Tesla Semi ist offiziell 800 kW stark

Tesla hat einige zentrale Leistungswerte seines E-Lkw Semi offiziell gemacht – etwa eine Antriebsleistung von 800 kW. Spruchreif ist nun auch, dass die Serienversion des Klasse-8-Lkw in zwei Ausstattungsvarianten kommt – Standard Range und Long Range. Die Massenproduktion soll nach mehrfacher Verzögerung dieses Jahr beginnen.

Tesla semi e lkw electric truck min
Bild: Tesla

Tesla hat seine Unter-Website zum Elektro-Lkw Semi aktualisiert – wie üblich, ohne darauf offiziell aufmerksam zu machen. Aufgefallen ist dies dem US-Portal Electrek. Damit sind nun einige finale Spezifikationen zur Serienversion offiziell. Wie schon zuvor angenommen, wird der Semi in zwei Varianten mit unterschiedlich großer Batterie erhältlich sein. Die genaue Kapazität nennt Tesla allerdings nach wie vor nicht.

Zur Modellversion „Standard Range“ heißt es nun auf der Webseite:

  • 325 Meilen Reichweite bei einem Gesamtgewicht von 82.000 Pfund (umgerechnet 523 Kilometer bei 37,2 Tonnen)
  • Leergewicht unter 20.000 Pfund (umgerechnet 9,07 Tonnen)
  • Energieverbrauch von 1,7 kWh/Meile (umgerechnet 1,1 kWh/km)
  • Drei unabhängige Motoren an den Hinterachsen mit kumuliert 800 kW Antriebsleistung
  • Kompatibel mit MCS
  • Ladezeit: 60-prozentige Ladung in 30 Minuten
  • Elektrische Nebenabtriebswelle (ePTO) mit bis zu 25 kW

Die Modellversion „Long Range“ bietet laut Tesla:

  • 500 Meilen Reichweite (umgerechnet 805 Kilometer)
  • Leergewicht von 23.000 Pfund (10,43 Tonnen)
  • Energieverbrauch von 1,7 kWh/Meile (umgerechnet 1,1 kWh/km)
  • Drei unabhängige Motoren an den Hinterachsen mit kumuliert 800 kW Antriebsleistung
  • 1,2 MW Spitzenladegeschwindigkeit
  • Kompatibel mit MCS
  • Ladezeit: 60-prozentige Ladung in 30 Minuten
  • Elektrische Nebenabtriebswelle (ePTO) mit bis zu 25 kW

Diese Spezifikationen beziehen sich auf den überarbeiteten Semi, den Tesla auf der letztjährigen Hauptversammlung im November präsentiert hatte. Äußerlich machte sich das Update unter anderem an einem neuen Fahrgestell, aktualisierten Scheinwerfern und verbesserten Aerodynamik-Features bemerkbar. Die Produktion und auch die ersten Auslieferungen hat Tesla in seinem jüngsten Geschäftsbericht für 2026 bestätigt. Gebaut wird der Semi in einem neuen Werk in Nevada.

Im Grunde waren die oben genannten offiziellen Specs allesamt bereits im Umlauf. Und sie lassen teils auch auf die noch fehlenden Angaben schließen. So gilt als gesetzt, dass die Long-Range-Version ein Batteriepack mit etwa 900 kWh an Bord haben dürfte. Auch die Nutzlast ist grob ermittelbar. Dazu folgender Exkurs: In den USA fällt der Semi in die Lkw-Klasse 8 mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 80.000 lbs (rund 36,3 Tonnen). Elektro-Lkw dürfen diese Grenze in den USA nochmals um 2.000 lbs überschreiten, was umgerechnet 37,2 Tonnen bedeutet. Wir erinnern uns: Tesla gab 2022 an, bei einer Demonstrationsfahrt die genannte Maximalreichweite von 500 Meilen mit einem 82.000-lbs-Semi absolviert zu haben – also unter Vollbeladung.

