Ford legt den V2G-Schalter für Privat um – gekoppelt mit Tarif von Octopus Energy

Ford kündigt die Einführung von bidirektionalem DC-Laden für Privatkunden in Deutschland an – in Zusammenarbeit mit Octopus Energy. Zum Start ab Sommer 2026 sollen Besitzer neuer Ford Capri oder Explorer mit der regelmäßigen Rückspeisung von Strom ins Netz von finanziellen Vorteilen profitieren können.

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Bild: Ford

Fords Angebot besteht aus der Kombination eines V2G-Tarifs von Octopus Energy und der technischen Freischaltung der Ford-Fahrzeuge und der bidirektionalen DC-Wallbox von Ambibox. Beherrscht wird V2G dabei von den beiden Ford-Stromern ab Modelljahr 2026, ältere Einheiten können also wohl nicht teilnehmen. Der Autobauer schreibt aber: „Zur Klärung der Kompatibilität sollten Kunden sich an das Ford Kundenzentrum wenden.“ Der bidirektionale Ladetarif von Octopus Energy ist laut einem Ford-Sprecher für alle Varianten des Explorer und Capri ab dem Modelljahr 2026.75 verfügbar. „Aber auch Kunden mit Modellen früherer Baujahre, die bidirektionales Laden ermöglichen (Batterievarianten 77 kWh und 79 kWh), können diesen Tarif nutzen. Diese Fahrzeuge unterstützen V2G im Rahmen ihrer jeweiligen technischen Fähigkeiten“, so der Sprecher, führt die technischen Fähigkeiten aber nicht genauer aus.

Dass Ford mit seinem V2G-Angebot nun in Deutschland an den Start geht, ist nicht selbstverständlich, denn hierzulande gilt die Umsetzung immer noch als schwierig. Grund ist unter anderem die schiere Menge an Verteilnetzbetreibern im dreistelligen Bereich, während es in Nachbarländern teils nur eine einstellige Zahl an Betreibern gibt. Auch die Regulierung war lange noch nicht so weit, doch im November hat der Bundestag überraschend eine wichtige Entscheidung zur bisherigen Mehrfach-Belastung von Strom beim bidirektionalen Laden getroffen: Die Netzentgelte bei der Zwischenspeicherung entfallen künftig – ein wichtiger Beschluss für die Zukunft von Vehicle-to-Grid in Deutschland.

Kurz ein Wort zur V2G-Funktion selbst: Durch die Möglichkeit den Strom in beide Richtungen fließen zu lassen, kann das zu Hause angeschlossene Fahrzeug zum flexiblen Stromspeicher werden. Die Lösung von Octopus Energy lädt das Fahrzeug bevorzugt zu Zeiten, in denen der Strom günstig ist und das Fahrzeug gibt wieder Strom ab, wenn dieser besonders gebraucht wird – zum Beispiel am frühen Abend, wenn große Nachfrage herrscht.

„Für E-Auto-Besitzer bedeutet das: Wenn ihr Auto zuhause mit der bidirektionalen Wallbox verbunden ist, arbeitet es für sie“, schreibt Ford. „Kumuliert leisten sie so einen gewaltigen Beitrag für die Stabilität des deutschen Energiesystems und senken die Energiekosten für Fahrstrom im Idealfall auf Null.“ Für die Rückspeisung des Stroms können sich die Besitzer wiederum entlohnen lassen. Ford spricht von Vergünstigungen, „die eine kostenlose rechnerische Fahrleistung von bis zu 16.000 Kilometern pro Jahr ermöglichen“.

