Geely kauft wohl Teile des Ford-Werks Valencia
Der Deal wurde noch nicht von den beiden Unternehmen bestätigt, bisher handelt es sich nur um einen Bericht von „La Tribuna de Automoción“ unter Berufung auf Branchenquellen. Demnach prüfe Geely in Almussafes die Fertigung eines eigenen Modells (internes Projekt „135“) auf Basis der GEA‑Plattform (Global Intelligent Electric Architecture), die Antriebe vom Vollhybrid über Plug‑in‑Hybrid bis zum reinen Elektroantrieb erlaubt. Zusätzlich werde geprüft, ein Modell für Ford auf derselben Plattform aufzulegen.
Bei dem Fahrzeug handelt es sich offenbar um ein Derivat des Geely EX2, der in Europa wohl als E2 verkauft werden soll. Der EX2 wiederum ist die globale Variante des China-Bestsellers Yingyuan. Das Fahrzeug ist als betont preiswertes Modell ausgelegt und wird in China zu Preisen ab umgerechnet etwa 8.400 Euro verkauft. Der EX2 ist etwa 4,14 Meter lang, hat eine 40 kWh große LFP-Batterie und einen 85 kW starken Elektromotor an der Hinterachse. Ein Ladevorgang von 30 auf 80 Prozent soll 25 Minuten dauern, die Dauer von den üblichen zehn auf 80 Prozent gibt Geely nicht an.
Bei der „Body 3“ handelt es sich um die modernsten Anlagen im Ford-Werk Valencia, die derzeit jedoch nicht genutzt wird. Ford baut in dem Werk aktuell nur das Mittelklasse-SUV Kuga, nutzt dafür aber die Linien in der „Body 2“ und laut der „La Tribuna de Automoción“in begrenztem Umfang auch Teile von „Body 1“. Zuvor hatte Ford auch die Baureihen Mondeo, Galaxy und S-Max in Spanien gebaut, diese wurden aber ohne direkte Nachfolger inzwischen eingestellt. Eigentlich will Ford auch Elektroautos in Valencia bauen, das spanische Werk hatte einst den Standort Saarlouis bei der Vergabe ausgestochen. Doch seitdem ist es sehr ruhig um das spanische Elektromodell geworden.
Die Anlagen von „Body 3“ sind demnach so ausgelegt, dass Geely die dortige Produktion nutzen könnte, ohne sich die Lieferketten im Werk mit Ford teilen zu müssen – der chinesische Hersteller könnte also eigenständig agieren. Dem Bericht zufolge soll Geely bereits Zulieferer in der Umgebung kontaktiert haben. Auch wenn die GEA-Plattform unterschiedliche Antriebe ermöglicht, ist in Europa vor allem die Produktion Batterie-elektrischer Fahrzeuge sinnvoll – auf die BEV fallen beim Import aus China die EU-Sonderzölle an, auf Hybride nicht.
Anfang Februar waren über einen Reuters-Bericht bereits erste Gespräche zwischen Geely und Ford rund um „Technologie und Produktion“ bekannt geworden – und auch über die Fertigungskapazitäten von Ford in Europa. Damals gab es aber noch unterschiedliche Angaben zu den Details, mal war von einer Geely-Nutzung der Ford-Flächen, mal von einer gemeinsamen Produktion die Rede. Treffen die Informationen aus dem aktuellen Bericht zu, könnte beides eintreten: Geely fertigt recht eigenständig in den Ford-Hallen, aber nicht nur für den Eigenbedarf, sondern auch für Ford.
Sollte Geely tatsächlich einen elektrischen Ford in Valencia bauen, würde die europäische Elektroauto-Strategie des US-Unternehmens nochmals ein Stück komplexer: Ford bietet hierzulande den aus Mexiko importierten Mustang Mach-E an, baut im rumänischen Craiova den Puma Gen-E auf Basis einer eigenen Plattform und hat das Werk Köln komplett auf die Produktion von Elektroautos umgerüstet – derzeit werden dort der Explorer und Capri auf Basis des MEB gebaut, der von Volkswagen eingekauft wurde. Und kürzlich wurde eine neue Partnerschaft mit Renault vereinbart: Die Franzosen werden wohl Elektro-Kleinwagen auf Basis der RGEV Small (früher: AmpR Small) für Ford bauen, etwa einen elektrischen Fiesta-Nachfolger. Es würde dann also elektrische Fords auf Ford-Plattformen, der VW-Plattform, der Renault-Plattform und der Geely-Plattform geben.
latribunadeautomocion.es (auf Spanisch)





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