Geht man nun von den genannten Leergewichten von 20.000 bzw. 23.000 Pfund aus, blieben abzüglich des jeweils verwendeten Aufliegers (im Schnitt kann man von rund 14.000 Pfund bzw. 6.350 Kilogramm ausgehen) vermutlich ganz grob gerechnet etwa 48.000 bzw. 45.000 Pfund für die Ladung, das entspricht circa 20 bzw. knapp 21 Tonnen. Hierbei handelt es sich um eine Schätzung. Zum Vergleich: Der auf bis zu 44 Tonnen Gesamtzuggewicht ausgelegte E-Fernstrecken-Lkw Mercedes eActros 600 kommt mit einem Standardauflieger in der EU auf eine Nutzlast von etwa 22 Tonnen. Der Renault E-Tech T 780 und wohl auch dessen künftiges Volvo-Schwestermodell mit je 600 Kilometer Reichweite kommen auf 22,4 Tonnen Netto-Nutzlast.

Apropos: In der EU gilt ein zulässiges Gesamtgewicht von 40 Tonnen, wobei  E-Lkw in vielen Ländern der EU ebenfalls mit einem höheren zulässigen Gesamtgewicht als Verbrenner unterwegs sein dürfen. Die Europäische Kommission hat einen Standardisierungs-Prozess angeschoben, das zulässige Gesamtgewicht europaweit auf 44 Tonnen gegenüber 40 Tonnen bei einem Dieselfahrzeug zu erhöhen. Auch für Tesla interessant. Denn da Tesla den Semi 2024 auf die IAA Transportation nach Hannover gebracht hat, gilt es als wahrscheinlich, dass die Amerikaner auch mit einem Marktstart ihres E-Lkw in Europa liebäugeln.

Klar ist: Der texanische Hersteller muss sich bei seinem E-Lkw noch beweisen, denn bisher ist die Geschichte des Semi vor allem eine Aneinanderreihung von Verzögerungen. Ursprünglich sollte das Modell schon 2019 in Serie gehen. Bisher ist jedoch nur eine kleine Anzahl von Vorserienfahrzeugen gebaut und ausgeliefert worden. Die meisten werden im eigenen Tesla-Fuhrpark vermutet, außerdem sind 36 Exemplare im kalifornischen Fuhrpark von PepsiCo bestätigt. Die US-Produktion der ersten Exemplare des Semi hatte Tesla im Oktober 2022 gestartet.

Weiterhin keine offiziellen Angaben gibt es unterdessen zum Preis. Kurz nach der Vorstellung des Prototyps im Jahr 2017 gab Tesla einen „erwarteten Basispreis“ von 150.000 Dollar für das Grundmodell des Semi an. Für die reichweitenstärkere Variante wurden seinerzeit 180.000 Dollar und für eine sogeannte „Founders Series“-Version 200.000 Dollar genannt. Seitdem hat Tesla sich nicht mehr zu seinen Preisvorstellungen geäußert.

Allerdings gibt es Hinweise aus einem frisch erschienenen Artikel der LA Times. Demnach sollen staatliche Dokumente zeigen, dass der Tesla Semi regulär für rund 260.000 US-Dollar (Standard Range) bzw. 300.000 US-Dollar (Long Range) in den Verkauf gehen soll. Die LA Times gibt an, diese Dokumente vorliegen zu haben.

