Feine Risse: BVG zieht 70 E-Busse von Ebusco aus dem Verkehr

Die BVG hat wegen feiner Risse in der Karosserie vorübergehend 70 E-Busse von Ebusco stillgelegt. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Einheiten des Modells Ebusco 2.2. Da für die Busse eine Garantie besteht, soll der niederländische Hersteller die Reparatur nun zügig übernehmen (Update am Artikelende).

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Bild: BVG / Andreas Süß

Wie die Tageszeitung „nd“ berichtet, sind im Zuge von Routinekontrollen bei rund 70 von 270 Elektrobussen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Schäden festgestellt worden. Das bestätigte ein BVG-Sprecher auch gegenüber mehreren Medien. Konkret handelt es sich bei den Auffälligkeiten um kleine Risse am Fahrzeugrahmen, die jedoch kein Sicherheitsrisiko darstellen sollen. Trotzdem wurden die betroffenen Busse – allesamt von Hersteller Ebusco – nun erstmal aus dem Verkehr gezogen – „wie bei Garantiefällen üblich“, heißt es.

Abgestellt wurden die Ebusco-Fahrzeuge auf einer Fläche des Busdepots Indira-Gandhi-Straße in Hohenschönhausen. Laut der BVG sollen die Reparaturen an ihnen voraussichtlich kurz nach dem Jahreswechsel beginnen und noch im ersten Quartal abgeschlossen werden. Den Betrieb soll die temporäre Stilllegung der 70 E-Busse indes nicht im größeren Stil einschränken.

Für Hersteller Ebusco reißen mit der BVG-Reklamation die schlechten Nachrichten nicht ab. Das Unternehmen ist schon länger angeschlagen und kämpft mit einer finanziell kritischen Lage. Damit verbunden haben die Niederländer durch Verzögerungen bei der Produktion in der letzten Zeit eine Reihe von E-Bus-Aufträgen verloren, beispielsweise von den Verkehrsbetrieben St. GallenConnect Bus oder Svealandstrafiken.

„Nd“ schreibt, dass Ebusco die eigene Fertigung inzwischen komplett aufgegeben habe und alle Arbeiten an den neuen Fahrzeugen im Auftrag erledigt würden. Dass das Unternehmen die Produktion auch an Dritte vergibt, hatte Ebusco vor einem Jahr offiziell kundgetan. Damals wurde die Einführung eines „Auftragsfertigungsmodells“ angekündigt.

Update 23.01.2026: Von den 90 Elektrobussen von Ebusco, die die Berliner Verkehrsbetriebe 2022 gekauft hatten, sind mittlerweile wegen der oben beschriebenen Schäden fast alle nicht mehr im Einsatz, meldet der Tagesspiegel. Um den Ausfall der Ebusco-Stromer zu kompensieren, hat die BVG nun Fahrzeuge gemietet: Seit dieser Woche sind bis zu 20 temporär gemietete Busse auf dem Ersatzverkehr für die U6 im Norden im Einsatz.

nd-aktuell.de, rbb24.de, tagesspiegel.de (Update)

6 Kommentare

zu „Feine Risse: BVG zieht 70 E-Busse von Ebusco aus dem Verkehr“
Stoffel
08.01.2026 um 03:18
Wer billig kauft kauft zweimal, VfL war auch schon so ein billiger fehlkauf der BVG
Alexander
08.01.2026 um 04:18
Auch in Frankfurt am Main waren Ebusco Busse unterwegs und wegen Fahrzeugmängel sind einige momentan durch Dieselbusse zeitweise ersetzt worden. Habe aber keine Informationen darüber, wie lange
Henny Behrens
08.01.2026 um 16:30
chinesische kwalilitatsprodukte will man nicht aus nur dumme politische Gründe. Ich bin selber aus Niederlande, aber wenn es um Preis und Qualität geht? Ich habe schon mehrere Sachen von Temu gekauft und keine Probleme!! Wir sollen da aber nichts kaufen! Warum? Nur dummes Politisches Denken. Fast alles auf den Markt kommt schon aus China. Unsere Häuser stehen full damit ohne dass die meisten dass wissen
Egon Kohler
26.01.2026 um 18:08
Ich wüsste zu gerne, was das genau für Schäden sind. Sind es vllt die schon früher bemängelten "falschen und schlechten Schweissnähte", oder haben diese die Risse indirekt verursacht? An normalen Stahlrahmen von normalen Bussen und LkW treten normalerweise nämlich keine "feinen Risse" auf...
Dirk
29.01.2026 um 14:59
Feine Risse sind Risse. Am Fahrwerk treten die meist durch die Dauerschwingbelastung auf, d.h. zu starke Schwingungen bzw. schlechte Entkopplung oder schlechte Dimensionierung oder falsche Konstruktion durch mangelnde Erfahrung.Schade, dass dadurch E-Busse und -fahrzeuge negativ in die Schlagzeilen kommen. Durch die fehlenden Motorschwingungen sollten die eigentlich länger halten.
Christian Vana
29.01.2026 um 15:34
Schade um den einzigen im Packaging konsequent ausgelegten Elektro-Niederflurbus. Aber zuviel Innovation auf einmal zieht natürlich Risiken mit sich, genauso wie zu hohe Integration ein Fahrzeugkonzept zu inflexibel machen kann, was bei einem Bus eben einfach nicht akzeptiert wird. Jedenfalls wünsche ich Ebusco alles Gute, den Turnaround zu schaffen oder zumindest einen großzügigen Investor zu finden bzw. zu haben, der dem Konzept die gebührende Weiterentwicklung ermöglicht. Häme ist jedenfalls nicht angebracht, alle reden von Innovation, Industrie 4.0 etc., hier hat sich einer es getraut und wir sehen leider auch die Schwierigkeiten.

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