Scania: E-Lkw mit Extra-Batteriepack und MCS-Port bestellbar

Scania hat seine E-Lkw bisher mit maximal sechs Batteriepacks angeboten. Jetzt beginnt der Hersteller mit der Markteinführung des siebten Batteriepacks unterhalb der Fahrerkabine und gibt an, auf diese Weise künftig in Einzelfällen "weit über 800 km zu erreichen". Und auch der 2025 von Scania angekündigte MCS-Port ist jetzt bestellbar.

Scania e lkw 40r
Bild: Scania

Scania hatte einst vor, seine E-Lkw mit Batterien auf Basis von Northvolt-Zellen auszustatten und so ein Energiegehalt von bis zu 728 kWh in seine Trucks zu packen. Nachdem die Insolvenz von Northvolt diese Pläne zerschlug, ist Scania auf die Batterien seiner Konzernschwester MAN umgestiegen. Die NMC-Akkus mit 89 kWh brutto und 80 kWh netto werden bei MAN in Nürnberg montiert und sind im Portfolio der Münchner allgegenwärtig – ob in strombetriebenen Lkw oder langstreckentauglichen Bussen. Scania bietet auf dieser Basis aktuell – wie MAN – E-Lkw mit einer Maximalkonfiguration von 534 kWh brutto bzw. 480 kWh netto an. In diesem Fall sind sechs Packs verbaut. Die Reichweite ist in diesem Fall oft mit 500 km angegeben worden, wobei sie natürlich je nach Truck-Variante, Aufbau und Fahrprofil stark variieren kann.

Schon länger hat Scania angekündigt, ein neues Batteripack unter dem Fahrerhaus anbieten zu wollen, das dann auch die Batterieoptionen 400 und 560 kWh netto ermöglicht. Verbaut sind dann ergo fünf bzw. sieben Packs. Jetzt melden die Schweden Vollzug, diese Optionen sind nun bestellbar. Und Scania gibt an, dass bei der neuen Maximalkonfiguration „in einigen Anwendungsfällen nun Reichweiten von weit über 800 km mit einer einzigen Ladung realisierbar sind“. Dieser Sprung wirkt groß. Vermutlich, weil es sich dabei nicht um eine konservative Reichweiten-Angabe handelt, sondern um selbst ermittelte Maximalwerte unter optimalen Bedingungen. Dazu gleich mehr.

Zur neuen 400-kWh-Batterieoption präzisiert Scania noch, dass diese eine Reichweite von 350 Kilometern und dabei die gesetzlich zulässige maximale Nutzlast biete. Möglich wird das durch die zwei Tonnen extra, die in der EU bei der Gesamtmasse von E-Fahrzeugen gegenüber Dieseln erlaubt sind. Scania wirbt bei dieser Batterievariante ergo damit, dass Elektro-Fuhrparks gegenüber Dieseln „ohne Einbußen bei der Transportkapazität“ auskommen.

Scania führt aus, dass mit den neuen Optionen Transportunternehmen in die Lage versetzt werden, „die Batteriekapazität optimal auf die überwiegende Mehrheit ihrer Transportanforderungen abzustimmen. Schwere Lasten, anspruchsvolle Aufbauten und Aufgaben im Fernverkehr lassen sich nun mit erhöhter operativer Präzision elektrifizieren“. Grundsätzlich lasse sich die Positionierung der Batterien so anpassen, dass unterschiedlichste Aufbautypen und Einsatzbereiche bedient werden können.

Was die Reichweitenangabe von 800 Kilometern und mehr angeht, hilft bei der Einordnung ein Seitenblick zu Konzernschwester MAN. Auch die Münchner geben neuerdings für den eTGX eine Reichweite von bis zu 570 Kilometern für die klassische Sattelzuganwendung und von bis zu 830 Kilometern bei Wechselbrückenfahrzeugen im Solo-Betrieb an. Im Kleingedruckten ist zu lesen, dass es sich dabei um intern ermittelte Daten handelt, die MAN als maximale „Bis-zu-Werte“ definiert, „die unter optimalen Bedingungen erreichbar sind“ (u.a. 20 °C Außentemperatur, 60 % Zuladung). Als Vergleichsbasis sind diese Maximal-Werte daher eher wenig geeignet.

Da sich die interne Maximal-Angabe von 830 Kilometern bei MAN auf ein 6×2-Chassis mit sieben Batterien bezieht (das auch bereits konfigurierbar und über MAN Individual bestellbar ist), haben wir damit aber die Brücke zu Scania geschlagen. Die Schweden schreiben zwar nicht, dass es sich bei ihren eigenen Angaben um interne „Bis-zu“-Werte handelt, durch den geteilten Technik-Baukasten innerhalb des Traton-Konzerns wäre alles andere aber eine Überraschung.

Ohnehin ist die Reichweite bei den Pflicht-Pausen für Lkw-Fahrer nicht das Entscheidenste. Das betont auch Scania und meldet in diesem Zuge, dass nun auch die im vergangenen Jahr angekündigte MCS-Ladeoption für die eigenen E-Lkw bestellbar ist. Wann diese Fahrzeuge ausgeliefert werden, präzisiert der Hersteller allerdings nicht. Noch ist der MCS-Ladestandard bekanntlich nicht fertig.

