07.03.2023 - 10:00

E-Auto-Durchfallquote bei erster TÜV-Hauptuntersuchung

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8,9 Prozent der geprüften Tesla Model 3 fallen bei der ersten Hauptuntersuchung durch, wie aus einer Sonderauswertung des aktuellen TÜV-Reports zu vier Elektromodellen hervorgeht. Ebenfalls ausgewertet wurde die Durchfallquote beim Renault Zoe, Nissan Leaf und BMW i3.

Der TÜV-Verband hält fest, dass bei den vier „besonders gefragten E-Modellen“ die Mängelschwerpunkte bei den Bremsen, dem Abblendlicht und den Achsaufhängungen liegen. Überschrieben ist die Sonderauswertung mit dem Titel „E-Autos mit durchwachsenen Ergebnissen bei der Hauptuntersuchung“. Zum Hintergrund der erstmalig veröffentlichten Untersuchung äußert Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands, dass „mit den steigenden Absatzzahlen der vergangenen Jahre immer mehr Elektrofahrzeuge bei den TÜV-Prüfstellen vorfahren. Das ermöglicht uns eine Bewertung der technischen Sicherheit ausgewählter E-Autos.“

Mit dem Renault Zoe es laut der Prüforganisation erstmals ein Elektrofahrzeug dank ausreichend hoher Stückzahlen in den offiziellen „TÜV-Report 2023“ geschafft. In den Report fließen die Ergebnisse von 9,6 Millionen Hauptuntersuchungen zwischen Juli 2021 und Juni 2022 ein. In der Klasse der zwei bis drei Jahre alten Fahrzeuge fallen 5,3 Prozent mit „erheblichen Mängeln“ durch die TÜV-Prüfung und müssen nach der Reparatur erneut vorgeführt werden.

Die Durchfallquote des Renault Zoe liegt laut TÜV 5,3 Prozent exakt im Durchschnitt der insgesamt 130 in der Klasse der zwei bis drei Jahre alten geprüften Pkw. Größter Mängelschwerpunkt sei bei diesem Modell die vordere Achsaufhängung. „Insbesondere Querlenker sowie Spur- und Koppelstangen sind auffällig“, schreibt die Prüforganisation. Häufiger als im Durchschnitt werde auch die Funktion der Fußbremse beanstandet.

Besser als der Durchschnitt schneidet der Nissan Leaf mit einer Mängelquote von 4,3 Prozent ab. Bei dem Japaner sind dem Bericht nach vor allem das Abblendlicht und die Bremsscheiben auffällig. Aber: Mit dem Ergebnis reiht sich der Leaf bei den zwei- bis dreijährigen Fahrzeugen im oberen Drittel des Rankings ein.

Im unteren Drittel landet dagegen der BMW i3 mit einer Durchfallquote von 5,9 Prozent. Wie beim Leaf sind es beim i3 das Abblendlicht und die Bremsscheiben, die von den Sachverständigen bei der Prüfung überdurchschnittlich häufig beanstandet werden.

Schlusslicht des Quartetts ist laut TÜV das Tesla Model 3, denn 8,9 Prozent der geprüften Fahrzeuge dieses Typs fallen bei der ersten Hauptuntersuchung durch. Im Ranking der zwei- bis dreijährigen Fahrzeuge liegen nur noch vier Autos hinter dem Tesla, darunter der Dacia Logan, Dacia Dokker und der VW Sharan. Neben der Beleuchtung mit Defekten am Abblendlicht und an den Nebelscheinwerfern haben auch die Bremsscheiben des Model 3 häufiger Mängel als der Durchschnitt aller untersuchten Fahrzeuge. Das Gleiche gilt für die Achsaufhängung.

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Geschäftsführer Bühler erläutert die häufigen Mängel bei E-Autos an Bremsen und Achsaufhängen wie folgt: „Ein Grund für die Mängel an den Bremsen ist die Rekuperation, mit der in E-Autos Bremsenergie zurückgewonnen wird.“ Sie entlaste die Bremsen, was in Abhängigkeit von der Fahrweise zum „Einschlafen der Bremsbeläge“ (Absenkung des Reibwertes) führen könne. „E-Auto-Fahrende sollten regelmäßig kräftig bremsen, um die Bremsbeläge wieder zu regenerieren und damit die volle Bremsleistung zu erhalten“, rät Bühler. Und: „Viele Elektrofahrzeuge sind wegen der Batterie schwerer als vergleichbare Modelle mit Verbrennungsmotor. Das stellt häufig eine besondere Belastung für die Achsaufhängungen dar.“ Keine besonderen Probleme hätten selbst ältere E-Autos dagegen mit dem Thema Rost.

