Rolls-Royce wird 2030 doch keine reine Elektro-Marke
Damit gesellt sich Rolls-Royce in die Reihe der Hersteller, die ihre vor einigen Jahren sehr ambitioniert ausgegebenen Elektroziele wieder aufweichen. So kündigte der direkte Konkurrent Bentley bereits 2024 an, sein Ziel, ab 2030 nur noch Elektroautos verkaufen zu wollen, auf 2035 zu verschieben. Im September 2025 gab Bentley dann das fixe Ausstiegsdatum sogar ganz auf. Auch Porsche hat mittlerweile wieder neue Verbrenner-Modelle angekündigt, nachdem der Stuttgarter Sportwagenhersteller ebenfalls seine Elektroziele kassiert hatte.
Der damalige Rolls-Royce-CEO Torsten Müller-Ötvös hatte 2021 das Ziel ausgegeben, ab 2030 nur noch Elektroautos zu verkaufen und 2022 bei der Vorstellung des ersten vollelektrischen Modells Spectre bekräftigt, dass der Elektroanteil des Jahresabsatzes bereits 2028 bei 70 Prozent liegen sollte. Und weiter betonte er: „Bis Ende 2030 werden wir keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mehr produzieren“.
Nachfolger Chris Brownridge jedoch, der im Dezember 2023 den Posten übernahm, sieht das mittlerweile anders und hat das 2030er Ziel nun öffentlich verworfen. Er führt als Begründung die Lockerung regulatorischer und gesetzlicher Vorgaben durch Regierungen weltweit an sowie auch die Kundennachfrage: „Für jeden Kunden, der ein Elektrofahrzeug liebt, gibt es einen, der es nicht mag“, sagte Brownridge. „Manche Kunden wollen ein Elektrofahrzeug, wir bauen, was bestellt wird.“ Doch umgekehrt wollten nach wie vor viele Kunden einen Rolls-Royce mit Verbrennungsmotor: „Wir verstehen, dass einige Kunden einen V12-Motor bevorzugen. Der V12 ist Teil unserer Geschichte.“
Brownridge lehnt es ab, ein neues starres Jahresziel zu definieren, wann Rolls-Royce wirklich nur noch vollelektrische Fahrzeuge anbieten könnte. Auch lehnte er es ab, gegenüber Medien eine konkrete Zahl zu nennen, wie viele neue Elektromodelle das Unternehmen in Zukunft auf den Markt bringen wird.
Aus dem Geschäftsbericht des Mutterkonzerns BMW geht hervor, dass die Nachfrage beim bislang einzigen vollelektrischen Modell Rolls-Royce Spectre im vergangenen Jahr massiv eingebrochen ist: Es gab nur 1.002 Auslieferungen des Modells, das waren 47 Prozent weniger als die 1.890 Auslieferungen in 2024 und damit dem ersten Jahr, in dem der Spectre durchgehend erhältlich war. Es könnte hier also einen First-Mover-Effekt gegeben haben mit vielen Aufträgen von Kunden, die sich bei der Premiere auf das Fahrzeug gefreut haben, während die Nachfrage im Anschluss nachließ.
Diese schwache Entwicklung beim Spectre dürfte CEO Brownridge mit dazu bewegt haben, nicht länger am starren 2030er Ziel festzuhalten. Immerhin ist damit der Elektroanteil über alle Auslieferungen hinweg in 2025 auf 17,7 Prozent gefallen, während er 2024 bei stolzen 33 Prozent gelegen hatte.





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