Bundesverwaltungsgericht: Klimaschutzprogramm von 2023 reicht nicht aus

Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts muss die schwarz-rote Bundesregierung das Klimaschutzprogramm nachbessern. Dieses wurde 2023 noch von der Ampel-Koalition beschlossen, die Maßnahmen reichen laut dem Urteil aber nicht aus. Jetzt will die Regierung nachlegen – bis Ende März.

Audi e tron quattro autobahn motorway highway min e
Bild: Audi

Das 2023 beschlossene Programm genüge nicht den gesetzlichen Anforderungen, um die Senkung der CO2-Emissionen um mindestens 65 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 bis 2030 zu erreichen, heißt es in dem Urteil des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts. Insbesondere bei den Treibhausgasemissionen verbleibe eine Lücke von mindestens 200 Millionen Tonnen CO2. Die Bundesregierung müsse darauf achten, dass alle Maßnahmen des Klimaschutzprogramms prognostisch geeignet seien, die Klimaschutzziele zu erreichen und dabei die jährlichen Emissionsmengen einzuhalten.

Mit dieser Einschätzung haben die Richter am Bundesverwaltungsgericht ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Berlin-Brandenburg aus dem Mai 2024 bestätigt. Bereits in diesem Urteil wurden die Maßnahmen aus dem Klimaschutzprogramm als „nicht ausreichend“ eingestuft, um die im Klimaschutzgesetz festgehaltenen Vorgaben zu erfüllen. Die Revision der Beklagten (also der Bundesregierung) wurde jetzt vom Bundesverwaltungsgericht zurückgewiesen. Geklagt hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die die Leipziger Entscheidung als „wegweisendes Urteil“ bezeichnet.

In der Mitteilung werden die Leipziger Richter deutlich: „Auch wenn die Bundesregierung bei der Auswahl derjenigen Maßnahmen, die sie in das Klimaschutzprogramm durch Beschluss aufnimmt, einen weiten Gestaltungsspielraum hat, ist die Einhaltung der für die Beschlussfassung maßgebenden gesetzlichen Vorgaben einer gerichtlichen Überprüfung zugänglich. Das Klimaschutzprogramm muss als zentrales Steuerungsinstrument der Klimapolitik sämtliche Maßnahmen enthalten, die zur Erreichung des verbindlichen nationalen Klimaschutzziels für 2030 erforderlich sind. Gemessen daran genügt das Klimaschutzprogramm nicht den gesetzlichen Anforderungen. Die darin aufgenommenen Maßnahmen reichen auf der Grundlage der bindenden Feststellungen des Oberverwaltungsgerichts nicht aus, das Klimaschutzziel 2030 einer Senkung der Treibhausgasemissionen um 65 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu erreichen. Angesichts dessen muss die Beklagte das Programm unter Berücksichtigung der seitherigen Entwicklung der Treibhausgasemissionen ergänzen.“

Das Klimaschutzprogramm hatte 2023 für Aufsehen gesorgt, weil die damalige Koalition aus SPD, Grünen und FDP die festen Sektorziele bei der CO2-Reduktion abgeschafft hatte. Seitdem wird die Einhaltung der Klimaschutzziele in einer sektorübergreifenden Gesamtrechnung überprüft – schlechte Ergebnisse aus einzelnen Bereichen können so mit einer Übererfüllung aus anderen Sektoren verrechnet werden. Besonders das damals FDP-geführte Verkehrsministerium hatte die Ziele deutlich verfehlt, ein vom Ministerium vorgestelltes Maßnahmenpaket wurde von Expertengremien als ungenügend eingestuft.

Die schwarz-rote Bundesregierung hat bereits auf das Urteil bzw. die abgewiesene Revision reagiert und ein neues Klimaschutzprogramm bis Ende März angekündigt. Laut Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth wird dabei nicht das jetzt gerichtlich durchgefallene Programm aus 2023 nachgeschärft, sondern ein komplett neues Programm vorgelegt. Dieses soll „alles, was an Defiziten bestanden hat im alten Klimaschutzprogramm heilen“, so der SPD-Politiker.

Aber: Noch wird es einige Wochen dauern, bis das Programm vorgestellt werden kann – denn es haben noch nicht alle Ministerien ihre Maßnahmen erarbeitet, wie es heißt. „Wir sind noch nicht mit allen Maßnahmen so weit, dass wir die gesetzlichen Ziele erreichen und damit sind wir auch noch nicht auf dem Kurs, den uns das Bundesverwaltungsgericht jetzt vorgegeben hat“, wird Flasbarth etwa von der Tagesschau zitiert. Spätestens mit dem Urteil müsse allen Beteiligten klar sein, „beim Klimaschutz kann man keine Abstriche machen“.

DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch spricht von einem „Paukenschlag für den Klimaschutz“ und einer „klaren Niederlage für die Bundesregierung“. „Das Bundesverwaltungsgericht hat unmissverständlich klargemacht, dass mit den Maßnahmen eines Klimaschutzprogramms die Klimaziele erreicht werden müssen. Dafür muss die Bundesregierung jetzt sofort zusätzliche Maßnahmen nachholen“. so Resch.

Die DUH schlägt auch direkt mehrere Maßnahmen vor, die vor allem auf den Verkehrssektor abzielen. „Möglich wären ein Tempolimit, der Abbau von Diesel- und Dienstwagenprivilegien sowie massive Investitionen in Bahn und öffentlichen Nahverkehr“, führt Resch weiter aus. „Allein durch ein Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen und Tempo 30 in der Stadt könnte die Klimaschutzlücke im Jahr 2030 fast zur Hälfte geschlossen werden.“

Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH, fordert aber auch einen „echten Kurswechsel“ im Gebäudebereich. „Die Bundesregierung muss umgehend die Hängepartie beim Gebäudemodernisierungsgesetz beenden und durch ein ambitioniertes Gesetz sicherstellen, dass Deutschland so schnell wie möglich auf fossilfreie Heizungen umsteigt“, sagt Metz. „Zusätzlich brauchen wir verbindliche Sanierungsquoten für die schlechtesten Gebäude und eine Sanierungsoffensive für öffentliche Gebäude wie Schulen und Kindergärten.“

tagesschau.de, bverwg.de, duh.de

15 Kommentare

zu „Bundesverwaltungsgericht: Klimaschutzprogramm von 2023 reicht nicht aus“
banquo
30.01.2026 um 09:30
Danke an die Deutsche Umwelthilfe. Die DUH ist auf Spenden angewiesen. Bitte um Unterstützung
Stephan K.
03.02.2026 um 13:38
Die DUH ist nicht Teil der Lösung, sie ist Teil des Problems. Mit ihrer aggressiven Positionierung gegen die deutliche Mehrheitsmeinung treibt sie die Polarisierung voran. Denn wie man an den Kommentaren hier sieht, wird das Thema sehr emotional diskutiert. Um voranzukommen, muss man verständlich und glaubhaft argumentieren, einen Schritt nach dem anderen gehen. Ein ADAC-Präsident wurde gerade entlassen, weil er sinnvolle Argumente vorträgt, die dann vom deutschen Krawallmedium bewusst verkürzt und in den (a)sozialen Medien vervielfältigt werden. Das zeigt, dass wir hier ein Riesen-Problem haben. Mit Polarisierung wird das nicht gelöst. Meine Einschätzung: Solange wir in Europa Demokratien haben, bekommen wir das nicht gebacken. Umweltschutz kostet Geld, und die mehrheitliche Bevölkerung in allen Ländern will nichts dafür zahlen. Es wird keine zehn Jahre dauern, bis das Pariser Abkommen signifikant entschärft oder aufgekündigt werden wird. Traurig, aber wahr.
Klagevereine müssen weg
03.02.2026 um 08:04
Danke für gar nichts an diesen Klageverein. Klimaschutz ist wichtig, aber diese ewig gestrige Forderung nach imer wahnwitzigeren Tempolimits (30/80/100) ist keine Lösung, sonder nur Drangsalierung von Menschen, die mit ihrer Zeit etwas besseres anfangen können als auf der Straße herumzuschleichen. Dazu immer wildere Studien heranzuziehen, nach denen der CO2 Ausstoß im Verkehr durch ein Tempolimit quasi Exponentiell abnimmt - zuerst 2 Millionen Tonnen, die nächste 4, dann 8 - ist einfach nur krank, weil nicht physikalisch erklärbar. Was ist, wenn alle elektrisch fahren, kann das Tempolimit dann wieder weg? Nein, dann wird ein anderer Grund gefunden die Autofahrer weiter zu drangsalieren - weil es mal wieder nicht reicht. Ich bn mal gespannt, ob die Bahnfahrer noch für Klimaschutz sind, wenn der ICE nur 100 und die S-Bahn nur 30 in der Stadt fahren darf.
ioniqKnechter
30.01.2026 um 09:37
Ehy Moin erst ma... Mit unserem Stadtbild Kanzler der zweiten Wahl, der Windkraft als schrecklich empfindet .. Das Klimaschutzprogramm 2023 bleibt hinter den Zielen zurück, weil konkrete Maßnahmen vor allem im Verkehr und in den Gebäuden fehlen. Die jetzige Regierung agiert nur sehr zögerlich und verzichtet auf wirksame Schritte wie eine Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen. Auch der Abbau klimaschädlicher Subventionen für fossile Energie bleibt aus, obwohl er von Experten und Gerichten gefordert wird. Stattdessen setzt die Regierung auf schwache CO₂‑Preise und vage Ankündigungen statt auf klare, verbindliche Vorgaben. Wie hätten Robert haben können! Jetzt haben wir nur "gestern Kleber"
Tempolimit ist King
30.01.2026 um 18:01
Stell Dir vor, was die Menschen im Jahr 2126 über die Gesellschaft von 2026 denken werden. Eine der einfachsten Klimaschutzmaßnahmen überhaupt, wurde für viele Jahezehnte blockiert: ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen. Verhindert von Parteien, Patriarchen, Narzissten und Egoisten. Damit die Erderwärmung freie Fahrt in die kommenden Jahrhunderte hat. Ich frage mich jeden einzelnen Tag, was es noch braucht. Was muss noch passieren, damit jene beschränkten Köpfe begreifen, dass Klimaschutz im Straßenverkehr dringend(!!) nötig ist! Was bisher getan wurde, ist lächerlich. Was aktuell getan wird, ist nicht annähernd ausreichend! Auch manche YouTuber (insb. Chris) tragen ihren Teil dazu bei. Sie pochen gern lautstark auf „ihr Recht“, mal eben nach der Arbeit schnell nach Hause zu Rasen. Ihr seid ein Teil des Problems, dass es beim Klimaschutz nicht vorangeht! Zum Teufel mit euch! Eure Enkelkinder und deren Nachkommen werden euch verfluchen. Für alle Ewigkeit!
Martin Seiler
30.01.2026 um 09:54
Die Regierung muss nun endlich an die "heiligen Kühe" im Verkehrssektor heran! Zum Beispiel sich von den Norwegern abschauen, wie Verbrennerfahren nachhaltig schlechter gestellt werden kann bzw. eben muss. Ein Tempolimit auf Autobahnen erscheint da noch als ebenso lässige wie überfällige Maßnahme.
Nicole H.
30.01.2026 um 13:16
Wüsste da ein Ankurbelungsprogramm für reine EVs... a) E-Kennzeichen nur für reine BEV, alle PHEV müssen das E im Kennzeichen wieder rausrücken b) Tempolimit für Verbrenner wie von der DUH gefordert also 100 auf Autobahn c) Tempolimit 140 auf Autobahnen für rein BEV tagsüber, abends frei
H. Ebel
02.02.2026 um 08:43
Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass sich die Verbrennerfahrer an diese Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Selbst bei heutigen streckenweise Begrenzungen fällt das einigen schwer. Wer aber regelmäßig über die Autobahn fährt, wird mir zustimmen, dass es auf den viel erfahrenen morgens und nach Schichtende kaum möglich ist, wegen der vielen LKWs mehr als 120 km/h zu fahren. Da sindnur auf kurzer Distanz mal schnellere Geschwindigkeiten möglich. Insofern wäre ein allgemeines Tempolimit von 120 km/h vernünftig.
Benjamin
30.01.2026 um 10:46
Für die Autobahnen hätte ich eine Vorschlag. Reine E-Autos und H2-Fahrzeuge (wir sind ja technologieoffen ;-) dürfen 130 km/h fahren. Verbrenner, wegen ihrem erhöhten CO2-Schadstoff-Ausstoß bei höheren Geschwindigkeiten, nur 100 km/h. Hybride zählen bei dem Tempo als Verbrenner. Könnte man, mit Übergangszeit von 3 Jahren, auch für LKW einführen. 80 für BEV + H2. 60 für ICE + Hybrid. Obwohl ich da wegen der langsamen Überholvorgänge nicht ganz sicher bin ob es gut durchführbar ist.
Emateuer
30.01.2026 um 12:13
Reine Pseudowissenschaft als Tatsachen verkauft. Einfach nur bitter!
Andreas Scholz
30.01.2026 um 12:53
Da bin ich ja sehr gespannt. Die CxU hat sich bisher ziemlich aktiv gegen Klimaschutz gewehrt. Und jetzt sollen alle Lücken geschlossen und alle Wunden geheilt werden? Mit einer Gas-Lobbyistin am Energieruder?Ich drücke alle Daumen, wirklich. Allein mir fehlt der Glaube.
Volker Jaschke
30.01.2026 um 15:03
Schlage vor eine AB Maut einzuführen und BEVs davon freizustellen. Technik ist da und wird von LKWs genutzt. Ist sozial gerecht, entspricht dem Verursacher Prinzip und beteiligt auch Durchreisende. Ist ja damals nur gescheitert, weil die CSU deutsche PKWs von der Mau ausnehmen wollte.
Sig
02.02.2026 um 10:45
der Dobrind und seine Amigos der csu....was uns da Geld durch die Finger geströmt ist, unglaublich. Und die sleben Geldvernichter fordern nun das der Bürger doch mehr arbeiten soll... Überstunden für Unfähige...
Webe
02.02.2026 um 07:28
Sehr gut, dass wir eine vom Bund (BMU) mitfinanzierte Klagestelle haben, um den Bund zu verklagen. Deutschland wird das Weltklima retten. Wir haben schon Großteile der energieintensiven Wirtschaft ins Ausland vertrieben - das muss doch zu vervollständigen sein. Wie allerdings von den dann arbeitslosen und vom Staat alimentierten Bürgern dann die Gebäude saniert werden sollen... ach nein, das machen ja die Vermieter und der Staat selbst. Geld muss nicht mehr in Deutschland verdient werden - dann brauchen wir auch keine Autobahnen mehr - da reichen dann auch 25km/h mit dem E-Bike.
gerd
02.02.2026 um 10:12
Ende Merz wär mir lieber....

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert