Chinesischer Zulieferer statt Valeo? Renault wirft Pläne für E-Motor E7A um

Renault hat sein 2023 angekündigtes Gemeinschaftsprojekt mit Valeo zur Entwicklung eines neuen Elektroauto-Motors abgebrochen und sucht stattdessen offenbar nach einem chinesischen Lieferanten für den Stator, um den E7A genannten Motor mit 200 kW Leistung in Eigenregie zu entwickeln.

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Bild: Renault

Das berichtet Reuters unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen. Renault verwendet bereits seit 2012 Motoren ohne Seltene Erden und kündigte vor zwei Jahren an, zusammen mit Valeo an der dritten Generation von Elektromotoren zu arbeiten. Die Marktreife des E7A wurde damals für 2027 in Aussicht gestellt. Doch Valeo – in dem Entwicklungsprojekt verantwortlich für den Stator – soll inzwischen nicht mehr an Bord sein. Stattdessen „wird das E7A-Motorprojekt vollständig intern über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg durchgeführt, mit Ausnahme des Stators, der von einem chinesischen Lieferanten bezogen werden könnte“, wird einer der Insider im Bericht der Nachrichtenagentur zitiert. Der Schritt sei durch nötige Kostensenkungen bedingt, so beide Quellen. Und chinesische Zulieferer böten sehr wettbewerbsfähige Preise.

Renault will diese Entwicklung weder bestätigen noch dementieren. „Ein chinesischer Partner ist eine Möglichkeit“, räumte eine Sprecherin von Renault-Tochter Ampere gegenüber Reuters ein. Es sei aber noch keine Entscheidung gefallen. Und: „Wir prüfen die Möglichkeit, den Stator in Frankreich zu fertigen“, so die Sprecherin. Valeo lehnte der Nachrichtenagentur zufolge eine Stellungnahme ab. Als gesetzt gilt, dass der E7A weiterhin im Renault-Werk im französischen Cléon gefertigt wird – selbst wenn ein chinesischer Zulieferer den Stator beisteuert. Als Lieferant der Siliziumkarbid-Module für den Wechselrichter des E7A ist bereits STMicroelectronics engagiert.

Viel Zeit für die Entwicklung kann sich Renault im Grunde nicht mehr lassen: Die neuen Motoren sollen die nächste Generation kompakter Elektrofahrzeuge von Renault antreiben, die ab 2028 auf den Markt kommen. Das Aggregat wird nach früheren Statements 800 Volt unterstützen und 200 kW Leistung bieten („25 % mehr als die aktuelle Generation“). Durch den Verzicht auf Seltene Erden soll zudem die Lieferkette robust gemacht werden.

Renault legt grundsätzlich viel Wert auf die Wertschöpfung im eigenen Land oder in Europa. So gab der Hersteller 2023 auch an, die Entwicklung des E7A mit Valeo als „Innovation Made in France“ voranzutreiben. Dass nun ein chinesischer Zulieferer für den Stator erwägt wird, offenbart, dass Renault mit seiner Lokalisierungsstrategie an Grenzen stößt. Fakt ist: Der Kostendruck steigt. Zu viel Dogmatismus in dieser Frage kann sich Renault als relativ kleiner Autohersteller daher nicht leisten. Dass die Franzosen vor diesem Hintergrund bereit sind, pragmatisch zu reagieren, zeigte jüngst die Entwicklung des neuen E-Twingo: Um das Modell in nur zwei Jahren marktreif zu bekommen, holte sich Renault ein chinesisches Ingenieurteam an die Seite.

Was Valeo angeht, so arbeitet der französischer Automobilzulieferer mit Sitz in Paris weiterhin mit dem deutschen Zulieferer Mahle an der Entwicklung eines eigenen magnetfreien „iBEE“-Elektromotors, der bis zu 350 kW Leistung liefern und ebenfalls 2028 auf den Markt kommen soll. Über diese Neuheit sowie das Auf und Ab in der E-Mobilität haben wir kürzlich auch mit Valeos Deutschlandchef Holger Schwab gesprochen. Hier geht’s zum Interview.

reuters.com

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