Wie kommt der Strom zum Bus? Netzintegration als Enabler im Depot
Von der Theorie in die Praxis: Während viele Verkehrsunternehmen gerade erst den Sprung in die E-Mobilität wagen, blickt Hamburg bereits auf ein Jahrzehnt Erfahrung zurück. „Wie kommt der Strom zum Bus?“ – diese Kernfrage des Panels auf der Mobility Move unter Leitung von electrive-Chefredakteur Peter Schwierz beantworteten die Gäste nicht mit Problemanalysen, sondern mit Lösungsstrategien. Dabei wurde schnell klar: Das Stromnetz ist vielleicht „voll“, aber mit der richtigen Steuerung noch lange nicht am Ende.
Das Hamburger Rezept: Reden, bevor die Bagger rollen
Bastian Pfarrherr (Hamburger Energienetze) und Hendryk Münster (Hamburger Hochbahn) demonstrierten auf der Bühne eine Einigkeit, die das Ergebnis von zehn Jahren enger Kooperation ist. Ihr wichtigstes Learning: Transparenz schlägt Perfektion. Man müsse sich bereits zusammensetzen, wenn noch nicht alle Antworten auf dem Tisch liegen. „Ich weiß noch nicht alles, wenn ich loslaufe, aber ich bin bereit, gemeinsam die Antworten zu finden“ , so Bastian Pfarrherr, der zudem betonte, dass man in Hamburg das Prinzip „First ready, first served“ verfolge, um Projekte mit echter Planungsreife zu priorisieren.
Für die Hochbahn ist die Ladeinfrastruktur mittlerweile zum „täglich Brot“ geworden. Bis Ende 2026 wird das Unternehmen allein über 750 Ladepunkte elektrifiziert haben. „Wir sind mit unserem Netzbetreiber fein, wir haben unsere Betriebshöfe alle im Griff, wir haben unsere Leistungen, unsere Energiebezüge im Griff und wir optimieren fleißig“, resümierte Hendryk Münster.
Software als Dirigent der Energieströme
Dass ein stabiler Betrieb heute ohne digitale Intelligenz kaum noch denkbar ist, verdeutlichte Markus Kröger von K2 Mobility. Seine Software-Lösungen führen Fahrplandaten, Fahrzeugzustände und Netzrestriktionen in Echtzeit zusammen. Das Ziel ist eine vorausschauende Ladeplanung, die auch ökonomische Chancen nutzt – etwa wenn in Märkten wie den Niederlanden oder Belgien durch Überkapazitäten bei Erneuerbaren Energien negative Strompreise entstehen. „Man kann nicht Laden getrennt vom Busbetrieb betrachten. Das ist ein und dasselbe“, stellte Markus Kröger klar. Es gehe künftig nicht mehr nur um Klimaschutz, sondern schlicht um „Energieeffizienzen“.
Auch die Fahrzeughersteller treiben die Entwicklung massiv voran. Fabian Schöffel von MAN gab einen Ausblick auf die nächsten Evolutionsstufen der Ladeleistung. Während beim Stadtbus bewährte CCS-Standards bleiben, klopft beim Reisebus bereits das Megawatt-Charging (MCS) an die Tür. Ein weiteres Highlight: Das bidirektionale Laden, das Busse künftig zu mobilen Speichern im Netz machen könnte. „Wir arbeiten daran, die Ladeleistung für unseren Lion’s City E auf 375 kW zu erhöhen in den nächsten Jahren“, kündigte Fabian Schöffel an und unterstrich die Bedeutung, das Fahrzeug als integrierten Teil eines Gesamtsystems zu begreifen.
Blick in die Werkstatt der Mobilitätswende
Die Diskussion machte deutlich: Die Elektrobusse selbst sind nicht das Nadelöhr. Vielmehr entscheiden die regulatorischen Rahmenbedingungen und die lokale Kooperationsbereitschaft über das Tempo der Transformation. Zudem ist der Busbereich mit einem Marktanteil von knapp 50 Prozent bei den Neuzulassungen bereits das „elektrischste“ Segment auf der Straße. Damit hat der Elektrobus den Diesel in der Neuanschaffung faktisch bereits zur Hälfte abgelöst. Entsprechend kann die Logistik noch viel vom Busbereich lernen – denn hier liegt der Marktanteil von E-Lkw noch deutlich niedriger.
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