Rolls-Royce wird 2030 doch keine reine Elektro-Marke

Rolls-Royce hat sein Ziel aufgegeben, ab 2030 nur noch vollelektrische Autos zu verkaufen - vermutlich auch, weil der Absatz des ersten Stromers namens Spectre vergangenes Jahr um 47 Prozent eingebrochen ist. CEO Chris Brownridge spricht zudem von hoher Kundennachfrage nach V12-Motoren und veränderten politischen Rahmenbedingungen.

Rolls royce black badge spectre
Rolls-Royce Spectre Black Badge
Bild: Rolls-Royce

Damit gesellt sich Rolls-Royce in die Reihe der Hersteller, die ihre vor einigen Jahren sehr ambitioniert ausgegebenen Elektroziele wieder aufweichen. So kündigte der direkte Konkurrent Bentley bereits 2024 an, sein Ziel, ab 2030 nur noch Elektroautos verkaufen zu wollen, auf 2035 zu verschieben. Im September 2025 gab Bentley dann das fixe Ausstiegsdatum sogar ganz auf. Auch Porsche hat mittlerweile wieder neue Verbrenner-Modelle angekündigt, nachdem der Stuttgarter Sportwagenhersteller ebenfalls seine Elektroziele kassiert hatte.

Der damalige Rolls-Royce-CEO Torsten Müller-Ötvös hatte 2021 das Ziel ausgegeben, ab 2030 nur noch Elektroautos zu verkaufen und 2022 bei der Vorstellung des ersten vollelektrischen Modells Spectre bekräftigt, dass der Elektroanteil des Jahresabsatzes bereits 2028 bei 70 Prozent liegen sollte. Und weiter betonte er: „Bis Ende 2030 werden wir keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mehr produzieren“.

Nachfolger Chris Brownridge jedoch, der im Dezember 2023 den Posten übernahm, sieht das mittlerweile anders und hat das 2030er Ziel nun öffentlich verworfen. Er führt  als Begründung die Lockerung regulatorischer und gesetzlicher Vorgaben durch Regierungen weltweit an sowie auch die Kundennachfrage: „Für jeden Kunden, der ein Elektrofahrzeug liebt, gibt es einen, der es nicht mag“, sagte Brownridge. „Manche Kunden wollen ein Elektrofahrzeug, wir bauen, was bestellt wird.“ Doch umgekehrt wollten nach wie vor viele Kunden einen Rolls-Royce mit Verbrennungsmotor: „Wir verstehen, dass einige Kunden einen V12-Motor bevorzugen. Der V12 ist Teil unserer Geschichte.“

Brownridge lehnt es ab, ein neues starres Jahresziel zu definieren, wann Rolls-Royce wirklich nur noch vollelektrische Fahrzeuge anbieten könnte. Auch lehnte er es ab, gegenüber Medien eine konkrete Zahl zu nennen, wie viele neue Elektromodelle das Unternehmen in Zukunft auf den Markt bringen wird.

Aus dem Geschäftsbericht des Mutterkonzerns BMW geht hervor, dass die Nachfrage beim bislang einzigen vollelektrischen Modell Rolls-Royce Spectre im vergangenen Jahr massiv eingebrochen ist: Es gab nur 1.002 Auslieferungen des Modells, das waren 47 Prozent weniger als die 1.890 Auslieferungen in 2024 und damit dem ersten Jahr, in dem der Spectre durchgehend erhältlich war. Es könnte hier also einen First-Mover-Effekt gegeben haben mit vielen Aufträgen von Kunden, die sich bei der Premiere auf das Fahrzeug gefreut haben, während die Nachfrage im Anschluss nachließ.

Diese schwache Entwicklung beim Spectre dürfte CEO Brownridge mit dazu bewegt haben, nicht länger am starren 2030er Ziel festzuhalten. Immerhin ist damit der Elektroanteil über alle Auslieferungen hinweg in 2025 auf 17,7 Prozent gefallen, während er 2024 bei stolzen 33 Prozent gelegen hatte.

theguardian.co.uk, thetimes.co.uk

3 Kommentare

zu „Rolls-Royce wird 2030 doch keine reine Elektro-Marke“
Efahrer
19.03.2026 um 12:28
Die 5 Egoisten, die weiter Rolls Royce mit V12 fahren wollen wird die Welt denke ich verkraften. Zeigt halt aber auch wie vorbildlich unsere „Elite“ sich so verhält.
TeeKay
19.03.2026 um 15:59
Da macht's ja richtig Sinn, dass BMW den V12 im 7er gestrichen hat. Wenn sie den Motor eh weiter bauen, dann können sie den auch im BMW 760 weiter anbieten, statt da mit einem Fake 1,1l/100km Plugin-Hybriden zu kommen, den die meisten Kunden eh nicht aufladen...
Paul-Gerhard Fenzlein
20.03.2026 um 07:43
Lange Zeit war die Antwort auf die Frage nach dem ultimativen automobilen Luxus simpel: Rolls-Royce. Wer heute jedoch wissen möchte, wo die Reise der „Spirit of Ecstasy“ hingeht, muss den Blick zunehmend nach Osten richten. Rolls-Royce bleibt ein exklusives Phänomen. Mit rund 5.664 Auslieferungen weltweit im Jahr 2025 bleibt die Marke ihrer Linie der künstlichen Verknappung treu. • USA: Nach wie vor der größte Einzelmarkt (ca. 35 % Anteil). • China (inkl. Hongkong): Mit rund 25 % der zweitwichtigste Markt, wobei hier die Nachfrage nach dem elektrischen Spectre zuletzt schwankte. • Großbritannien & Deutschland: In der Heimat sowie in Deutschland bleibt Rolls-Royce ein seltener Anblick (in Deutschland ca. 250–300 Neuzulassungen pro Jahr). Doch das Monopol wackelt. Während ein Rolls-Royce durch handgenähtes Leder und Tradition besticht, definiert die neue chinesische Millionärs-Generation Luxus über „Intelligence & Space“. Der 7er BMW (besonders als i7) gilt in Asien zwar noch als gesetzter Standard, wird aber rechts von hochmodernen Alternativen überholt: • Maextro S800 (Huawei-JAC): Seit seinem Marktstart im Sommer 2025 hat dieses Fahrzeug das Segment der Luxuslimousinen in China erschüttert. Im Januar 2026 verkaufte sich der S800 häufiger als die Mercedes-S-Klasse und der 7er BMW zusammen. Mit 5,50 Metern Länge, einem 76-Zoll Head-up-Display und dem sogenannten „Crab-Walk“ (Diagonal-Fahren) bietet er technische Spielereien, gegen die ein klassischer Verbrenner fast nostalgisch wirkt. • NIO ES9 (April 2026): Mit der für den 9. April 2026 angekündigten Technik-Premiere schickt NIO sein SUV-Flaggschiff ins Rennen. Es ist die Antwort für alle, denen ein Rolls-Royce Cullinan zu konservativ ist. Dank 900V-System und dem automatisierten Batteriewechsel in unter drei Minuten löst NIO das größte Problem der Elektro-Oberklasse: die Zeit an der Ladesäule. Wir erleben eine historische Verschiebung. Während Rolls-Royce in Europa und den USA weiterhin das Nonplusultra des aristokratischen Erbes bleibt, ist im asiatischen Raum ein neuer, patriotischer Stolz erwacht. Für die Tech-Elite in Shenzhen oder Shanghai ist ein Maextro S800 oder ein kommender NIO ES9 kein Kompromiss mehr, sondern ein Statement für den technologischen Vorsprung. Luxus misst sich 2026 nicht mehr nur an der Dicke des Teppichs, sondern an der Rechenleistung der KI und der Geschwindigkeit des Batteriewechsels.

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