Video - 30:39 minAutomobil

„Aus dem BEV ins Getriebe“ – Oliver Bayer, ZF

Bayer zf live juni

Oliver Bayer, Chief Engineer für die Plattformentwicklung elektrifizierter Antriebe bei ZF, skizziert große Herausforderungen: Die Autobranche durchlebt eine Phase, in der Tempo und Richtung der Elektrifizierung stark divergieren. Während Europa und China die Transformation stark vorantreiben, setzen andere Märkte weiterhin auf Verbrenner oder milde Hybridisierung. Für Zulieferer bedeutet das: Ein einziges „Weltauto“-Konzept reicht längst nicht mehr aus.

Bayer begegnet dieser Komplexität mit einer pragmatischen Strategie, indem er essenzielle Technologien und Learnings aus der reinen BEV-Welt direkt in die nächste Generation der Hybrid-Getriebe überführt. „Wie können wir unseren Kunden Gutes tun mit dem, was wir in den letzten Jahren gelernt haben? Das ist jetzt einfach der Job, den wir machen“, erklärt der ZF-Experte.

Im Fokus steht dabei das 8HP Evo Automatikgetriebe, das durch den gezielten Wissenstransfer aus der Elektromobilität grundlegend weiterentwickelt wurde. So kommen nun etwa Machine-Learning-Modelle für das Temperaturmanagement zum Einsatz, die ohne Hardwareänderungen die Spitzenleistung erhöhen können. „Das Modell ist so gut, dass es uns ad hoc, ohne Hardwareänderungen, sechs Prozent mehr Spitzenleistung ermöglicht“, betont Bayer.

Auch bei der Hardware zeigt sich der Einfluss der E-Mobilität deutlich. Durch höhere Stromdichten konnte bei dem neuen Getriebe auf eine integrierte Vorübersetzung verzichtet werden, während gleichzeitig die Drehmomente und Leistungen massiv steigen – bei gleichbleibendem Bauraum.

Die Software spielt bei dieser Evolution ebenfalls eine zentrale Rolle, um das Fahrgefühl in Plug-in-Hybriden künstlich an das von BEVs anzupassen. „Wir nennen das gebrücktes Anfahren, also das Auto soll sich, wenn es elektrisch fährt, einfach fühlen, als wäre es ein Elektrofahrzeug“, beschreibt der Ingenieur den Anspruch. Ein wesentlicher Hebel für Effizienz und Reichweite ist zudem die Option auf Siliziumkarbid-Leistungselektronik, die direkt aus der Entwicklung reiner Elektroantriebe übernommen wurde.

Trotz der rasanten Fortschritte und der hohen Innovationskraft bleibt die Planbarkeit aufgrund regulatorischer Unsicherheiten – vor allem in den USA – eine große Hürde für die Industrie. Dennoch betont Bayer: „Für ZF ist klar, die Zukunft ist elektrisch. Wir müssen aber diesen unterschiedlichen Drumbeat, diesen unterschiedlichen Geschwindigkeiten eine adäquate Lösung beistellen“.

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