Der V2G-Tarif von Octopus Energy enthält dabei Strom aus erneuerbaren Energie (mit Herkunftsnachweis) und bietet den Nutzern folgende Kern-Vorteile:

  • Monatlicher Bonus: Octopus Energy schreibt Kunden einen Bonus von 30 Euro monatlich gut, vorausgesetzt das Fahrzeug ist mindestens 300 Stunden pro Monat mit der Wallbox verbunden, also insgesamt bis zu 360 Euro im Jahr. Bei Monaten mit 30 Tagen sind das täglich im Schnitt 10 von 24 Stunden.
  • Reduzierter Ladepreis: Für den Ladestromanteil erhalten Kunden eine feste Vergünstigung von 18 Cent pro Kilowattstunde auf den Haushaltsstrompreis. Daraus ergibt sich laut Ford „ein effektiver Ladepreis von durchschnittlich nur 15 ct/kWh“. Dafür nimmt der Hersteller einen durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von 33 ct/kWh an.
  • Bis zu 16.000km kostenfrei laden: Bei einem Bonus von 360 Euro im Jahr lassen sich zum reduzierten Ladestrompreis insgesamt 2.400 kWh kostenlos laden. Mit einem von Ford angenommenen Verbrauch von 15kWh/100km entspricht dies rechnerisch bis zu 16.000 Kilometern. Tatsächlich wird es mit einem höheren Realverbrauch eine geringere Fahrstrecke sein.

Das intelligente Laden und Zurückspeisen ins Netz steuert Octopus Energy dabei automatisch im Hintergrund. Die Kunden behalten – wie bei solchen Angeboten üblich – dennoch die Kontrolle über ihr Fahrzeug, indem sie Abfahrtszeiten und gewünschte Ladestände flexibel stets individuell einstellen können. Und: „Wer eine spontane Fahrt plant, kann die V2G-Optimierung jederzeit deaktivieren und das Fahrzeug sofort mit voller Leistung von bis zu 11 kW laden“, so Ford.

Joerg Hofmeister, Head of Charging & Energy bei Ford Europa, kommentiert: „Mit dem Ford Capri und dem Ford Explorer haben wir Fahrzeuge entwickelt, die mehr sind als nur Fortbewegungsmittel. Sie sind mobile Energiespeicher. Wir haben die V2G-Technologie intensiv getestet, um sicherzustellen, dass der Komfort unserer Kunden unverändert bleibt. Unsere Kunden können sich darauf verlassen, dass ihr Ford jeden Morgen bereit für die Fahrt ist – und dabei auch noch Stromkosten sparen.“

„2026 wird das Jahr der E-Mobilität“, frohlockt Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Germany. „Wir machen das E-Auto zum Motor der persönlichen Energiewende. Durch die Zusammenarbeit mit Ford und einer V2G-fähigen Wallbox bieten wir ein schlüsselfertiges Paket an. Der Kunde muss kein Energieexperte sein: Er steckt sein Auto an, wir kümmern uns um den Rest. So ist grüner Strom nicht nur sauber, sondern für jeden spürbar günstiger.“

Der neue V2G-Tarif wird in Deutschland starten, soll aber noch im Laufe des Jahres in Europa weiterverbreitet werden. Interessierte Kunden können sich ab sofort auf den Webseiten von Ford und Octopus Energy für das Angebot registrieren. Weitere Details des Angebots präsentieren die Partner vom 10. bis 12. Februar auf der E-World in Essen (Halle 5, Stand 5K108).

media.ford.com

18 Kommentare

zu „Ford legt den V2G-Schalter für Privat um – gekoppelt mit Tarif von Octopus Energy“
Je
09.02.2026 um 15:30
Sehr cool. Hoffentlich gibt es bald noch mehr Hersteller!
Sven
09.02.2026 um 17:36
Naja im Pri zip alle die mit MEB Plattform von VW. Aber interessant, dass die Kosten einer bidirektionalen Wallbox hier nicht erwähnt werden. Das machts nämlich relativ unsinnig.
Gerald Noack
09.02.2026 um 17:42
Wir warten mit unserem Opel Vivaro schon seit Jahren auf diese Möglichkeit. Leider sieht es im Moment nicht so aus, als ob auch etwas ältere Modelle dazu befähigt werden. Wenn die Hersteller das nicht tun dann müsste hier wohl die Politik aktiv werden und sie dazu verpflichten. Das Potenzial für die Energiewende ist riesig und die e-Auto Pioniere sollten nicht bestraft werden.
Melvin
10.02.2026 um 06:58
Das Potenzial von V2G ist riesig, ja. Aber ich hoffe, niemand beim Händler hat ihnen damals versprochen, dass ihr Vivaro-e in Zukunft bidirektional laden können wird.Zum damaligen Zeitpunkt waren weder die Hardware- noch die Software-Anforderungen harmonisiert, die für die Entwicklung von Fahrzeugelektronik (z. B. OBC), Software und Ladeinfrastruktur notwendig gewesen wären. Mit Tricks kann man zwar aus so gut wie jedem Fahrzeug auch Strom entladen - aber das stellt keineswegs einen ausreichend sicheren Stand dar, der für den Anschluss des Fahrzeugs im Sinne einer Erzeugungsanlage ans Netz erforderlich wäre. Die Anforderungen hierfür sind erst jetzt in der finalen Phase der Normung. Fahrzeugelektronik, Software und Ladeinfrastruktur können also erst jetzt auf diese voraussichtlichen Anforderungen hin entwickelt werden.Beim Vivaro-e wären also umfangreiche HW-Umbauten und tiefgreifende Software-Änderungen notwendig, dazu brauchen sie definitiv eine neue Wallbox, die ihr Netzbetreiber auch für den Netzanschluss als Teil einer Erzeugungsanlage zulässt. Die wenigsten wären wohl bereit, alleine für die Fahrzeugänderungen einen hohen vierstelligen Betrag zu investieren. Wie die Politik Hersteller hierzu (am besten vermutlich kostenlos?) verpflichten können soll, wenn diese Funktion nicht vorm Kauf klar zugesichert wurde, kann ich mir nicht erklären. Eine Strafe hierdurch für sie sehe ich aber auch nicht - sie fahren doch schon seit Jahren ihr BEV mit allen dazugehörigen Vorteilen, die es damals schon gab. :)
BJ
09.02.2026 um 18:34
Hoffentlich kommt bald V2H wäre für mich noch wichtiger.
E. Wolf
10.02.2026 um 08:24
Dem ist nichts hinzu zufügen.Aktuell komme ich bei einem sonnigen Tag mit Heimspeicher und relativ kleiner eAutobatterie (20 kWh), und mit WP mit V2H über die Nacht !!Klar, im Sommer sind die Nächte kurz, aber in der Übergangszeit/der Heizungsperiode, mit (LW)WP spielt V2H seine echte Überlegenheit.Und eine Wallbox brauche ich sowieso, dann gleich etwas richtiges !Übrigens, das V2G Angebot bei e.ON gilt nur für Haushalte OHNE PV Anlage mit Eigenverbrauchsregelung !!!
Josef
09.02.2026 um 21:04
Wozu? War auch mal interessiert...jetzt nicht mehr. Im Sommer reicht der Hausspeicher über die Nacht und ich brauche rein gar nichts vom Auto zurück ins Haus. Im Winter kommt so wenig, dass nicht mal der Hausspeicher voll wird. Steht das Auto immer vor dem Haus, ist es im Sommer spätestens am zweiten Tag voll...brauche immer noch nichts für das Haus...wird vom Hausspeicher versorgt. Bin ich unterwegs, bekommt das Auto keinen PV Strom...und nutzt wieder nichts...da ich leer ankomme, oder unter der Schwelle für V2H. Es gibt nur ein Szenario wo es helfen kann...das Auto ist voll und es regnet 5 Tage durch. Tut es aber im Sommer nie und selbst dann kommt meist noch genug, um das Haus komplett mit PV und Hausspeicher zu versorgen. V2G ist das einzig sinnvolle für mich, um Geld zu verdienen.
ben
09.02.2026 um 23:25
