VW erforscht Design für autonome Autos ohne Lenkrad und Pedal
Die Entwicklung und Produktion selbstfahrender Autos lief bislang in den meisten Fällen so ab, das ein reguläres Serienfahrzeug genommen wurde und dann mit Hard- und Software fürs autonome Fahren ergänzt wurde. So rüstet z.B. der Robotaxi-Anbieter Waymo reguläre Jaguar I-Pace entsprechend um, diese behalten aber noch Lenkrad und Pedale für Testfahrten und Sicherheitsfahrer. Und auch der ID. Buzz AD von Volkswagen, der schon bald beim ALIKE-Projekt in Hamburg sowie beim Ride-Hailing-Anbieter Uber in den USA zum Einsatz kommen soll, basiert auf dem regulären Elektro-Van ID. Buzz gepaart mit Technologie von Mobileye – und hat noch ganz klassisch Lenkrad und Pedale.
Zugleich ist sich der VW-Konzern aber bewusst, dass solche Fahrzeuge dass Potenzial für Fahrgäste und Gepäck noch gar nicht richtig ausschöpfen. Denn wenn es Lenkrad und Pedale nicht mehr braucht und im Grunde auch der Fahrersitz überflüssig ist, dann sind ganz andere gestalterische Optionen möglich. Das zeigen Konzepte wie das Cybercab von Tesla oder Verne von Rimac.
Und genau an diesen Verne erinnert das vollelektrische Versuchsfahrzeug namens Gen.Urban, das nun auf den Straßen von Wolfsburg unterwegs ist, auch. Denn genau wie Verne, das schon bald in verschiedenen Städten Europas als Robotaxi verkehren soll, ist auch der Gen.Urban relativ klein und verfügt ebenfalls nur über zwei Sitzplätze.Und auch die Türen, die wie bei einem Kleinbus nach vorne geschoben werden, gleichen denen des Verne von Rimac. Letztlich dürfte sich Volkswagen ausgiebig an dem Robotaxi des kroatischen Autoherstellers bedient haben, schließlich ist VW-Tochter Porsche mit rund 21 Prozent einer der größten Shareholder der Rimac Group und zugleich Partner des Joint Ventures Bugatti Rimac für Supersportwagen.

Soviel zum Hintergrund. Der VW-Konzern hat in jedem Fall nun die nächste Testphase mit dem selbstfahrenden Forschungsfahrzeug Gen.Urban auf öffentlichen Straßen eingeläutet. Im realen Stadtverkehr will Volkswagen dabei vor allem verstehen, wie Menschen die Mitfahrt in einem selbstfahrenden Fahrzeug ohne Lenkrad und Pedale erleben. Dabei geht es um Fragen wie etwa: Wie verbringen Menschen ihre Zeit in einem selbstfahrenden Fahrzeug? Welche digitalen Inhalte unterstützen Arbeit, Unterhaltung oder Entspannung? Wie sollte die Interaktion zwischen Fahrzeug und Passagieren gestaltet sein, insbesondere für ältere Menschen oder Kinder? Und ganz einfach: Fühlen sich die Menschen wohl?
Ein Team aus Designern, Softwareentwicklern, Werkstoffspezialisten und anderen Experten des Autokonzerns sammelt dabei umfassende Daten zum Nutzerverhalten und Erfahrungswerte zur Interaktion mit dem Gen.Urban. Diese Erkenntnisse sollen später in die Entwicklung künftiger Innenraum- und User-Experience-Konzepte (UX) der Konzernmarken einfließen.
Technologie soll zum Menschen passen
Nikolai Ardey, Leiter Volkswagen Group Innovation, sagt: „Die Technologie für das autonome Fahren macht rasante Fortschritte. Wir wollen mit unserem Forschungsfahrzeug Gen.Urban genau verstehen, wie Menschen autonomes Fahren erleben. Denn: Entscheidend für ein positives Kundenerlebnis ist es, Vertrauen zu schaffen – durch sinnvolle Interaktion, eine entspannte Atmosphäre und intelligente Assistenzsysteme, die passgenau auf die Bedürfnisse der Passagiere reagieren. Schließlich sollte Technologie zum Menschen passen, nicht umgekehrt. Von diesen Erkenntnissen profitieren wir im gesamten Konzern langfristig.“
Eine Testfahrt in dem Gen.Urban dauert 20 Minuten und beginnt auf dem Besucherparkplatz am Markenhochhaus des Volkswagen-Werks. Von dort führt die knapp zehn Kilometer lange Rundstrecke durch das Wolfsburger Stadtgebiet. Ampelkreuzungen, Kreisverkehre, aktuelle Baustellen, Wohnviertel, Industrieabschnitte und möglicherweise stockender Verkehr: Die Route ist so gewählt, dass sie typischen Herausforderungen des Stadtverkehrs entspricht.
Präferenzen vor Fahrtbeginn per App einstellen
In der aktuellen Testphase können nur Mitarbeiter von VW teilnehmen. Bereits vor Fahrtbeginn können Fahrgäste ihre persönlichen Präferenzen einstellen – per App oder direkt im Fahrzeug, von der Raumtemperatur bis zur Ambientebeleuchtung. Nach dem Einstieg begrüßt der Gen.Urban die Person, der Sitz fährt automatisch in die gewünschte Position. Das breite Front-Display mit seinen Informationen, Licht und Klang werden dann zu einem individuellen Thema angepasst.
Auch wenn das Fahrzeug grundsätzlich auf Autonomie-Level 4 fahren soll und deshalb kein Lenkrad und Pedale braucht, so ist doch ein speziell geschulter Sicherheitsfahrer auf dem Beifahrersitz an Bord, der das Fahrzeug überwacht. Über ein speziell entwickeltes Bedienpanel mit Joystick kann er in kritischen Situationen eingreifen.





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