Nissan legt Entwicklung des Elektro-Qashqai offenbar auf Eis

Nissan hat laut einem Medienbericht die Entwicklung einer rein elektrischen Version des Qashqai bereits Anfang 2025 gestoppt. Damit dürfte eine der drei einst für das britische Werk Sunderland angekündigten Batterie-elektrischen Baureihen vorerst nicht mehr umgesetzt werden.

Nissan qashqai
Symbolbild
Bild: Nissan

Darüber berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf sechs mit der Angelegenheit vertraute Quellen. Nissan selbst wollte sich nicht zu den Plänen für einen Batterie-elektrischen Qashqai äußern. Der Hersteller betonte jedoch, sein elektrifiziertes Modellangebot weiter ausbauen zu wollen – einschließlich Hybridfahrzeugen.

Für Nissan wäre ein Aus des Elektro-Qashqai ein gewichtiger Einschnitt. Das Kompakt-SUV ist das meistverkaufte Modell der Japaner in Europa und kam 2025 laut Reuters auf rund 45 Prozent der insgesamt etwa 330.000 europäischen Nissan-Verkäufe. Angeboten wird der Qashqai bislang mit Benzin- und Hybridantrieben.

Als Begründung verwies Nissan gegenüber Reuters auf eine „erhebliche Volatilität“ bei der Elektroauto-Nachfrage in Europa und eine ausgewogene Elektrifizierungsstrategie. Diese Linie findet sich auch in den aktuellen Unterlagen zur Hauptversammlung wieder: Nissan schreibt dort, dass sich das Tempo der Elektrifizierung in Europa und den USA verlangsame und Hybridfahrzeuge deshalb neu bewertet würden. Der Hersteller wolle seine Strategie flexibel an die jeweiligen Märkte anpassen.

Der Stopp könnte Nissan in einem wichtigen europäischen Segment gegenüber etablierten Wettbewerbern und neuen chinesischen Anbietern weiter zurückwerfen. Selbst falls Nissan das Projekt später wieder aufnimmt, dürfte ein Batterie-elektrischer Qashqai Reuters zufolge nicht vor Anfang der 2030er Jahre auf den Markt kommen.

Dabei hatte Nissan Ende 2023 noch angekündigt, Sunderland zum Produktionsstandort für drei elektrische Baureihen auszubauen: Neben dem Leaf-Nachfolger sollten dort auch Batterie-elektrische Versionen von Qashqai und Juke gebaut werden. Zusammen mit einer weiteren Batteriefabrik und Infrastrukturprojekten war dafür ein Investitionsvolumen von bis zu zwei Milliarden Pfund vorgesehen, umgerechnet rund 2,32 Milliarden Euro.

Der neue Leaf läuft bereits in Sunderland vom Band, auch der im April enthüllte elektrische Juke soll dort künftig gefertigt werden. Für den Elektro-Qashqai dürften die damaligen Planungen nun aber zumindest überholt sein. Reuters zufolge soll Nissan seine aktualisierte Roadmap für das Werk in den kommenden Monaten vorstellen. Parallel verhandelt der Hersteller offenbar mit der britischen Regierung über finanzielle Unterstützung.

Die Unsicherheit um den Elektro-Qashqai fügt sich in den umfassenden Sparkurs bei Nissan ein. Im Rahmen des Programms „Re“ will der Hersteller seine globale Modellpalette von 56 auf 45 Fahrzeuge straffen und die Zahl seiner Fahrzeugwerke bis Ende des Geschäftsjahres 2027 von 17 auf zehn reduzieren.

So bestätigte der Hersteller im Mai auch das Aus für zwei Batterie-elektrische SUV, die im US-Werk Canton für die Marken Nissan und Infiniti gebaut werden sollten. Stattdessen will Nissan dort stärker auf Hybridfahrzeuge setzen.

In Sunderland hat Nissan bereits angekündigt, seine eigene Fertigung von zwei auf eine Produktionslinie zu bündeln. Die Maßnahme soll die Kapazität nicht grundsätzlich reduzieren, sondern zwei mäßig ausgelastete Linien in einer stärker ausgelasteten Produktion zusammenführen. Die frei werdende Linie könnte ab dem Geschäftsjahr 2027 für eine mögliche Auftragsfertigung von Chery-Modellen genutzt werden. Nissan und Chery haben dazu Anfang Juni eine unverbindliche Absichtserklärung unterzeichnet.

Betroffen ist auch die lokale Elektroauto-Lieferkette. Die Nissan-Tochter Jatco hat die geplante Fertigung eines integrierten Elektroantriebs in Sunderland aufgegeben. Für Jatco wäre es die erste Produktion in Europa gewesen. Nissan und Jatco bestätigten Reuters zufolge den Rückzug aus dem Projekt. Damit gerät nicht nur das künftige Modellprogramm, sondern auch der ursprünglich geplante Ausbau des Standorts zu einem größeren Elektroauto-Produktionscluster unter Druck.

reuters.com (Qashqai), reuters.com (Sunderland), nissan-global.com (Hauptversammlung 2026)

0 Kommentare

zu „Nissan legt Entwicklung des Elektro-Qashqai offenbar auf Eis“

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert