Frankfurt startet Ausschreibung für nächste Lade-Ausbaustufe
Nach Angaben der Stadt weist die Bundesnetzagentur derzeit 2.133 öffentlich zugängliche Ladepunkte im Stadtgebiet aus. Davon entfallen 1.890 auf AC- und 243 auf DC-Ladepunkte. Zwischen Januar 2023 und Januar 2026 soll sich die Zahl der öffentlich zugänglichen AC-Ladepunkte in Frankfurt am Main damit um mehr als 350 Prozent erhöht haben. Doch das reicht der Stadt offenbar nicht aus.
Um den Ausbau der Ladeinfrastruktur also gezielt weiterzuentwickeln, hatte das Mobilitätsdezernat mit dem Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) bereits vor einem guten Jahr eine wissenschaftliche Bedarfsanalyse veröffentlicht. Sie hätte bereits gezeigt, dass der Bedarf an Ladeinfrastruktur weiter steigen wird. Dabei soll sich auch herausgestellt haben, „dass öffentlich zugängliche Ladepunkte auf privaten Flächen wichtiger werden, weil Menschen ihre Autos häufig während alltäglicher Aktivitäten laden“. Prognostiziert wird, dass künftig rund 15 Prozent der Lademöglichkeiten auf öffentlichen und etwa 85 Prozent auf privaten Flächen – etwa in Wohnanlagen, auf Supermarktstellplätzen oder in Parkhäusern – entstehen werden.
„Neben diesen privaten Ladeangeboten muss eine verlässliche, bedarfsgerechte Grundversorgung in allen Stadtteilen sichergestellt werden. Diese richtet die Stadt Frankfurt nun auf öffentlichen Verkehrsflächen ein, angepasst an die jeweilige bauliche Quartierstruktur und zugänglich für alle Bürgerinnen und Bürger“, so die Stadt. Die Ziele, die sich aus der Untersuchung ergeben haben, sollen in diesem Jahr überprüft und an den aktuellen Stand der Technik, den Elektrofahrzeugbestand und den Bestand des Ladeinfrastrukturausbaus angepasst werden. „Um auf die schnelle Entwicklung der Batterie- und Fahrzeugtechnologie reagieren zu können, werden die Ziele künftig im Abstand von zwei Jahren aktualisiert“, heißt es weiter.
Pilotprojekt bestätigt Nachfrage nach Ladeinfrastruktur
Parallel zur Bedarfsanalyse startete die Stadt Frankfurt ein Pilotprojekt im kompletten Stadtgebiet. Ziel war es, „trotz der beengten Platzverhältnisse, die Frankfurt von anderen deutschen Großstädten unterscheidet“, schnellstmöglich Ladeinfrastruktur aufzubauen. In dieser Pilotphase wurden 430 AC-Ladepunkte sowie 24 DC-Ladepunkte genehmigt und durch vier Ladesäulenbetreiber in Betrieb genommen. Bekanntlich sind neben Mainova noch eze.network, OnCharge und Qwello in der hessischen Stadt aktiv.
Wie die Stadt mitteilt, soll die Auslastung der neuen Ladepunkte aus dem Pilotprojekt über dem Bundesdurchschnitt liegen. Laut Betreibern soll diese teilweise sogar bis zu 1,5-mal höher als in anderen deutschen Städten sein. Die Stadt vermutet als Grund dafür die hohe Anzahl an Pendlern. Ferner konnte das ASE Erfahrungen in Bezug auf eine sinnvolle Gestaltung sammeln. Demnach sollen künftige Ladesäulen ohne zusätzliche Schaltkästen auf dem Gehweg, bevorzugt im Straßenraum und mit barrierefreien Stellflächen, geplant werden.
Neben den neuen Ladesäulen, die im Pilotprojekt aufgebaut wurden, wurde auch die Ladeinfrastruktur in den städtischen Parkhäusern in der Innenstadt deutlich ausgebaut. Details nennt die Stadt Frankfurt aber nicht.
Start der Ausbauphase I im März
Auf Grundlage dieser Bedarfsanalyse wurde nun die erste reguläre Ausbauphase für öffentliche Flächen vorbereitet. In Zusammenarbeit mit einer externen Beratung wurden unter Einbindung der zuständigen Ämter und Ortsbeiräte geeignete Standorte im gesamten Stadtgebiet ausgewählt. Vorgesehen ist in dieser Phase der Aufbau von rund 400 AC- und 20 DC-Ladepunkten. Also ähnlich viele wie bereits im Pilotprojekt neu aufgebaut wurden.
