Renault erwägt E-Auto-Fertigung in Spanien

Die Renault Group prüft derzeit einen Plan, die nächste Generation kompakter Elektroautos in seinem spanischen Werk in Palencia zu bauen. Der Konzern produziert bisher alle seine E-Autos in Fabriken in Frankreich – aber nicht mehr lange. (Update am Artikelende)

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Bild: Renault

Das hat Renault-CEO Francois Provost am Donnerstag nach Bekanntgabe der Geschäftszahlen für das Jahr 2025 bestätigt. In Palencia nördlich von Valladolid bauen die Franzosen derzeit Modelle der Kompakt- und Mittelklasse, jedoch maximal Plug-in-Hybride. Konkret laufen dort der Renault Austral, Espace und Rafale vom Band. Eröffnet hat der Hersteller das spanische Werk bereits 1978.

Aktuell noch kommen die Elektroautos von Renault aus dem 2021 gegründeten Produktionsverbund ElectriCity, der die nordfranzösischen Werke Douai, Maubeuge und Ruitz zusammenfasst. Bei Maubeuge handelt es sich um das Kompetenzzentrum für leichte Nutzfahrzeuge wie etwa den Renault Kangoo, während die elektrischen Pkw-Modelle wie der Renault 4, Renault 5 und Scenic E-Tech aus Douai kommen. Der Renault Twingo E-Tech wird hingegen in Novo Mesto in Slowenien gebaut werden – die rein französische Elektroauto-Fertigung von Renault ist also ohnehin bald Geschichte.

Francois Provost hat im vergangenen Jahr den CEO-Posten vom langjährigen Renault-Chef Luca de Meo übernommen und stellt seitdem die strategischen Weichen im Konzern neu. Die teuren und unter de Meo ausgeweiteten Motorsport-Aktivitäten der Marke Alpine hat Provost bereits gekürzt und die von seinem Vorgänger ausgelagerte Elektroauto-Sparte Ampere will Provost offenbar komplett zurück in den Konzern holen. Im Dezember stoppte er das Carsharing-Geschäft von Mobilize und holte die bis dahin ebenfalls eigenständige Einheit mit ihren restlichen Aktivitäten zurück in den Konzern.
Auch bei dem Joint Venture für vernetzte E-Transporter namens Flexis (zusammen mit der Volvo Group und dem Logistiker CMA CGM) steht offenbar eine Änderung an – Renault soll Berichten zufolge die Aktivitäten komplett übernehmen wollen. Gegründet wurde Flexis ebenfalls noch in der Zeit von Luca de Meo.

Welche Modelle Renault für die spanische Fabrik genau erwägt, ist noch nicht bekannt. Es ist auch von der „nächste Generation kompakter Elektroautos“ die Rede. Das könnte ein Hinweis auf einen Nachfolger des Renault Megane E-Tech sein. Das aktuelle Kompakt-Modell auf Basis der Plattform AmpR Medium wird in Douai gebaut. In der Entwicklung hatte sich Renault aber dazu entschieden, die Raumvorteile einer Elektroplattform nicht für ein größeres Platzangebot bei gleichen Außenabmessungen zu nutzen, sondern bei vergleichbaren Platzverhältnissen zum Verbrenner-Megane das Auto kleiner und wendiger zu machen – damals eine gute Ergänzung zum E-Kleinwagen Zoe.

Mit dem wachsenden Modellangebot passt der Megane mit seinem Konzept aber nicht mehr ganz ins Portfolio: Der ebenfalls in Douai gebaute Renault 4 auf Basis der AmpR Small ist nur wenige Zentimeter kürzer als der eigentlich höher positionierte Megane – und spürbar günstiger. Möglich ist also, dass ein Megane-Nachfolger und eventuell ein kompaktes E-SUV künftig aus Spanien kommen werden. Für einen Elektro-Megane wäre das eine Premiere, für den Megane selbst aber nicht: Seit 1994 wurde die Megane-Baureihe als Verbrenner und später auch als Plug-in-Hybrid in Palencia gebaut.