Der TÜV-Verband verbindet die Sonderauswertung unterdessen mit der Forderung nach zusätzlichen Prüfpunkten für die HU von E-Autos. Aktuell prüfen die TÜV-Organisationen Elektrofahrzeuge auf Grundlage der HU-Richtlinie und typbezogener Prüfvorgaben. Im Fokus steht dabei naturgemäß vor allem der Zustand der Hochvoltbatterie, der elektrischen Leitungen sowie der Stecker. „Allerdings werden die Hochvoltbatterien von E-Autos bisher nur einer Sichtprüfung unterzogen. Das reicht nicht aus“, vergegenwärtigt Bühler. Er fordert, die Vorschriften für die Hauptuntersuchung um weitere spezifische Prüfpunkte für die Sicherheit von E-Autos zu ergänzen.

„Die Hochvoltbatterie muss über den gesamten Lebenszyklus des Elektrofahrzeugs bewertbar sein. Dafür brauchen die Prüforganisationen Zugang zu den Daten des Batteriemanagementsystems“, so der Geschäftsführer. Darüber hinaus müsste generell die Hochvoltsicherheit des Elektrofahrzeugs überprüft werden. Im Rahmen der HU wäre das mit einer Messung des Isolationswiderstandes und des Potenzialausgleichs im gesamten Hochvoltsystem umsetzbar.

Als weiteres Problem benennt Bühler „die zunehmende Verkapselung des Unterbodens bei E-Fahrzeugen“, was eine Sichtprüfung sowohl der spannungsführenden Hochvoltkabel aber auch der Bremsleitungen verhindert. Es bedürfe hier Anpassungen der Typprüfvorschriften, die für die HU zum Beispiel entsprechende Revisionsklappen in der Verkleidung für eine Sichtprüfung der sicherheitsrelevanten Bauteile vorschreibt.
tuev-verband.de

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11 Kommentare zu “E-Auto-Durchfallquote bei erster TÜV-Hauptuntersuchung

  1. Ralph Rechner

    Der Bericht vom TÜV ist doch klar „gesteuert“. Erstens sind die Prüfer dazu angehalten, nach Möglichkeit Mängel zu erfinden, wäre zu hart gesagt, aber da werden zuvor in Werkstätten für i.O. befundene Scheinwerfereinstellungen als „falsch eingestellt“ beurkundet. Und jetzt sollen Hochvoltleitungen hinter schützenden Verkleidungen, die vom System des Fahrzeugs dauerhaft überwacht werden freizulegen sein ?! Die Prüforganisationen haben sich zu sehr an ihre kräftigen jährlichen Preissteigerungen gewöhnt, als dass sie auf mit Minderaufwand zu prüfende BEV sich einstellen können und wollen.
    Der Bericht ist klare Lobbyarbeit zur Erhaltung des Geschäftsmodells.
    Dass Model 3 z.T. angerostete Bremsscheiben haben ist bekannt, aber dadurch gleich durchfallen ist hochgestochen. BMW i3 die seit vielen Jahren mit kompletter LED-Technik ausgerüstet sind fallen deswegen auch durch, also bitte…….da fällt das Vertrauen in die Prüforganisationen noch weiter.

    • Tobias

      Wie dick ist so eine rosa Brille von einem Tesla-Fanboy?

      Jetzt ist sogar jeder einzelne TÜV-Prüfer im Land teil eine Kampagne gegen Tesla…. Ich lach mit tot…

      Einfach mal akzeptieren, dass ein Tesla zu den Qualitativ schlechtesten Fahrzeugen auf dem deutschen Markt gehört. Und das Fahrwerk häufig versagt sieht man auch in zahlreichen Berichten von Besitzern. Und der Rost kommt erst noch mit den späteren Baurjahren, weil der wurde ja auch schon von sachverständigen untersucht und fehlende Rostvorsorge bescheinigt. Das dauert aber noch 5-7 Jahre bis diese Welle auf Tesla zurollt.

      • Pascal

        Ich bin selber in der Entwicklung von E-Fzg tätig (nicht Tesla). Und egal welche Marke – Die Kritik von Ralph an den Forderungen, HV Leitungen offenzulegen ist absolut berechtigt.
        Woher soll der TÜV wissen ob eine optische Begutachtung der HV Leitungen überhaupt Sinn macht? Offensichtlich sind sie gut geschützt, wenn man sie nicht sehen kann. Eine elektrische Überwachung, wie sie praktisch alle e-Fzg. haben ist deutlich sicherer und robuster. Die geforderte „Servicefähigkeit“ führt in erster Linie zu einer unnötigen Verkomplizierung.

        Beim Thema Bremsscheiben sehe ich aber auch bei verschiedenen Herstellern Nachholbedarf im Korrosionsschutz. Um die Scheiben „freizubremsen“ muss man in der Regel auch noch während der Fahrt in den Neutral-Gang schalten, um die Rekuperation zu deaktivieren. Vor allem im Winter, wenn die Korrosion auf die Scheiben schlägt ist der Bedarf am größten – für ungeübte Fahrer ist das Maneuver „Freibremsen“ eher ein unnötiges Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr.

