Bidi-Projekt: E-Autos als Zwischenspeicher für Elektro-Fähre
Eigentlich wäre es ein großer Spaß, wenn E-Auto-Fahrer den Strom von unterwegs nach Norddeich Mole mitbringen würden, den die Elektro-Fähre für die Überfahrt nach Norderney benötigt. Doch ganz so ist das neue Projekt „Bidirektionale Integration von Elektrofahrzeugen“ (BIDI-EL) der Hochschule Osnabrück und der Reederei Norden-Frisia nicht gemeint. Vielmehr geht es darum, den von einer Photovoltaikanlage auf dem Parkplatz der Reederei den erzeugten Strom in den Batterien der dort parkenden E-Autos zwischenzuspeichern, bis die Elektro-Fähre anlandet und deren Akkus mit einer Kapazität von 1.800 kWh mit zwei MCS-Ladern in kurzer Zeit wieder aufgeladen werden müssen.
Denn zwar sind in der Abstellanlage von Norden-Frisia bereits 600 Pkw-Einstellplätze mit Photovoltaik-Dächern ausgestattet. Doch bekanntlich muss eine PV-Anlage den Strom sofort loswerden – und er kann nicht direkt in die Batterien der E-Fähre fließen, wenn diese gerade unterwegs ist. Deshalb hat die Reederei rechtzeitig vor Indienststellung der E-Fähre im März 2025 auch einen stationären Batteriespeicher installieren lassen, um in solchen Fällen den von der PV-Anlage erzeugten Strom zwischenspeichern zu können, bis das von der niederländischen Damen Werft gebaut Elekro-Schiff wieder vor Anker ist.
Die Integration von Bidi-fähigen Elektroautos soll nun dafür sorgen, dass die Kapazität zum Zwischenspeichern von Strom aus der PV-Anlage erhöht wird, zumal auch die PV-Anlage, die aktuell bereits über eine Leistung von 1.700 kWp verfügt, bald selbst erweitert werden soll. Auf diese Weise sollen die E-Autos zu dezentralen Energiespeichern für den Betrieb der Fähre.
„Die bi-direktionale Integration von Elektrofahrzeugen bietet nicht nur eine umweltfreundliche Alternative zur herkömmlichen Mobilität, sondern kann auch wesentlich zur Entlastung des Energieversorgungsnetzes beitragen“, sagt Prof. Dr. Hans-Jürgen Pfisterer von der Hochschule Osnabrück. „Durch die Nutzung von Fahrzeugen als dezentrale Energiespeicher wird der Anteil regenerativer Energie maximiert, das Netz entlastet und die Fahrzeugbatterien in einem ‚Wellness-Betrieb‘ gehalten.“
Olaf Weddermann, Geschäftsführer der Reederei Norden-Frisia, ergänzt: „Mit diesem Projekt setzen wir ein starkes Zeichen für die nachhaltige Transformation unserer Mobilität. Die Kombination von E-Fähre und bi-direktionalem Laden für Elektrofahrzeuge ist ein wichtiger weiterer Schritt zur Erreichung einer fossilfreien Zukunft und zur Verringerung der Umweltauswirkungen unserer Transportdienste.“
Das Ziel des von der Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten und bis Januar 2027 dauernden Projektes ist es, Erkenntnisse zu gewinnen, die über die anfänglichen Projektergebnisse hinausgehen, und die Grundlage für langfristige, nachhaltige Geschäftsmodelle und Lösungen zur Energieversorgung zu schaffen.





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