
Weltpremiere Skoda Peaq: Vernünftiger Platz für sieben
Der Buchstabe Q, ausgesprochen wie ein K, bleibt das gemeinsame Namenskennzeichen der SUVs von Skoda: Das neueste Elektroauto heißt Peaq. Im Englischen ist Peak der Gipfel, und tatsächlich zeigt Skoda mit dem Peaq das größte SUV der Marke. Mit 4,87 Meter Länge übertrifft er den Enyaq um über 20 Zentimeter. Auch der Kodiaq mit Verbrennungsmotor ist circa zehn Zentimeter kürzer. Dazu bietet der Peaq einen Radstand von 2,97 Meter – Platz satt für fünf Personen und gegen Aufpreis für sieben. Mit diesem SUV könnte es Skoda gelingen, einmal mehr die Kernzielgruppe abzuholen: jene Menschen, die pragmatisch ticken und auch im Luxus noch bescheiden sind.
Zum Basispreis von 49.900 Euro verkauft Skoda den Peaq Selection 60. Die Zahl steht für den ungefähren Energieinhalt der Traktionsbatterie: Es sind netto 59 Kilowattstunden (kWh), die für „mehr als 450 Kilometer“ reichen sollen, so Skoda. Die Zeitspanne für den Standardhub nach ISO 12906 von zehn auf 80 Prozent liegt für diese Version bei 27 Minuten (86 kWh: 28 Minuten). Einen Wert für die DC-Ladeleistungen nennt der Hersteller nicht.
Wahlweise gut 440 oder mehr als 640 km Normreichweite
Auffällig: Anders als bei den meisten Elektroautos des Volkswagen-Konzerns kommen hier nicht die neuen LFP-Zellen zum Einsatz. Stattdessen setzt Skoda in der 59- wie auch in der 86-kWh-Version Peaq 90 auf eine Kathodenmischung aus Nickel, Mangan und Kobalt (NMC).
Der Skoda Peaq 90 hat mit Heckantrieb mehr als 640 Kilometer Reichweite im Messverfahren WLTP. Die Motorleistung steigt von 150 Kilowatt (kW) im Peaq 60 auf 210 kW im Peaq 90. Mit Allradantrieb im Peaq 90x beträgt die Power 220 kW, und die Aktionsdistanz sinkt leicht auf gut 610 Kilometer. Der Grund für die ungefähre Angabe zur Reichweite dürfte die noch nicht abgeschlossene Homologation dieses Fahrzeugtyps sein.
Ein SUV dieser Größenordnung muss nicht nur die Familie transportieren, sondern auch Lasten ziehen können. Einen Wohnwagen zum Beispiel. Ungebremst verträgt der Peaq 750 Kilogramm (kg). Gebremst sind es 1.800 kg in Peaq 60 und 90 sowie 2.000 kg im Peaq 90x.

















935 Liter Kofferraumvolumen plus 37 Liter Frunk
Das Kofferraumvolumen in der Fünfsitzerkonfiguration liegt bei satten 935 Litern, auf die sich weitere 37 Liter im Frunk addieren. Wenn die dritte Sitzreihe aufgeklappt ist, bleiben hinten 299 Liter. Wie üblich bei Skoda gibt es die sogenannten cleveren Details; so kann das Rollo für Kofferraumabdeckung vorn über dem Frunk verstaut werden.
Innerhalb des Volkswagen-Konzerns hat sich Skoda zuletzt eine Spitzenposition erarbeitet. Vielleicht, weil die Entwickler und Strategen in der Lage waren, genau ihre spezifischen Käufer anzusprechen. Der Elroq etwa gehört zu den meistverkauften Elektroautos in Europa, weil er ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Und die Vernunft ist ein Begriff, der in der Lebenswirklichkeit viel relevanter ist als in polemischen digitalen Debatten.
Wer genau ist eigentlich die Konkurrenz?
So wird der Skoda Peaq zum Beispiel jene Kunden anlocken, die beim Volkswagen ID.4 das entscheidende Mehr bei der Anhängelast vermissen. Oder jene, bei denen das Dienstwagenbudget nicht für einen Audi Q6 mit 800-Volt-Plattform ausreicht. Die 400 Volt des MEB+ genügen in vielen Anwendungsfällen.
Die äußere Konkurrenz ist hart und kommt zum Beispiel aus dem Hyundai-Konzern. Der Kia EV9 etwa ist mit 5,02 Meter nochmals länger, aber wollen Sie so ein Trumm einparken? Außerdem kostet die Basisvariante des EV9 mit ähnlicher Reichweite wie beim Skoda Peaq 60 mit 63.690 Euro erheblich mehr. Der Hyundai Ioniq 9 setzt mit 5,06 Meter nochmal einen drauf, er ist nur mit der 110 kWh großen Traktionsbatterie erhältlich und ab 69.850 Euro zu haben. Die Reichweite ist hier mit 620 km zum Peaq 90 vergleichbar, für den noch keine Preise vorliegen. Wer glaubt, dass 5,06 Meter viel sind, hat Recht, aber ein BMW i5 ist genauso lang.
Der Skoda Peaq steht also mit viel Raumangebot bei vertretbaren Außenmaßen und solider Preispolitik ein Stück weit allein und für sich. Das könnte gut ankommen.
Bidirektionales Laden mit Moon statt Elli
Der Rest ist wie im VW-Konzern gewohnt und an die Skoda-Gewohnheiten adaptiert. Gut: Die Wärmepumpe ist auf dem deutschen Markt serienmäßig. Die zusätzlichen Ausstattungen sind in den Paketen Convenience, Tech, Assist, Winter und Simply Clever zusammengefasst. Jeder möge für sich prüfen, was notwendig ist und was nicht.
Auffällig ist der Absatz, den Skoda zum bidirektionalen Laden schreibt: Der Peaq kann externe elektrische Geräte (V2L) versorgen, okay. Er ist aber auch für die Unterstützung des Hausnetzes (V2H) sowie als Teilnehmer am Strommarkt (V2G für Vehicle-to-Grid) vorgesehen. Anders als Volkswagen mit dem Unternehmen Elli baut Skoda auf die Konzern-interne Konkurrenz von Moon. Hardwarepartner für die Gleichstrom-Wallbox sind die Profis von Ambibox aus Mainz. Es ist interessant zu beobachten, wie sich das hauseigene Konkurrenzverhältnis mittelfristig entwickelt. Dass die Fahrassistenzsysteme auf Basis des MEB+ wieder ein Stück besser geworden sind, wird angesichts des Sparpotenzials beim bidirektionalen Laden zur Nebensache.
Skoda nennt den Peaq das Flaggschiff seiner Elektroautos. Er ist groß, aber nicht überbordend, er ist nicht billig, aber angemessen eingepreist. Der Peaq ist eine Art obere Mitte für Menschen mit viel Platzbedarf für Familie, Beruf oder Hobby. Das Segment dieser Klasse von SUVs ist in Deutschland nicht besonders groß. Innerhalb dieser Fahrzeugklasse aber steht Skoda wieder für die bodenständige Lösung.




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