Update 20.02.2026: Nach den ersten Andeutungen zu einer möglichen E-Auto-Produktion in Spanien hat Renault-CEO François Provost nun erklärt, dass es „wahrscheinlich und logisch“ ist, dass das Werk in Palencia Elektroautos des C-Segments herstellen wird. „Palencia ist unser Hauptwerk für die Segmente C und D, und wir werden weiterhin in diese investieren, auch in unserem mittelfristigen Plan”, erklärte der Manager bei einem Treffen mit Journalisten und betonte, dass Europa „sich mit den Vorschriften, insbesondere denen für 2030, für Elektrofahrzeuge entschieden hat“. Daher sei es „logisch“, dass mehr Fabriken auf Elektroantrieb umgestellt werden.

Provost wies jedoch darauf hin, dass der interne Prozess noch nicht abgeschlossen sei und die endgültige Entscheidung noch einer operativen Validierung unterliege. „Jetzt müssen wir zeigen, dass das Projekt auf dem Weg ist. Ich warte auf die endgültige Antwort meiner spanischen Teams, um dies zu bestätigen“, fügte er hinzu.

Das C-Segment umfasst üblicherweise Fahrzeuge von rund 4,20 bis 4,60 Metern Länge, darüber beginnt das D-Segment. Laut dem spanischen Portal „La Tribuna de Automoción“ dürfte es Renault dabei aber nicht um einen Megane-Nachfolger am unteren Rand des C-Segments gehen. Demnach bereite Renault einen Produktionsplan für zwei Fahrzeuge vor: Das C-Segment-Modell soll vergleichbar zum heutigen Scenic E-Tech sein und etwa 4,50 Meter lang und sowohl Batterie-elektrisch als auch als „Syper-Hybrid“ angeboten werden. Dabei soll es sich offenbar um reinen Range-Extender-Antrieb handeln. Das D-Segment-Modell soll ein Nachfolger des aktuellen Renault Rafale mit etwa 4,70 Metern Länge werden.

reuters.com, latribunadeautomocion.es (Update, auf Spanisch)

5 Kommentare

zu „Renault erwägt E-Auto-Fertigung in Spanien“
Herbert Wertig
19.02.2026 um 20:58
"Bei Maubeuge handelt es sich um das Kompetenzzentrum für leichte Nutzfahrzeuge wie etwa den Renault Berlingo, "Hier ist wohl der Renault Kangoo gemeint?
Peter Schwierz
19.02.2026 um 21:20
Danke für den Hinweis, wir haben die Stelle korrigiert.
Nicole H.
20.02.2026 um 10:07
Der Megane e-tech war ab Produktionsbeginn das erste EV von Renault, welches in Douai gefertigt wurde. Meiner wurde dort am 13.12.2022 hergestellt, war am 22.12.2022 beim Händler und wurde auch noch in 2022 zugelassen. Der hat jetz 63.000 km auf dem Tacho. Schönes, kompaktes und wendiges EV. Den mit einem 87 kWh Akku (wie der große Scenic) und er würde auch im Winter gut und gerne die 300km auf der Autobahn packen.
Peter F.
20.02.2026 um 11:40
Täuscht der Eindruck, oder ist Spanien als Produktionsstandort, insbesondere für E-Autos, momentan deutlich attraktiver als Deutschland oder Frankreich? Hierzulande müssen die Standorte ja sehr zittern, während ich häufig davon lese, dass neue Modelle nach Spanien gehen. Gibt es dafür besondere Gründe wie z.B. die Lohnkosten oder ggfs auch günstigeren/"grüneren" Strom? Spielt der EE-Anteil bei der Produktion von E-Autos aktuell bzw. zukünftig überhaupt eine wirtschaftliche Rolle? Da die Batterien wohl aus Nicht-EU-Ländern importiert werden, kann ich mir das eigentlich nicht wirklich vorstellen, dass das hier der entscheidende Punkt ist. Wäre aber mal interessant zur erfahren, ob EE-Anteile heute schon Standortvorteile darstellen.
Stefan Röck
20.02.2026 um 13:42
Der Spanische Staat fördert seit einiger Zeit die Ansiedlung der Elektroauto-Produktion sehr stark. Meines Erachtens eine sehr kluge Politik. Die Zell-Herstellung in Europa in wirtschaftlicher Größenordnung ist leider mangels Know-how und fehlendem Willen von Politik und Industrie in weiter Ferne.

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