electrek.co, tesla.com, latimes.com

9 Kommentare

zu „Tesla Semi ist offiziell 800 kW stark“
Andreas
10.02.2026 um 11:30
Google Gemini wusste auf die Frage "Wie viel kostet ein eActros 600?": ".... Der eActros 600 ist in der Anschaffung teurer als ein vergleichbarer Diesel-Lkw. Berichten zufolge liegt der Preis für einen E-Lkw dieser Klasse bei etwa 300.000 Euro oder mehr. Betriebskosten: Obwohl der Anschaffungspreis hoch ist, können die niedrigeren Betriebskosten (Strom statt Diesel, CO2-basierte Maut) die höheren Investitionskosten über eine Laufzeit von ca. 5 Jahren oder 600.000 Kilometern ausgleichen. Leasing/Monatliche Kosten: Erste Angebote für den eActros 600 (SZM) zeigen monatliche Leasingraten ab ca. 4.058,55 € zzgl. MwSt.. Gebrauchtpreise: Ein gebrauchter eActros 600 wurde beispielsweise für rund 320.705 EUR angeboten. ..."
Herbert Wertig
10.02.2026 um 11:42
Zumindest außerhalb der USA wartet niemand mehr auf das Ding. Ob Mercedes, Volvo, MAN, DAF, ... oder die Chinesen, alle liefern in Stückzahlen aus und die Speditionen und dei Umwelt profitieren.
TeeKay
10.02.2026 um 17:23
Es geht da weniger um die Stückzahlen, als um die Zuverlässigkeit, das Werkstattnetzwerk und die Ersatzteilverfügbarkeit. Bei allen drei Aspekten sieht es bei Tesla ganz schlecht aus. Als vierter Punkt kommt noch die Flottenfähigkeit des Unternehmens dazu. Es ist im Kern immer noch eine auf Einzelautobesitzer ausgerichtete Organisation. Ein Fuhrunternehmer, der mit der teslatypischen Zuverlässigkeit, dem dünnen Werkstattnetz und der furchtbaren Ersatzteillogistik in Kontakt kommt, wird eher kein zweites Fahrzeug kaufen. Das weiß auch Tesla - darum wurde der LKW ja beinahe ein Jahrzehnt "entwickelt" - sprich auf die lange Bank geschoben.
Egon Kohler
10.02.2026 um 17:06
Ich hab denselben Verdacht - es bräuchte schon sehr gute Argumente (z.B. wesentlich niedrigere Gesamtkosten), um Kunden davon zu überzeugen, die "bewährten" Modelle links liegen zu lassen und stattdessen auf den "Newcomer" zu setzen. Hätte Musk mal besser den Semi vorangetrieben, statt mit Doge Schaden anzurichten, dann wäre er heute vielleicht nicht so abgehängt.
erFahrer
11.02.2026 um 08:11
Ja, das wird spannend. Als Show-Truck wird es auch hier weggehen wie die warmen Semmeln. Auch für Fernstrecke - Linienverkehr lässt sich schnell ein passendes Umfeld aufbauen (Brenner) . Dazu müssten die Tesla-Lader direkt an Solar oder Windparks angeschlossen und mit 20 Cent/kWh operieren. Die alte Frage bleibt bei Schwerlast-NFZ. Wo liegt das wirtschaftliche Interesse der Anbieter. Beim Verkauf von Energie (Hauptumsatz) oder bei der Hardware, dem Fahrzeug (Nebenumsatz). Schade ist das konservative Selbstbewusstsein der EU-NFZ. Ein eLKW ist aus der Ferne kaum von seinem Diesel-Kollegen zu unterscheiden. Da muss schon China oder Tesla daher kommen.
Michael
11.02.2026 um 11:50
Ich denke der Vorsprung wurde deutlich verspielt. Mindestens 2 Jahre zu spät. Bei LKW zählt Service... Das ist etwas, was Tesla bisher nicht kann. Ob man das so schnell lernen kann...??
Othmar Kralowetz
11.02.2026 um 15:00
E-Zugmaschinen müssen mit einer 3.Achse und einem 3-Achsauflieger auf 48 Tonnen genehmigt werden. Nur mit einem Nutzlastvorteil gegenüber einer Dieselzugmaschine ( 40 Tonnen ) wird man den Umstieg schaffen. Das heisst 28 Tonnen Fracht statt 25 Tonnen mit einer Dieselzugmaschine. Mfg Othmar Kralowetz
Philipp
11.02.2026 um 20:58
110kWh/100km. Kann der eActros mindestens genauso gut. 300k€, kann der eActros vermutlich auch. Reichweite mag besser sein, aufgrund eines riesigen Akkus. Dank Lenkzeitbegrenzung in der Praxis aber fast nichts Wert. Wirklich beeindruckend ist aber das niedrige Gewicht im Verhältnis zur Batteriekapazität. In der EU sollte damit ja praktisch keine Einschränkunge ggü. Verbrennern bestehen, ggf. sogar ein Vorteil wenn die 44to Grenze kommt.
John
12.02.2026 um 13:15
Vielleicht kann Trump seine. Buddy Elon mit Strafzöllen aushelfen?

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