        • Christian Meier

          Ist natürlich auch nicht 100 % klar geschrieben. Vielleicht wird ja auch nur bemängelt dass man Bremsleitungen nicht mehr richtig prüfen kann (was aber in der Prüfvorschrift gefordert wird) und die Hochvoltleitungen waren einfach Teil der Aufzählung was alles nicht mehr sichtbar ist.
          Hochvoltleitungen bergen sicherlich die Gefahr dass die Isolation beschädigt ist. Aber den gesamten Kabelstrang optisch zu beurteilen ist einfach unrealistisch. Und eine Wartungsklappe hilft da auch nicht weiter.

      • Emobilitätsberatung-berlin K.D.Schmitz

        Bei der „rosa Brille“ muss wohl jeder zustimmen, aus Fanboys natürlich. Die allgemein vermutetet schlechte Qualität bei Tesla wird sich ja erst in der Masse zeigen,(können) bei 5-7-9 jährigen. Sollte es Anrostungen geben so werden die beim TÜV nicht bemängelt, außer Bremsleitungen. Das Thema nicht bis kaum benutzte Bremsen ist schwersten bis gar nicht zu lösen von den Herstellern. Freibremsen habe ich meinen Kunden vor Jahrzehnten empfohlen, denn das gab es auch schon vor dem E-Auto. Als Ignoranz der Hersteller ist das Thema Fahrwerk zu sehen. Hier wird auf Kosten Kunden repariert, obwohl der Fehler klar ist. Hier kann ich nur, als Fanboy der E-Autos, jedem Käufer empfehlen: In der heutigen Zeit sind 2-3 Jahre Werksgarantie nicht mehr Zeitgemäß. Unter 5 bis 7 Jahren Werksgarantie, analog Hyundai / KIA, würde ich keinen BEV kaufen. Zuletzt habe ich einen Bericht, Next Move, gesehen, da wurde das Problem mit dem OnBoard Lader bei Opel beschrieben. Das Teil hält wohl nur 2 Jahre knapp, kostet 1000,-Euro und ist der Garantie Verlängerung neuerdings nicht mehr enthalten. Hier muss jeder Kauf boykottiert werden bis das Problem gelöst ist. Die Hersteller, vor allem Europäische, überbieten sich in Unverschämtheit.

        • Nico

          Das Thema kaum benutzte Bremsscheiben ist sogar sehr leicht durch den Hersteller zu lösen. Einfach per Software dafür sorgen, dass in bestimmten Abständen (z.B. 1x pro Woche) kurz die Bremse anstatt Rekuperation genutzt wird. Davon merkt der Fahrer nichts und das Problem der rostigen Bremsen ist damit gelöst.

    • C. Getto

      Ich kann Ihre Anmerkungen voll bestätigen. Meine „Durchfall-Mängel“ beim 3J TÜV IONIQ el: LED-Scheinwerfer falsch eingestellt (hat der TÜV-Techniker angeblich freundlicherweise sofort korrigiert) und angerostete Bremsscheiben hinten. Die Werte auf dem Brems-Prüfstand waren im Limit, d.h. ausreichend!

      • Ottmar Delfs

        „Im Limit“ klingt ein wenig wie „gerade so ausreichend“. Kann sein, dass der Prüfer dann durchwinkt, aber mit textueller Anmerkung „muss bald was dran gemacht werden“.

  2. Stefan Ko

    Bewirbt Tesla nicht beim Model 3 / Y mit einer automatischen Bremsscheiben-Reingigungsfunktion?

    In der Bedienungsanleitung wurde darauf mal Bezug genommen – das sollte ja Korrosionsschäden zumindest hintanhalten einige Zeit lang.

  3. Volker Oberi

    Dass die TÜV-Prüfer als alte Petrol Heads – was nicht negativ gemeint sein soll! – statistisch gesehen eher elektrokritisch herangehen, ist nachvollziehbar. So ist der Mensch: „Na, dat Neue schaue ich mir erst mal etwas kritisch und skeptisch nu an“.
    Muss Mann mit leben und wird sich mit der Zeit geben. Auch neue Marken werden generell erst mal etwas kritisch und skeptisch beäugt.

  4. Friedrich Langenbruck

    Für viele Mitbürger ist das Verhältnis zum TÜV wie jenes zum Finanzamt: Hoffentlich komme ich da möglichst gerade so durch, bisschen Tricksen und Täuschen sind erlaubt und geben Stoff für nächsten Stammtisch oder Kaffeerunde mit den Arbeitskollegen („was bin ich ja für ein cleverer Bursche“).
    Ist leider so. Oder „wie ich damals beim Matheabitur überlebte“.

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07.03.2023 10:04