Nissan streicht wohl Pläne für E-Achsen-Werk in Sunderland
Anfang 2025 skizzierte die mehrheitlich von Nissan gehaltene Japan Automatic Transmission Company (JATCO) große Pläne für ein Komponentenwerk im nordenglischen Sunderland. Dort sollten ab 2026 E-Antriebe für das nahe gelegene Nissan-Werk vom Band laufen. Die Rede war von sogenannten 3-in-1-Antrieben, die E-Motor, Wechselrichter und Getriebe vereinen – und in den lokal produzierten E-Autos verbaut werden. Seit Ende 2025 läuft in Sunderland der neue Leaf vom Band. Und perspektivisch sollen dort auch vollelektrische Versionen des Qashqai (ab 2027)und Juke gefertigt werden.
Einzig: Aus dem Komponentenwerk wird wohl nichts. Die Wirtschaftszeitung Nikkei schreibt, dass Nissan das E-Achsen-Projekt in Großbritannien gestoppt habe – und zwar angesichts schleppender Verkäufe von Nissan-Elektroautos und ergo sinkender Marktanteile. Dies „erzwingt ein Umdenken bei der globalen Produktionsstrategie“, wie Nikkei berichtet. Die Jatco-Anlage sollte für anfänglich 9 Milliarden Yen (ca. 49 Millionen Euro) errichtet werden und auf eine jährliche Kapazität von 340.000 Einheiten kommen. Und: Vor Ort sollten 183 Arbeitsplätze entstehen. Über die Planungsphase ging das Projekt aber bisher nicht hinaus – und wird es wohl auch nicht mehr. Heißt auch: „Vorerst wird das Unternehmen die Antriebseinheiten voraussichtlich weiterhin von Japan aus nach Großbritannien liefern“, heißt es in dem Bericht weiter.
Jatco selbst hat seinen Hauptsitz in Fuji und unterhält neben seinen Werken in Japan auch Produktionsstätten in Mexiko, China und Thailand. Die britische Fabrik wäre Jatcos erster Aufschlag in Europa gewesen. Doch die aktuellen Verkaufszahlen der Mutter geben das Werk offenbar nicht her. In der 2025er E-Auto-Statistik von Nissan macht sich u.a. der Modellwechsel beim Leaf bemerkbar. Durch die Einstellung der zweiten Modellgeneration und der erst später geplanten Einführung der dritten Generation ergab sich eine Lücke im Nissan-Sortiment. Im vergangenen Jahr wurden in Europa deshalb nur 87 Leaf-Einheiten neu zugelassen (-99% YoY). Das zweite E-Modell im Portfolio, der Ariya, verkaufte sich zudem eher schleppend (11.507 Einheiten, -44% Yoy). Dies drückte den gesamten Pkw-Marktanteil von Nissan in Europa auf 2,2 Prozent.
Dies ist nur einer der Gründe, warum der japanische Autobauer im Mai 2025 mit einem Sanierungsplan namens „Re:Nissan“ reagierte. Diese Strategie umfasst u.a. eine weltweite Überprüfung der Produktion – und binnen eines Jahres hat Nissan bereits das Aus für sieben Fahrzeugwerke besiegelt. Auch die Komponentenwerke stünden auf dem Prüfstand, schreibt Nikkei. In diesem Bereich sollen ab Frühjahr 2027 konkrete Maßnahmen spruchreif sein. In Japan produziert Nissan Antriebsstränge in Yokohama und Iwaki sowie bei mehreren Tochtergesellschaften.
In Europa schafft Nissan mit der mutmaßlichen Stilllegung der Jatco-Pläne nun also schon einmal Abhilfe. Auch das Fahrzeugwerk in Sunderland ist von den Umstrukturierungsmaßnahmen betroffen. Anfang des Monats gab der japanische Autobauer bekannt, voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte eine seiner beiden Produktionslinien vor Ort zu schließen. Mit der Maßnahme will das Management nicht die Produktionskapazität ändern, sondern zwei mäßig ausgelastete Linien zu einer mit hoher Auslastung zusammenlegen. Die weiter laufende Linie wird daher auf einen Drei-Schicht-Betrieb umgestellt, um den Kapazitätsverlust auszugleichen. In der Produktion sollen demnach auch keine Arbeitsplätze wegfallen.
Als gesetzt gilt dabei, dass die Produktionslinie 2 weiter bestehen bleibt. Die Japaner hatten in den vergangenen Jahren fast eine halbe Milliarde Euro in den Standort investiert, um das Werk für die Produktion des aktuellen Leaf fit zu machen – die Serienfertigung läuft seit Mitte Dezember 2025. In diesem Zuge wurde die Produktionslinie 2 für Elektrofahrzeuge ertüchtigt und ist damit die modernere der beiden Linien.
Zwar sollen die Arbeitsplätze in der Produktion in Sunderland sicher sein, das gilt aber wohl nicht für alle Jobs bei Nissan in Europa. Der Autobauer hat Anfang des Monats im gleichen Atemzug bestätigt, dass es Gespräche über einen Stellenabbau von rund zehn Prozent der europäischen Belegschaft gibt. Das würde derzeit rund 900 Arbeitsplätzen entsprechen.
asia.nikkei.com (Paywall)





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