennetberieb gekauft bei den Jetzigen Preisen. Sondern damit man noch ein Notfall Motor im BEV hat.

          • Birne

            Selten so gelacht.
            Ja genau. 😀

            Bei privaten Personen ja, bei dienstlichen Flotten mit Tankkarte nein.

  2. Markus

    Prima – diese Mogelpackungen (PHEV) sollten ohnehin nicht gefördert werden.

  3. Christian Zander

    Die Bedingungen, zu denen man bestellen kann, sind bekannt.
    Wenn die Autohersteller nicht in der Lage sind, zu liefern und deswegen die Förderung ausfällt, so ist das für viele Privatkäufer meistens eine echte Katastrophe.
    Firmen sollten damit klar kommen können. Da aber die Voraussetzungen für ein Zustandekommen eines Vertrages, insbesondere die Lieferzusagen, nicht eingehalten werden, wäre darüber hinaus zu prüfen, ob die Verträge nicht storniert werden können, ggf. ergänzt mit zusätzlichen Klagen auf Schadensersatz wg. der fehlenden Förderung.
    Reine Verbrenner sind von Bestellstopps ja wohl nicht betroffen, zumindest habe ich das noch nirgends gelesen.
    Hoffentlich werden wenigstens viele BEV gebaut, das ist ohnehin besser als Plug-In-Hybrid.

  4. Hypermiler

    Ich arbeite in einer Firma mit sehr großem Fuhrpark. Im Sommer 2021 hieß es von unsere Fuhrparkabteilung, dass keine Plugin-Hybride von VW mehr bestellt werden dürfen. Von den anderen deutschen und französischen Herstellern dürfen wir noch PHEV bestellen. Eine Begründung dafür wurde nicht angegeben. Ich habe aber mal ein Viedeo von den AutoDocs gesehen, wo es darum ging, dass VW PHEV ein Ölwechselintervall von 10.000 KM haben. Da wundert es mich eher, dass es überhaupt noch Firmen gibt, die sowas kaufen.

  5. Tom

    In meinen Augen ist das auch eher eine gute denn eine schlechte Nachricht.

    Unternehmen deren Liquidität davon abhängt ob für den Fuhrpark Verbrenner mit Elektromotor (PHEV) oder reine Verbrenner (ICE) angeschafft werden und nun fürchten deshalb Arbeitsplätze abbauen zu müssen, sollten sich grundsätzlich mal Gedanken machen.

    Im übrigen sind sowohl Förderbedingungen, Corona und Chipkrise bereits bei Bestellung bekannt gewesen. Lediglich die Verschärfung der Situation durch die Ukraine war nicht vorherzusehen.

    Ich persönlich hoffe, dass sich das (leidige) Thema PHEV damit endgültig erledigt hat. Damit wäre allen geholfen – auch dem Klima.

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10.03.2022 10:42