Dein Denkfehler ist, dass du davon ausgehst dass jeder einen Hausspeicher hat. Das ist halt nicht der Fall weil das Auto den Hausspeicher überflüssig machen würde. Hausspeicher und Auto können sich nicht wirklich ergänzen, das sollte klar sein, aber eins von beiden macht Sinn. Wenn man einen Ford stehen hat, braucht man halt keinen Hausspeicher mehr. Fakt ist aber auch dass die Kosten der bidi Wallbox die ganze Rechnung wieder zu Nichte macht, daher ist es sowieso uninteressant.
E. Wolf
10.02.2026 um 09:24
Es wird so oder so eine Wallbox benötigt. Eine Lösung mit PV Überschuß ist nicht so viel günstiger, als eine echte DC-BiDi-Wallbox - dann gleich etwas vernünftiges !
AH
09.02.2026 um 20:12
V2H wäre auch für mich wichtiger.
Lodi
10.02.2026 um 07:50
V2H wird dann interessant, wenn man ohne Hausspeicher auskommen muss/will. Dann kann über eine lange Zeit im Jahr der Nachtbedarf über den Auto-Akku gedeckt werden! aus meiner Sicht ist V2G schon wieder zwei Schritte auf einmal ... und wie beschrieben, wieder mit einem speziellen Tarif und neuer Abhängigkeit ...
Ebikethoemmel
10.02.2026 um 07:59
Selbst Besitzer eine E-Transit hatte ich kurzzeitig ein Abo bei Octopus. Vor der Kündigung wegen Nichtgebrauch bei laufenden Fixgebühren für Ionity fiel mir auf, dass Octopus sich das Recht vorbehält, jederzeit und einseitig die Vertragsbedingungen zu ändern. Da beschlich mich das Gefühl, dass die ihren Namen gut gewählt haben, wer ist schon gerne in den Fängen eines Octopus? Ach ja, der Chatbot will jetzt prüfen, ob er meine Kündigung akzeptieren kann. Mein Fazit heute: V2G muss von Netzbetreibern oder lokalen Stromversorgern angeboten werden. Lokal, transparent.
Markus
10.02.2026 um 08:44
Wichtig fände ich für den Gebrauchtmarkt dass solche Nutzung im System leicht auslesbar vermerkt wird. Wer kennt sie nicht, die ganzen Grafikkarten-Angebote bei EBay aus Mining-Rigs die aber natürlich nie für Mining genutzt wurden…
Sebastian
10.02.2026 um 11:34
Weder beim Ford noch beim BMW ist mir so ganz klar, wie die BiDi-WB mit versprochenem V2G agiert in Verbindung mit einer vorhandenen PV. BiDi ist m.E. immer eine Eigenstromoptimierung bei vorhandener PV. Wie arbeitet V2H aber mit V2G zusammen? Wenn bzgl. V2G Strom ins Netz müsste oder zumindest das Fahrzeug nicht geladen werden soll (V1G); ich gleichzeitig aber PV vom Dach kriege, den ich gern ins Auto hätte, wie wird dann optimiert/entschieden und von wem und wie? Ist nicht eine V2H PV Stromoptimierung per BiDi immer lukrativer (je nach Einspeisevergütung) als ein V2G?
E. Wolf
10.02.2026 um 18:21
Bei ihren Fragen einmal auf V2H-jetzt.de schauen, einige finden Sie bestimmt beantwortet.
Volker Eis
12.02.2026 um 09:53
Der bidirektionale Ladetarif von Octopus Energy ist für alle Varianten des Explorer und Capri ab dem Modelljahr 2026.75 verfügbar. Auch Kunden mit Modellen früherer Baujahre, die bidirektionales Laden ermöglichen (Batterievarianten 77 kWh und 79 kWh), können diesen Tarif nutzen. Diese Fahrzeuge unterstützen V2G im Rahmen ihrer jeweiligen technischen Fähigkeiten.
Jens
13.02.2026 um 16:20
Die oben genannte Wallbox kostet Netto gerade 2995 €, dazu kommt noch die Installation. Wie soll sich das rechnen ? Ich zahle 28 Cent / Kilowatt zu Hause.an der WallboxUm in den Genuss des Bonus zu kommen muss das Fahrzeug täglich über 10-14 Std. an der Wallbox hängen ? Wer denkt sich denn so etwas aus ? Die Flexibilität bleibt auch auf der Strecke
Ernst Gienke
31.03.2026 um 18:18
soweit ich eben erfahren habe ist der Preis von 2995 Euro netto bei Abnahme von 50 Stück und nicht der Endkundenpreis .Also zwar eine gute Idee aber finanziell unrealistisch .Und die Firma Octopus hat mir auf meine Anfrage von vor 4 Wochen garnicht geantwortet .Desweiteren ist die Ambibox zur Zeit in Deutschland garnicht verfügbar

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