VW ID. Polo kommt in vier Leistungsstufen
Nach der Premiere des noch im Harlekin-Design getarnten ID. Polo kurz vor der IAA im September hatten jetzt erste Journalisten die Möglichkeit, bei einem „Covered Drive“ den kommenden E-Kleinwagen der Wolfsburger zu fahren. In diesem Zuge hat VW nun auch konkrete, technische Daten zum Antrieb veröffentlicht – was zur IAA-Premiere noch gefehlt hatte. Zwar ist über VW und die Schwestermodelle bei Cupra und Skoda schon durchgesickert, dass die Top-Versionen 166 kW leisten sollen, gerade aber zu der Basisvariante, also dem lange erarteten 25.000-Euro-Modell, hat VW bisher geschwiegen.
Jetzt steht fest, dass der ID. Polo in insgesamt vier Antriebsvarianten kommen wird. Die kleinere Batterie wird mit 85 oder 99 kW Antriebsleistung auf den Markt kommen, die größere Batterie wird mit 155 und 166 kW angeboten – die Leistungsstufe mit 166 kW wird im Falle von VW aber als ID. Polo GTI vermarktet. Bei dem Motor handelt es sich in allen Fällen um die eigens für die Frontantriebs-Modelle entwickelte APP290, die gemäß der VW-Namensgebung 290 Nm Drehmoment bietet. Ebenfalls komplett neu ist der Inverter, bei VW „Pulswechselrichter“ genannt. Dieses Bauteil wurde ebenfalls intern entwickelt und wird auch intern gebaut, was zu den Kostenvorteilen und dem Einstiegspreis von rund 25.000 Euro beitragen soll.
Neben den Antrieben stehen nun auch die Daten zu den beiden Batterie-Versionen fest. Seit der Vorstellung des Showcars ID.2all im Jahr 2023 war klar, dass es zwei unterschiedliche Batterien geben wird – eine LFP-Batterie für einen günstigen Einstiegspreis und eine NMC-Variante für bis zu 450 Kilometer Reichweite. Die beiden Antriebsversionen mit 85 und 99 kW werden serienmäßig mit dem LFP-Akku angeboten, der 37 kWh nutzbaren Netto-Energiegehalt bietet – den Bruttowert kommuniziert VW nicht. Das soll gemäß der vorläufigen Angaben WLTP-Reichweiten von bis zu 300 Kilometern ermöglichen. Die genauen Werte dürfte es erst zum Vorverkaufsstart geben, der für April 2026 geplant ist.
Die maximale Ladeleistung des LFP-Akkus beträgt laut VW 90 kW, der Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent soll rund 27 Minuten dauern. Bei 37 kWh Netto-Energiegehalt müssen also 25,9 kWh in 27 Minuten in den Akku fließen – was einer durchschnittlichen Ladeleistung von 58 kW entspricht. Das AC-Laden ist mit 11 kW möglich und wird also unter vier Stunden dauern.
Der NMC-Akku für 450 Kilometer (vorläufiger) Reichweite kommt auf einen Netto-Energiegehalt von 52 kWh. Bei der Studie ID.2all wurde noch kein Energiegehalt genannt, nur die angepeilte Reichweite. Wir hatten damals auf 55 bis 60 kWh geschätzt, tatsächlich ist der Akku etwas kleiner. Während die vorläufige Reichweite zwar bis zum Serienmodell gleich gelblieben ist, hat VW die Ankündigung bei der Ladezeit nicht ganz erreicht: 2023 war von 20 Minuten die Rede, tatsächlich sind es 23 Minuten und 130 kW Peak-Ladeleistung.
| ID. Polo kleiner Akku | ID. Polo großer Akku | |
|---|---|---|
| Antrieb | FWD | FWD |
| Leistung | 85/99 kW | 155/166 kW |
| Drehmoment | 290 Nm | 290 Nm |
| Beschleunigung | – | – |
| Höchstgeschwindigkeit | – | – |
| WLTP–Reichweite | ca. 300 km | ca. 450 km |
| Batteriekapazität | 37 kWh | 52 kWh |
| Ladeleistung DC | 90 kW | 130 kW |
| Ladezeit DC 10-80% | 27 min | 23 |
| Preis | – | – |
Um den größeren Akku im ID. Polo von zehn auf 80 Prozent zu laden, sind 36,4 kWh nötig. Wenn diese Energiemenge in 23 Minuten übertragen werden soll, sind dazu im Schnitt 95 kW nötig. Bei 130 kW im Peak dürfte diese Leistung aber nur kurzzeitig gehalten werden, wenn sich am Ende ein Schnitt von 95 kW ergibt – oder die Leistung bricht nach einem längeren Plateau stark ein. Die genaue Ladekurve hat VW noch nicht veröffentlicht.
Bei beiden Akku-Varianten wird übrigens die Einheitszelle von PowerCo verwendet. Dabei handelt es sich um eine prismatische Zelle in der immer gleichen Größe, die aber mit unterschiedlichen Zellchemien gefüllt werden kann – angepasst auf das jeweilige Fahrzeug. Die Einheitszellen werden nach dem Cell-to-Pack-Prinzip im Unterboden verbaut, die bisherige Modul-Ebene von den anderen MEB-Fahrzeugen entfällt also. „Das reduziert den Preis, den Bauraum und das Gewicht, sorgt für ein effizienteres Thermomanagement und erhöht die Energiedichte um rund zehn Prozent“, erklären die Wolfsburger.
Da die Frontantriebs-Plattform im MEB neu ist, musste auch das Fahrwerk von Grund auf neu entwickelt werden – somit konnte es exakt auf den ID. Polo abgestimmt werden. Aber auch hier standen die Kosten-, Raum- und Gewichtseffizienz über allem. Vorne hat der ID. Polo eine MacPherson-Vorderachse und hinten eine „besonders kompakt bauende“ Verbundlenker-Hinterachse. „Das Zusammenspiel dieser beiden neuen Achsen ist geprägt durch ein Höchstmaß an präziser Linearität – ein Fahrverhalten, das dem Fahrer ein maximales Feedback vermittelt und so für spürbar mehr Sicherheit sorgt“, heißt es in der Mitteilung. Ob es der große Sub-Trunk der Studie unter dem eigentlichen Kofferraum auch in das Serienmodell geschafft hat, bestätigt VW noch nicht. Auf Schnittzeichnungen ist aber ein großer, leerer Raum zwischen den Hinterrädern zu sehen – an genau jener Stelle, wo sich vermutlich das große Staufach befindet. Bilder gibt es noch nicht – irgendwas muss sich VW ja noch für die eigentliche Weltpremiere aufheben.
Während sich der ID. Polo GTI mit sportlicher gezeichneten Stoßfängern etwas vom Standard-Modell abheben wird, sind die Abmessungen des ID. Polo seit der IAA bekannt: Das Modell ist 4,05 Meter lang bei einem Radstand von 2,60 Metern, 1,82 Meter breit und 1,53 Meter hoch. Neu ist, dass VW auch die Leergewichte nennt: Mit der 37-kWh-Batterie sind es 1.512 Kilogramm, mit dem 52-kWh-Akku 1.515 Kilo. Dass die LFP-Akkus mit ihrer geringeren Energiedichte oft gleich viel wiegen als die NMC-Akkus mit höherem Energiegehalt, hat sich zum Beispiel schon beim Mercedes CLA gezeigt: Auch dort sind die Exemplare mit dem 58-kWh-LFP-Akku und der 85 kWh großen NMC-Batterie nahezu gleich schwer.
Die Basis für den ID. Polo und seine Schwestermodelle ist die neu entwickelte Frontantriebs-Variante des MEB+. „Durch den neu konstruierten und effizienten E-Antrieb wurde die Komplexität und damit die Anzahl der Bauteile und das Gewicht reduziert – Parameter, über die Volkswagen die Kosten und den Verbrauch senken konnte. Darüber hinaus bietet der elektrische Frontantrieb an Bord des ID. Polo klare Raumvorteile“, so VW. Dank des Frontantriebskonzepts soll der ID. Polo Platz für fünf Personen samt 435 Litern Gepäck bieten.
Bis zu 1,2 Tonnen Anhängelast
Der ID. Polo ist recht genau so groß wie der aktuelle Verbrenner-Polo, soll im Innenraum aber 19 Millimeter mehr Platz bieten. Und auch der Kofferraum ist größer: Der Verbrenner fasst maximal 351 Liter. „Durch dieses Plus an Raum wird der viertürige und fünfsitzige ID. Polo mehr als jeder seiner Vorgänger zu einem Allrounder, der nicht nur auf das Leben in der Stadt spezialisiert ist, sondern auch weit über die urbanen Grenzen hinaus den Alltag mit Freunden und Familie meistert“, so VW. In einer Grafik ist zu sehen, dass der ID. Polo auch mit einer Anhängerkupplung angeboten wird – mit 75 kg Stützlast und immerhin 1.200 kg Anhängelast.
Laut den Wolfsburgern wurde „jedes Detail des Innenraums komplett neu designt und konstruiert“. Hervorgehoben wird etwa „das ergonomische Zusammenspiel aus digitalen und physischen Bedienelementen sowie die horizontale Architektur der Armaturentafel“. Das Digital Cockpit besteht aus einem 10,25 Zoll großen Bildschirm, in der Mitte ist ein 13 Zoll großer Touchscreen für das Infotainment platziert.
Ob direkt zum Start des Vorverkaufs im April 2026 alle vier Antriebe verfügbar sein werden, hat VW vorab noch nicht bestätigt. Wahrscheinlich ist, dass es zunächst eine Antriebsvariante geben wird und später die Komplexität in der Produktion gesteigert wird. Somit könnte der 25.000-Euro-ID.-Polo noch etwas auf sich warten lassen, falls VW zunächst mit dem großen Akku beginnt.
Quelle: Info per E-Mail
40 Kommentare