Zukunftsentscheid: Hamburg soll schon 2040 klimaneutral werden

Mit einem Volksentscheid ist die Hansestadt Hamburg am Sonntag dazu verpflichtet worden, das Klimaschutzgesetz zu ändern und u.a. die Klimaneutralität bereits 2040 statt bis 2045 erreichen zu müssen. Das wird wohl nur mit drastischen Maßnahmen zu erreichen sein, darunter auch ein komplettes Fahrverbot für Verbrenner-Autos ab 2040.

Hamburg skyline elbphilharmonie pixabay
Bild: Pixabay/Lacherlott

Die Volksinitiative „Hamburger Zukunftsentscheid“ wurde von der Klimabewegung Fridays for Future angestoßen und wird u.a. von Umweltorganisationen wie NABU und BUND unterstützt, aber auch von der Gewerkschaft Verdi, dem Bierbrauer Carlsberg oder dem Fußballclub FC St. Pauli.

Am Sonntag nun kam es zum Volksentscheid über den von der Initiative „Hamburger Zukunftsentscheid“ eingebrachten Änderungsantrag für das Hamburger Klimaschutzgesetz – und tatsächlich stimmten 53,2 Prozent der Teilnehmer am Volksentscheid für die Gesetzesänderung. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) kündigte noch am Sonntagabend an, die Gesetzesänderung umzusetzen. Das sei durch Verfassung und Rechtslage geboten. Es gelte aber eine Übergangsfrist von zwei Jahren.

Die Kernforderung des Änderungsantrags, nämlich bereits 2040 statt 2045 eine Klimaneutralität in Hamburg zu erreichen, soll entsprechend gesetzlich festgeschrieben werden. Zugleich soll auch festgelegt werden, dass die Klimaneutralität sozialverträglich umgesetzt werden muss. Darunter versteht die Volksinitiative u.a. einen günstigen öffentlichen Nah- und Regionalverkehr, der für alle bezahlbar sein soll. Weiterhin soll zum Beispiel „smarte Energie“ gefördert werden, und zwar über Mieterstrommodelle und die flächendeckende Bestückung von öffentlichen Gebäuden und Schulen mit Photovoltaikanlagen.

Tempo 30, Null-Emissions-Zonen und Verbrennerverbot

Auch für Autofahrer bringt der Zukunftsentscheid zentrale Änderungen mit sich: Zwar ist dies nicht direkt im Gesetzesentwurf so formuliert, aber ein Gutachten des Hamburg Instituts und des Öko-Instituts im Auftrag der Stadt sieht als eine von vielen Maßnahmen eine baldige Umsetzung von Tempo 30 in der gesamten Stadt als wichtig an. Zudem regt das Gutachten die Einrichtung von Null-Emissions-Zonen (NEZ) an, in der ausschließlich emissionsfreie Fahrzeuge verkehren dürfen, also Elektroautos und Wasserstofffahrzeuge. „Im Sinne der Verhältnismäßigkeit und Planbarkeit sollte die NEZ mit einem Kerngebiet beginnen und sich über die Jahre sukzessive erweitern. So könnten beispielsweise die Einrichtung einer solchen Zone innerhalb des Ring 1 beginnen und dann in den nachfolgenden Jahren auf Ring 2, Ring 3 und schließlich das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet werden“, heißt es in dem Gutachten.

Weiterhin betont das Gutachten, um 2040 eine Klimaneutralität für Hamburg zu erreichen, müsse die Mobilität bis 2040 entsprechend komplett elektrifiziert werden – heißt im Umkehrschluss: Dann dürfen keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr durch Hamburgs Straßen fahren, außer vielleicht mit klimaneutralen E-Fuels, falls es die denn jemals geben wird.

Zweifel an Kapazität des ÖPNV

Kritik kommt beispielsweise vom ADAC: „Der öffentliche Nahverkehr wird die aus dem Verbrennerverbot resultierenden zusätzlichen Fahrgäste nicht auffangen können. 50% der ÖPNV-Nutzer werden schon jetzt von Bussen transportiert“, meint Hanno Huijssen, Vorstandsvorsitzender des ADAC Hansa. Auch den Sinn eines generellen Tempo 30 zweifelt der Autoclub an: Verschiedene Untersuchungen hätten gezeigt, dass Tempo 30 bei konstanter Geschwindigkeit zu einem höheren Verbrauch an Treibstoff, einem vermehrten Ausstoß an Stickoxiden sowie zu mehr motorbedingtem Feinstaub führt, so der ADAC. Und wenn tatsächlich ein Fahrverbot für Verbrenner gibt, so sei es fürs Klima irrelevant, wenn ein Tempolimit auch für E-Autos gelte.

Wichtig zum Verständnis jedoch: Solche Details regelt der Änderungsantrag für das Klimaschutzgesetz gar nicht, sondern die Diskussion um Tempo 30 müsste dann noch separat geführt werden. Genauso könnte es sein, dass Tempo 30 nur als Übergangsregelung kommt, bis alle Fahrzeuge klimaneutral fahren.

ndr.de, adac.de

11 Kommentare

zu „Zukunftsentscheid: Hamburg soll schon 2040 klimaneutral werden“
Matthias
13.10.2025 um 22:17
Super, dann wird zum und im Hamburger Hafen wie vor 200 Jahren nur noch gesegelt und gerudert.Und das Airbus-Werk wird auch die Fliege machen.
Dirk Brokatzky
20.10.2025 um 17:35
Komisch, davon ist in diesem Artikel keine Rede, wo kann ich diese Aussage nachlesen?
Richard
14.10.2025 um 08:14
Typisch Deutsch: Negatives suchen Veränderungen meiden Innovationen blockieren Technologieoffenheit predigen
Martin
14.10.2025 um 09:35
Die Entscheidung ist nicht innovativ sondern kontraproduktiv.
Georg Wess
14.10.2025 um 07:20
Prost Mahlzeit.
Marius
14.10.2025 um 07:35
Dann werden die Schiffe die in Hamburg anlegen den Strom den sie benötigen von Land beziehen müssen und diesen nicht über ihre Diesel-betriebenen Generatoren erzeugen. PS: Klima neutral bedeutet nicht keine CO2 Emissionen.
Martin
14.10.2025 um 08:29
Hamburg schafft sich ab.
Martin
14.10.2025 um 08:53
Dem Klima bringt das alles nichts: Die EU legt eine Obergrenze (Cap) für die Gesamtemissionen fest. Es gibt nur eine festgelegte Anzahl an Zertifikaten, die ausgegeben werden. Wenn nun Hamburg CO2 vermeidet, stehen für Rest-Europa mehr Zertifikate zur Verfügung, und obendrein werden sie billiger. Folglich darf das übrige Europa mehr CO2 emittieren und hat durch die niedrigeren Kosten weniger Anreiz, selbst in CO2-Vermeidung zu investieren. - Fazit: Hamburg macht sich das Leben schwer, ohne dass es unterm Strich etwas nutzt.
Micha
14.10.2025 um 12:45
Oder einfach mit gutem Beispiel voran gehen und dann glaubhaft für eine strengere Regulierung werben, deutschland, EU-weit und letztlich weltweit. Mit deiner Haltung wären wir wahrscheinlich noch im Mittelalter, weil gegen alles immer Gründe, aber nie Lösungen gefunden werden.
Martin
14.10.2025 um 18:54
Ich habe mit Tatsachen belegt, dass es nichts nutzt, sondern Geld für nichts zum Fenster hinaus wirft, und Sie nennen es ein gutes Beispiel. Wir sind gerade auf dem Weg zurück ins Mittelalter - und Hamburg geht voran.
Nico
14.10.2025 um 09:54
Guter Punkt, das wäre aber nur so, wenn wirklich alle CO2-Emissionen im Zertifikatehandel eingeschlossen wären. Dem ist aber nicht so. Verkehr kommt immerhin 2027 hinzu. Aber ich glaube Hochseeschifffahrt ist z.B. nicht integriert.Und ein mögliches Problem sehe ich auch in der Zukunft, ob der CO2-Handel tatsächlich politisch so fortgesetzt wird, wenn es wirklich ernst wird und die Preise aufgrund des immer geringeren Caps steigen. Man sieht es ja jetzt schon beim Verbot von CO2 emittierenden Verbrennern, wie die Stimmung politisch kippt. So ähnlich wird es wohl auch bei CO2 werden in ein paar Jahren. MAn kann sich auf die Politik einfach nicht verlassen. Und dann ist es doch wieder sinnvoll wenn einzelnen Städte wie jetzt Hamburg das selbst in die Hand nehmen.

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