Auf einzelne Standorte können sich interessierte Betreiber auf die im März startende Veröffentlichung aber nicht bewerben. Sie werden in stadtteilübergreifende Bündel in fünf Paketen mit je 40 AC-Ladesäulen und weiteren fünf Paketen mit zwei DC-Ladesäulen gegliedert, „um eine gerechte, gleichmäßige Standortverteilung im gesamten Stadtgebiet sicherzustellen“. Diese Standort-Kontingente sollen in einem transparenten Verfahren verlost werden. Die Stadt Frankfurt geht davon aus, dass aufgrund der „guten Vorqualifikation der Standorte“ der größte Teil an Ladesäulen bereits in diesem Jahr in Betrieb sein dürfte.
Bei dieser einen Ausbauphase soll es aber nicht bleiben. „Die weiteren Ausbauphasen werden kontinuierlich bedarfsorientiert geplant und schrittweise umgesetzt. Ziel ist es, jedes Jahr weitere Standortbündel zu identifizieren und an Betreiber zu verlosen“, teilt die Stadt Frankfurt mit. Der Magistrat gehe davon aus, dass für die Grundversorgung im öffentlichen Raum bis 2035 bis zu 2.500 weitere Ladepunkte im öffentlichen Raum erforderlich sein werden. Parallel dazu plant die Stadt in diesem Jahr Gespräche mit privaten Eigentümern, etwa Wohnungsbaugesellschaften, um zusätzliche öffentlich zugängliche Ladeangebote zu ermöglichen.
Die Stadt setzt beim Ausbau der Ladeinfrastruktur auf öffentlichen Flächen demnach auf ein sogenanntes „Open-Market-Modell“. Das bedeutet, dass die Stadt selbst gemäß Stadtverordnetenbeschluss keine eigenen Ladestationen baut und betreibt. Stattdessen setzt sie auf den Wettbewerb privater Anbieter, übernimmt aber die Standortplanung und stellt öffentliche Flächen zur Verfügung. „Mit diesem Ansatz stellen wir sicher, dass Ladepunkte dort entstehen, wo sie dringend gebraucht werden. Daneben müssen die Standorte verkehrlich sinnvoll, städtebaulich verträglich und flächendeckend im gesamten Stadtgebiet verteilt sein. Zugleich ermöglicht uns das Modell eine effiziente Abstimmungskultur zwischen Verwaltung, Netzbetreibern und weiteren Akteuren – und damit eine schnellere Umsetzung“, so Heiko Nickel, Leiter Strategische Verkehrsplanung im Mobilitätsdezernat.
Ganz ähnlich handhabt es auch Hamburg. Bereits Ende 2024 hatte die Hansestadt die Ergebnisse ihrer öffentlichen Ausschreibung für den Betrieb von 2.500 neuen Ladepunkten im öffentlichen Raum bekannt gegeben. Insgesamt fünf Lose mit je 500 Ladepunkten wurden an Qwello, Enercity Mobility, eze.network, Ubitricity und Vattenfall vergeben. Die Stadt Bremen startete Ende 2025 ein Interessenbekundungsverfahren zum Ausbau der Ladeinfrastruktur. Betreiber konnten sich bis zum 18. Februar 2026 für einzelne Suchräume bewerben. Auf diesem Weg sollen rund 250 neue Ladepunkte entstehen. Ziel der Stadt ist es, Lademöglichkeiten dort zu schaffen, wo sie tatsächlich benötigt werden.
Etwas schwieriger gestaltet sich die Situation in der bayerischen Landeshauptstadt. In dem jahrelangen juristischen Tauziehen um den Aufbau von Ladeinfrastruktur in München kam es vor gut zwei Wochen zu einer Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht München. Ergebnis: Die Stadt soll den Antrag von Ladeanbieter Qwello für den Bau von Ladestationen nochmals prüfen. Und auch das aktuelle Münchner Vergabeverfahren für Ladeinfrastruktur wird vom Gericht kritisiert.





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