Tobias Ejderhamn, Global Manager, Transformation & New Business bei Scania, betont lediglich, dass das neue Batteriemodul unter dem Fahrerhaus die Platzierung der Lkw-Batterien zum Vorteil der Transportunternehmen optimiere und „dass unsere Kunden mit der richtigen Batteriekonfiguration, MCS und einer durchdachten Ladestrategie […] die Frage nach dem optimalen Verhältnis zwischen Reichweite und Nutzlast mühelos lösen können“.

Lars Gustafsson, Head of Solutions Management bei Scania, ergänzt: „Scania kann Transportunternehmen nun einen umfassenden Weg zur Elektrifizierung und zu nachhaltigem Transport bieten – einen Weg, der zuverlässig, nahtlos und wirtschaftlich tragfähig ist. Mit diesen beiden neuen Ergänzungen im Instrumentarium unserer Kunden ist der Umstieg auf den Elektrotransport noch einfacher und attraktiver geworden.“

Davon unabhängig hat Scania dieser Tage auch einen bidirektionalen MCS-Ladevorgang mit einem seiner E-Lkw demonstriert. Bei der Vehicle-to-Grid-Rückspeisung erreichte die Anlage laut Scania bis zu 1.000 Ampere und 750 kW.„Elektro-Lkw werden nicht nur Strom verbrauchen; sie können auch zu einer aktiven Ressource im Energiesystem werden“, äußert Tobias Ejderhamn dazu. „Dieser Wandel transformiert die Rolle des Flottenbetreibers: Er beschränkt sich nicht mehr allein auf die Bereitstellung von Transportdienstleistungen, sondern bietet nun auch Energieflexibilität an.“

Das erprobte System ermöglicht laut Scania eine sichere Echtzeitkommunikation zwischen dem Lkw, der Ladesäule und den Energiemanagementsystemen. Auf diese Weise lassen sich Lade- und Entladevorgänge dynamisch steuern – abgestimmt auf die jeweiligen Transportanforderungen und die aktuellen Bedingungen im Stromnetz. „Das Besondere daran ist nicht nur der bidirektionale Energiefluss an sich, sondern vor allem die Möglichkeit, das Megawatt-Laden mit einem intelligenten Energiemanagement zu verknüpfen“, so die Schweden. „Unseres Wissens handelt es sich hierbei um eine der weltweit ersten Demonstrationen der Vehicle-to-Grid-Funktionalität für schwere Nutzfahrzeuge unter Verwendung des MCS. Lkw, Ladesäule und Energiesystem können in Echtzeit miteinander kommunizieren – und schaffen so die Grundlage dafür, dass schwere Elektrofahrzeuge zu aktiven, steuerbaren Komponenten des Energiesystems werden.“

Schon vor wenigen Wochen hatten die Projektpartner von SPIRIT-E in einer Pionier-Demonstration bidirektionales Laden an einem MAN-Lkw demonstriert – mit 325 kW floss Strom aus dem Truck ins Netz. Hier ging es allerdings um einen CCS- und keinen MCS-Ladevorgang.

scania.com (Batteriepaket), scania.com (Bidirektionales Laden), man.eu (Reichweiten eTGX)

2 Kommentare

zu „Scania: E-Lkw mit Extra-Batteriepack und MCS-Port bestellbar“
ioniqKnechter
28.05.2026 um 07:29
Ehy Moin erst ma... Wie schon im Artikel erwähnt, ist die Lenkzeit der begrenzende Faktor. Wichtig ist das dann eine 400 kW oder sogar 600 kW Ladesäule zuverlässig diese Leistung über 45 min Lenkzeitpause abgibt u dazu nahe an der BAB zu finden ist. Denn das hätte drei Vorteile. Erstens. . . Diese CCS Ladesäulen könnten in der Woche von e LKW genutzt werden u in Zeiten von LKW Fahrverbot von BEV PKW. Zweitens. . . Dadurch entsteht ein höherer durchsatz an Energie u die Ladetechnik amortisiert sich schneller. Drittens. . . Für etwa 10 MCS Ladesäulen können 24 CCS Ladesäulen mit hoher Leistung aufgestellt werden.
Guy
28.05.2026 um 17:37
Die "Ladesäule" (oder besser gesagt die Leistungselektronik hintendran) kann auf einem kombinierten Ladepark heutzutage problemlos die Leistung auf die Verbraucher verteilen, die eben gerade am Laden sind. Zu LKW Stosszeiten 5 x 1 MW, am Wochenende dann halt 20 x 250 kW. Aber sicherzustellen, dass Autos nicht LKW-Ladeplätze blockieren (weil sie während ihrer Urlaubsfahrt parallel zum Mittagessen genau jetzt laden wollen), ist ein wichtiger Punkt damit elektrische LKWs zuverlässig und vorhersehbar funktionieren. Daher MCS für LKW Ladeplätze und CCS für PKW-Ladeplätze. Das Kabel (der Dispenser) macht nur einen Bruchteil der Kosten aus. Und mit MCS sind dann 400 kW, 600 kW oder mehr zuverlässig für 45 Minuten (gefolgt vom darauffolgenden LKW der vielleicht direkt danach laden will) auch gar kein Problem.

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