Finnland setzt auf selbstfahrendes E-Shuttle im ÖPNV

Die finnische Stadt Tampere nimmt ein autonomes E-Shuttle ohne Sicherheitsfahrer an Bord in den regulären Linienbetrieb auf. Das Fahrzeug wird ab dem 24. Juni auf der Linie 301 eingesetzt und im Rahmen des EU-Projekts Metaccaze aus der Ferne überwacht.

Autonomer roboterbus finnland
Das Shuttle fährt künftig ohne Sicherheitsfahrer auf der Linie 301.
Bild: Metacazze

Ab Mitte der Woche ist das Fahrzeug auf der Linie 301 zwischen Hervantajärvi und Lintuhytti unterwegs. Während automatisierte Busdienste bislang häufig in Pilotprojekten oder auf abgesperrten Strecken erprobt wurden, ist der Dienst in Tampere Teil des öffentlichen Nahverkehrs und steht Fahrgästen regulär zur Verfügung. Bereits seit November 2025 war das Fahrzeug mit einem Sicherheitsfahrer im normalen Straßenverkehr unterwegs. Nach einer Testphase erfolgt nun der Übergang in den autonomen Betrieb ohne Fahrer an Bord.

Das Fahrzeug bewegt sich auf einer festgelegten Route mit geringer Geschwindigkeit und überwacht seine Umgebung kontinuierlich mithilfe verschiedener Sensoren. Erkennt das System Hindernisse oder ungewöhnliche Situationen, kann es automatisch anhalten. Trotz des fahrerlosen Betriebs bleibt der Bus dabei nicht unbeaufsichtigt. Fachkräfte überwachen den Betrieb in Echtzeit aus einer Fernüberwachungszentrale und können bei Bedarf eingreifen. Das Fahrzeug bietet Platz für bis zu zwölf Fahrgäste. Während der Fahrt besteht Anschnallpflicht und die Passagiere müssen sitzen bleiben.

Der Betrieb erfolgt im Rahmen des EU-geförderten Projekts Metaccaze. Die Stadt Tampere und ihr Verkehrsbetrieb Nysse sind für die Integration in den öffentlichen Nahverkehr verantwortlich, einschließlich der Infrastruktur und des Ticketsystems. Das Unternehmen Remoted verantwortet die Fernüberwachung und das Systemmanagement. Die Tampere University begleitet das Projekt wissenschaftlich und untersucht unter anderem die Nutzerakzeptanz sowie den Betrieb des automatisierten Dienstes.

Die im Süden Finnlands gelegene Stadt Tampere gehört zu den Demonstrationskommunen des Projekts. Ein Ziel bestehe darin, Sicherheitsoperatoren künftig aus den Fahrzeugen in zentrale Leitstellen zu verlagern, sodass mehrere automatisierte Fahrzeuge gleichzeitig überwacht werden können, heißt es. Nach Angaben der Projektpartner soll die bestehende Flotte künftig um drei weitere autonome Fahrzeuge ergänzt werden.

Skandinavien als Vorreiter neuer Mobilitätskonzepte

Der Einsatz des autonomen Busses erfolgt in einem Markt, der neuen Mobilitätskonzepten vergleichsweise offen gegenübersteht. In Finnland waren im April 48,8 Prozent aller neu zugelassenen Pkw rein elektrisch. Noch höhere Anteile erreichten Norwegen mit 98,6 Prozent und Dänemark mit 81,9 Prozent. Die nordischen Länder gelten damit als wichtige Testmärkte für neue Technologien im Bereich der elektrischen und automatisierten Mobilität.

Metaccaze wird im Rahmen des EU-Forschungsprogramms Horizon Europe gefördert und erprobt elektrische, automatisierte und vernetzte Mobilitätslösungen für den Personen- und Güterverkehr in mehreren europäischen Städten. Neben Tampere zählen Amsterdam, München und Limassol zu den sogenannten Trailblazer Cities, in denen die Technologien unter realen Bedingungen getestet werden. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen anschließend auf weitere europäische Städte übertragen werden.

steinbeis-europa.de

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