VW und Elli schnüren V2G-Angebot mit bis zu 720 Euro Bonus pro Jahr
Mit Volkswagen hat ein weiterer Autohersteller den Start eines Vehicle-to-Grid-(V2G)-Angebots noch in diesem Jahr in Deutschland vor. Zusammen mit der hauseigenen Energiemarke Elli will es das Unternehmen Kunden ermöglichen, den Strom aus der Batterie aktueller E-Autos des Konzerns ins öffentliche Stromnetz zurückzuspeisen und so Kosten zu senken. Stichwort ist hier das bidirektionale Laden (kurz: BiDi-Laden), bzw. die Unterkategorie V2G. Entsprechende Angebote haben zuletzt bereits BMW zusammen mit E.ON, Ford mit Octopus Energy sowie Mercedes-Benz und Renault mit The Mobility House angekündigt.
Dass auch Volkswagen und seine Energiemarke Elli auf den BiDi-Zug aufspringen wollen, haben sie im April erstmals publik gemacht und den Marktstart für das vierte Quartal 2026 in Aussicht gestellt. Seit dem heutigen Power-2-Drive-Messestart in München können sich Interessierte für das künftige Angebot unverbindlich registrieren. Dazu und zu dem Paket selbst liefert der Volkswagen-Konzern jetzt auch weitere Details. So richtet sich das Angebot zum Start an Kunden der Marken Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Cupra in Deutschland. Weitere Konzernmarken und Märkte (unter anderem Frankreich und UK) sollen „perspektivisch angeschlossen werden, sobald technische, regulatorische und produktseitige Voraussetzungen erfüllt sind“. Neben den kompatiblen Fahrzeugen gehören zu dem Paket eine BiDi-fähige Wallbox, der Tarif „Volkswagen Naturstrom V2G Flow“, eine App und die energiewirtschaftliche Optimierung im Hintergrund.
Wie electrive auf der Messe erfahren hat, handelt es sich bei der BiDi-Wallbox um das jüngst vorgestellte Modell von The Mobility House, EcoG und dem chinesischen Ladestationshersteller EV-Tech. Das Trio hat eine DC-Wallbox namens ChargeLine BiDi zur Serienreife gebracht, die eine Spannung von 800 Volt und eine Leistung von 11 kW ausweist. Dabei handelt es sich ausdrücklich um eine Gleichstrom-basierte Wallbox. Genau diese kommt nun im Volkswagen-Paket zum Einsatz. Den Preis für das Zubehör nannten die Verantwortlichen auf der Messe noch nicht. Sie soll aber preislich „sehr konkurrenzfähig“ positioniert werden.
Und: Als Anreiz nennt Elli jetzt auch die monetären Potenziale für Kunden, die im Zuge des Angebots ihre Fahrzeugbatterie als Flexilitätsreserve fürs Netz zur Verfügung stellen. „Im ersten Vertragsjahr ist nach aktueller Planung ein Bonus von bis zu 720 Euro möglich“, schreibt die Marke. Der Bonus basiert dabei – wie bei solchen Angeboten üblich – auf der Dauer, die das Fahrzeug im V2G-Modus an der Wallbox hängt (und somit für den Netzbetreiber erreichbar ist). „Bei 250 Stunden Ansteckzeit pro Monat kann ein maximaler Ansteckbonus in Höhe von 60 Euro pro Monat des ersten Vertragsjahres bzw. von insgesamt 720 Euro im ersten Vertragsjahr erzielt werden, wobei eine Mindestladezeit von drei Stunden pro Ladevorgang erforderlich ist, damit ein Ladevorgang für die Berechnung des Ansteckbonus berücksichtigt wird“, präzisiert Elli.
Voraussetzung für die Auszahlung ist dabei ein aktiver Tarif („Volkswagen Naturstrom V2G“) sowie die Verknüpfung mit der eingangs erwähnten Elli-App. Und wichtig: Der Ansteckbonus „wird nur einer begrenzten Anzahl von Kunden gewährt“, teilt Elli mit, ohne das Kontingent an dieser Stelle näher einzugrenzen. Von dem Angebot ausgeschlossen sind electrive-Informationen zufolge übrigens alle, die in ihrem heimischen Stromkreislauf eine Solaranlage nutzen. Dies ist auch bei anderen Anbietern der Fall und hat mit der Regulatorik zu tun.
Für Thomas Schmall, Konzernvorstand Technik der Volkswagen AG, zeigt sich künftig der Unterschied zwischen Verbrenner und Elektroauto nicht mehr nur beim Antrieb: „Das Elektroauto wird Teil eines digitalen Energie- und Mobilitätssystems: Es kann Strom speichern, gesteuert laden, Energie zurückgeben und damit auch während der Parkzeit wirtschaftlichen Mehrwert schaffen. Mit Vehicle-to-Grid machen wir diesen Vorteil für Kundinnen und Kunden nutzbar. Der Volkswagen Konzern verfügt mit der MEB-Basis, standardisierten Fahrzeugplattformen, Software und der Energiekompetenz von Elli über die Voraussetzungen, diese Technologie über viele Marken und Modelle hinweg in den Volumenmarkt zu bringen.“ In der Tat sind die Konzernfahrzeuge teils schon seit 2023 auf BiDi-Laden vorbereitet. Laut Schmall sind daher schon heute etwa 360.000 der rund eine Million MEB-Konzernfahrzeuge auf den Straßen Europas technisch für bidirektionales Laden vorbereitet.
Kompatibel sind konkret Fahrzeuge ab ID. Software 3.5 mit einer Batteriekapazität ab 77 kWh sowie alle ID. Modelle mit ID. Software 6. Damit adressiere man sowohl einen Großteil der bestehenden Fahrzeugflotte als auch künftige Volumenmodelle auf MEB-Basis, betonen die Volkswagen-Verantwortlichen. Bidi-Laden soll dabei einfach zu handhaben sein: „Nutzerinnen und Nutzer schließen ihr Fahrzeug zu Hause an den kompatiblen Elli BiDi Charger an. Über die App können sie festlegen, wann das Fahrzeug mit welchem Mindestladezustand wieder verfügbar sein soll. Die verfügbare Standzeit kann energiewirtschaftlich genutzt werden. Das Fahrzeug bleibt damit in erster Linie Mobilitätslösung und kann zugleich verfügbare Batteriekapazität für Flexibilität im Energiesystem bereitstellen“, skizziert das Unternehmen den Ablauf.
Silke Bagschik, Head of After Sales & Customer Interaction, Volkswagen AG, ergänzt: „Unser Anspruch ist, eine komplexe Technologie so zu übersetzen, dass sie im Alltag verständlich und nutzbar wird. Kundinnen und Kunden sollen nicht einzelne Bausteine zusammensuchen müssen, sondern ein integriertes Angebot erhalten: Fahrzeug, Wallbox, Stromtarif und App gibt es bei einem Anbieter. Auch für den Zugang zu einem Smart Meter vermittelt Elli einen Partner. […]“
Elli übernimmt dabei die Rolle des Konzern-Energiemanagers und bündelt die operative Umsetzung („energiewirtschaftliche Integration, die Entwicklung und den Betrieb der App-Steuerung, die Tariflogik, die Optimierung im Hintergrund, die Aggregation verfügbarer Batteriekapazitäten sowie die Vermarktung von Flexibilität“). Das Unternehmen bringt dafür nach eigenen Angaben seine Erfahrungen aus Heimlade-Services, Energiegeschäft und Stromhandel ein, stützt sich aber auch auf Technologie von The Mobility House Energy. Die Münchner sind in Deutschland bekanntlich Pioniere im Bidi-Laden und im Vermarkten von Flexibilitäten. Genau genommen holt Elli die Experten von The Mobility House an Bord, damit diese mit ihrer „FlexEngine“-Plattform die verfügbaren Batteriekapazitäten bündeln. Außerdem stellt The Mobility House die angesprochene Wallbox zur Verfügung.
„Allein die bereits heute bidirektional vorbereiteten MEB-Fahrzeuge des Volkswagen Konzerns verfügen zusammen über mehrere Dutzend Gigawattstunden potenzielle Speicherkapazität“, vergegenwärtigt Volkswagen das Potenzial der Technologie. „Vehicle-to-Grid ermöglicht es erstmals, diese Kapazität schrittweise intelligent in das Energiesystem einzubinden. Aus einzelnen Fahrzeugen kann damit ein vernetzter Speicherverbund entstehen.“ Das langfristige Zielbild von Elli sei es, verfügbare Batteriekapazitäten aus Fahrzeugen sowie zentrale und dezentrale Speicher zu bündeln und als virtuelles Kraftwerk energiewirtschaftlich nutzbar zu machen.
Wer sich für das Angebot interessiert, kann sich ab sofort auf der Elli-Website für das Vehicle-to-Grid-Paket unverbindlich registrieren. Der geplante Bestellstart soll weiterhin Ende des Jahres erfolgen. Registrierte Kundinnen und Kunden werden gesondert informiert, sobald die Bestellung der DC-bidirektionalen Wallbox und der Abschluss des Volkswagen Naturstrom V2G Flow Tarifs möglich sind.
elli.eco





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