Autonomer E-Bus von Karsan kollidiert in Göteborg mit Straßenbahn

Wenige Wochen, nachdem Norwegens Straßenverkehrsbehörde erlaubt hat, dass in Stavanger ein autonomer E-Bus von Karsan ohne Sicherheitsfahrer verkehren darf, ist ein eben solcher Bus trotz Sicherheitsfahrer an Bord mit einer Straßenbahn zusammengestoßen. Und zwar im schwedischen Göteborg.

Karsan e atak autonomer bus goeteborg
Dieser autonome Bus ist in Göteborg verunglückt
Bild: Adastec

Bereits seit Monaten liefen die Testfahrten in Göteborg, am Montagmorgen nun durften erste Passagiere an Bord des autonomen Busses auf der Linie 169 durch das Herz des Gårda-Viertels. Doch die Jungfernfahrt endete im Desaster. Denn der selbstfahrende Elektrobus des türkischen Herstellers Karsan, Modell e-ATAK, stieß nach nur einer Stunde im Einsatz mit einer Straßenbahn zusammen.

Laut dem ÖPNV-Betreiber Västtrafik bremste der selbstfahrende Bus samt einem Sicherheitsfahrer an Bord am Kapellplatsen ab. Und von hinten fuhr eine Straßenbahn auf. „Es gab keine Verletzten, weder im Bus noch in der Straßenbahn“, so Västtrafik-Pressesprecher Patrik Chi. Aufgrund des Unfalls kam es auf der betroffenen Straße in beiden Richtungen zu einem Vollsperrungsfall. Nach rund zwei Stunden gab Västtrafik bekannt, dass der Verkehr wieder fließt.

War es also nicht nur die erste, sondern auch die letzte Fahrt des autonomen Busses mit Passagieren an Bord in Göteborg? Noch ist unklar, wie es zum Unfall kam. „Es ist natürlich sehr traurig, dass dies passiert ist, und wir sind froh, dass niemand verletzt wurde. Wir werden nun eine gründliche Analyse des Vorfalls durchführen“, so Västtrafik-Pressesprecher Patrik Chi.

Bushersteller Karsan moniert in einem ersten Statement eine „unvollständige und irreführende Wahrnehmung“ der Ereignisse durch die Öffentlichkeit. Die ersten technischen Bewertungen würden zeigen, „dass das autonome Fahrsystem unseres Fahrzeugs während des gesamten Prozesses wie vorgesehen funktionierte. Während der autonome e-ATAK umliegende Hindernisse im Verkehr erkannte und seinen Betrieb innerhalb der festgelegten Sicherheitsprotokolle fortsetzte, konnte die von hinten ankommende Straßenbahn keinen ausreichenden Abstand halten und traf das Fahrzeug.“


Heißt somit: „Basierend auf den ersten Ergebnissen scheint der Vorfall nicht mit dem autonomen Fahrsystem zusammenzuhängen, sondern vielmehr ein Verkehrsvorfall im städtischen Verkehrsfluss zu sein“, so der Hersteller. Das autonome Fahrsystem des e-ATAK kommt übrigens nicht von Karsan selbst, sondern vom Technologiepartner Adastec, und kombiniert u.a. mit Hilfe von LiDAR, Radar und Kameras Wahrnehmungs-, Lokalisierungs- und Planungsmodule, um in Echtzeit zuverlässige Entscheidungen zu treffen.

Der Vorfall ist aus zweierlei Sicht interessant: Ein baugleicher Bus wird gerade von der Üstra im Projekt Albus in Burgdorf bei Hannover erprobt. Zudem wird der Karsan e-ATAK schon seit 2022 im norwegischen Stavanger eingesetzt. Norwegens Straßenverkehrsbehörde Statens Vegvesen hat erst vor kurzem die Genehmigung dafür erteilt, dass der autonome E-Bus von Karsan nun regulär im ÖPNV-Netz der Region einsetzen darf, und zwar ohne Aufsichtsperson an Bord.

golem.de, linkedin.com (Statement Karsan)

5 Kommentare

zu „Autonomer E-Bus von Karsan kollidiert in Göteborg mit Straßenbahn“
Kopfschüttel
27.05.2026 um 16:03
Sowohl die Überschrift als auch der Artikel wirken nach Clickbait. Treffender wäre: ‚Straßenbahn fährt auf autonomen E-Bus auf‘. Nur weil ein autonomes Fahrzeug unverschuldet in einen Unfall verwickelt ist, muss daraus nicht ein eigener Artikel gemacht werden.
René
30.05.2026 um 17:13
Ja genau das gleiche habe ich mir auch gedacht. Wenn die Bahn von hinten auffährt, ist es extrem unwahrscheinlich, das der Bus schuld war. In nahezu allen Fällen haben diejenigen, die auffahren die Schuld, weil sie nicht genug Abstand gehalten haben oder nicht aufmerksam waren.Ich würde mir auch wünschen, dass electrive hier weniger Clickbait als mehr seriöse Berichterstattung macht. Wäre es so schwer gewesen, zu schreiben "Straßenbahn fährt auf autonomen E-Bus auf" und den Sachverhalt auch im Artikel gleich richtig darzustellen?Schon schade, dass ihr sowas nötig habt (habt ihr eigentlich nicht).
Hans-Peter
27.05.2026 um 22:04
Unverschuldet ist man in den wenigsten Fällen. Da von jedwedem Fahrzeug per se eine Betriebsgefahr ausgeht, ist man fast immer mit einer Teilschuld dabei. Den Rest werden wohl die Versicherungen, oder am Ende Gerichte "klären" müssen.
Maddin
01.06.2026 um 13:54
"Unverschuldet ist man in den wenigsten Fällen. Da von jedwedem Fahrzeug per se eine Betriebsgefahr ausgeht" Man trägt also als 'Strassenparker', (oder als Hausbesitzer direkt an der Straße) eine Teilschuld, wenn jemand in einen reinfährt? Sehen Juristen anders würde ich mal behaupten. Katholiken mit ihrem Dauerschuld Thema sind da eher bei ihnen :D
Steven
05.06.2026 um 16:25
Naja wenn die Bim von hinten auffährt dann hat die Bim augenscheinlich nicht ausreichend Abstand gehalten. Dann sollte man sich nicht die Frage stellen ob das automatisiert fahrende System (der Bus) einen Fehler gemacht hat und unsicher wäre, sondern man sollte sich eher die Frage stellen, ob man einen unsicher fahrenden Bimfahrer wirklich haben möchte. Eigentlich ist der Unfall also ein Beweis warum automatisierte Systeme sicherer sind als ein menschlicher Fahrer. Ein automatisiertes System hätte den Sicherheitsabstand eingehalten und wäre im Falle eines Bremsereignisses rechtzeitig zum Stillstand gekommen.

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