Volvo Cars versetzt Batteriezellen-Tochter Novo Energy in den Winterschlaf

Weil Volvo Cars keinen neuen Technologiepartner findet, stellt der schwedische Autohersteller den Geschäftsbetrieb von Novo Energy vorerst ein. Die Firma war einst als Joint Venture mit Northvolt entstanden – und nach der Insolvenz des Batteriezellherstellers komplett von Volvo übernommen worden.

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Bild: Northvolt

Eigentlich sollte Novo Energy ab diesem Jahr im schwedischen Göteborg ab diesem Jahr selbst Batteriezellen in einem neuen Werk herstellen, dessen Bau  im September 2023 begonnen worden war. Novo Energy hatte eine Produktion von bis zu 50 GWh pro Jahr angekündigt, um nicht nur Batteriezellen für die europäischen Volvo-Werke in Göteborg sowie im belgischen Gent zu produzieren, sondern potenziell auch für weitere Marken des chinesischen Geely-Konzerns, zu dem Volvo Cars gehört. 

Doch schon länger hat sich abgezeichnet, dass daraus vorerst nichts wird. Denn durch die Insolvenz von Northvolt und die deswegen erfolgte vollständige Übernahme von Novo Energy durch Volvo fehlt dem schwedischen Autohersteller der passende Technologiepartner, um die Zellfabrik von Novo Energy zu betreiben. Das zeichnete sich bereits im Mai 2025 ab, als Volvo mit der Begründung des fehlenden Partners 150 Mitarbeiter von Novo Energy entlassen musste.

Und auch bis heute war die Suche nach einem neuen externen Technologiepartner nicht erfolgreich, obwohl man „im Laufe des letzten Jahres intensiv nach einem neuen Partner gesucht hat“. Auch wenn die Partnersuche unter der Leitung von Volvo weiter fortgesetzt wird, so sieht sich das Unternehmen vorerst nicht in der Lage, seine Geschäftstätigkeit wie ursprünglich geplant fortzusetzen.

Unklar, ob es jemals weitergeht

Daher entlässt Novo Energy nun die letzten 75 verbliebenen Mitarbeiter und versetzt das Unternehmen in eine Art Winterschlaf, bis irgendwann vielleicht doch noch ein Partner gefunden wird. „Diese Entscheidung wurde nicht leichtfertig getroffen, ist jedoch angesichts der aktuellen Situation notwendig“, heißt es vom Unternehmen. Es sei es derzeit nicht möglich, weitere Details darüber zu nennen, wann die Batterieproduktion beginnen könnte oder in welcher Organisationsstruktur dies geschehen könnte, so Novo Energy weiter.

Um die Dimension einzuordnen: Eigentlich sollte die Batteriefabrik 3.000 Arbeitsplätze schaffen, doch nun droht sie zur Investmentruine zu verkommen. Aktuell ist auch unklar, wie weit der Bau überhaupt fortgeschritten ist. Und eine Gewerkschaftsvertreterin klingt wenig hoffnungsvoll, dass es doch noch weitergehen könnte: „Wir hatten gehofft und darauf vertraut, dass die Angelegenheit geklärt wird, daher ist es wirklich traurig. Auch für Göteborg und Westschweden ist es ein Verlust, dass dieser Teil der Geschichte nun abgeschlossen ist“, sagt Katarina Atterström, Abteilungsleiterin der Schwedischen Ingenieursgewerkschaft, gegenüber dem schwedischen Fernsehsender SVT.

Europäische Batterieproduktion hat es schwer

Der Vorgang zeigt das große Dilemma beim Hochlauf der Elektromobilität in Europa: Bis heute gibt es keine nennenswerte europäische Wertschöpfungskette für die Batterieproduktion auf dem Kontinent, wobei das schwedische Unternehmen Northvolt bis zu seiner Insolvenz als einer größten Hoffnungsträger galt. Aktuell ist die Branche vor allem von chinesischen und koreanischen Anbietern abhängig, wobei der chinesische Weltmarktführer CATL auch in Thüringen produziert.

Einzig das Joint Venture ACC von Mercedes-Benz, Stellantis und Total Energies produziert schon seit 2023 Batteriezellen in Frankreich, hat aber bereits 2024 den Bau von Zellfabriken in Kaiserslautern und im italienischen Termoli auf Eis gelegt. Die VW-Tochter PowerCo wiederum hat vor wenigen Wochen in Salzgitter ihre Zellproduktion gestartet, die dieses Jahr hochfahren soll. Dafür hat VW aber größtenteils das Know-how des chinesischen Zellherstellers Gotion eingekauft und sich an ihm beteiligt. Dagegen sagte Stefan Hartung, Chef des Zulieferers Bosch, vor kurzem in einem Interview mit der „Zeit“ zur Frage, warum Bosch nicht in die Zellproduktion eingestiegen sei: „Das Risiko war einfach zu groß: Um relevant mitzuspielen, hätten wir zweistellige Milliardenbeträge investieren müssen.“

novoenergy.com, svt.se (Schwedisch)

2 Kommentare

zu „Volvo Cars versetzt Batteriezellen-Tochter Novo Energy in den Winterschlaf“
Konrad
13.01.2026 um 16:18
"im belgischen GenF", jaja...
Sebastian Schaal
13.01.2026 um 16:33
Hallo Konrad,vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Tipper korrigert.Viele Grüße Sebastian Schaal

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