13.11.2018

Was Europas Batteriezell-Wunder in Fabriken bedeutet

Rund 30 Prozent der weltweiten Nachfrage nach Batteriezellen will Peter Altmaier bis 2030 aus deutscher und europäischer Produktion beliefern. Doch was heißt das eigentlich in Fabriken? Peter Schwierz macht für die Vision des Bundeswirtschaftsministers mal eine Beispielrechnung auf.

„Mehrere Konsortien sind dabei, sich zu bilden.“ Das war – neben dem 30-Prozent-Ziel – die Kernbotschaft des Bundeswirtschaftsministers und seines Duzfreundes, dem EU-Energiekommissar Maroš Šefčovič, am Rande der Vernetzungskonferenz Elektromobilität in Berlin. Konkrete Namen und Standorte, wie sie den versammelten Pressevertretern versprochen waren, nannten weder Altmaier noch Šefčovič. Bis zum Jahreswechsel müsse man sich noch gedulden. Langjährige Beobachter der Elektromobilität haben sich ans Warten gewöhnt.

Eine ganz entscheidende Angabe blieben Altmaier und Šefčovič ebenfalls schuldig. Nämlich die Größe in Gigawattstunden des weltweiten Batteriezellkuchens, von dem man in Europa bis 2030 ein gutes Drittel genießen will. Oder anders gefragt: Wie viele Gigafabriken müssen zu diesem Zeitpunkt in Europa in Betrieb sein?

Den Maßstab für eine beispielhafte Rechnung liefert der Elektroauto-Pionier Tesla. Der will mit seinem Partner Panasonic mittel- bis langfristig in seiner ersten Gigafactory in der Wüste von Nevada eine Zellproduktion von 35 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr erreichen. Zuletzt wurde eine Ausbaustufe von 20 GWh gemeldet. Die Nachfrage nach Batteriezellen wächst nicht nur bei Tesla rapide an.

2020 soll die globale Gesamtproduktion bei rund 175 GWh liegen. Das entspricht ungefähr dem Fünffachen des Jahres 2016. Aus einer electrive.net vorliegenden Präsentation, die von der Ingenieurberatung P3 auf der Vernetzungskonferenz gezeigt wurde, ist ersichtlich, dass 2025 bereits rund 1.200 GWh produziert werden könnten – also grob überschlagen das Siebenfache.

Für das Jahr 2030 skalieren die Experten von P3 den Batteriezell-Weltmarkt auf gigantische 3.000 Gigawattstunden hoch. Wenn – wie es sich Peter Altmaier und Maroš Šefčovič erhoffen – rund 30 Prozent davon in der Europäischen Union von den Bändern purzeln sollen, sprechen wir also über ein Kuchenstück von 1.000 GWh. Nehmen wir nun besagte 35 GWh der Tesla-Fabrik als Grundlage, ergeben sich daraus ziemlich genau 28,5 Gigafactories für Europa.

Woher auch immer Europas Batteriezell-Wunder kommen mag, es erfordert in den nächsten 12 Jahren einen gewaltigen Kraft- und Investitionsakt. Wir bringen die Beispielrechnung für den Traum von Peter Altmaier und Maroš Šefčovič für die schnelle Ablage im Langzeitgedächtnis mal auf folgende Formel: Für 30 Prozent Marktanteil bis 2030 brauchen wir in Europa 30 Batteriezellfabriken mit jeweils 33 GWh jährlicher Produktionskapazität. Wir alle wissen: Von diesen steht aktuell – keine.

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Hugo Benzing

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8 Kommentare zu “Was Europas Batteriezell-Wunder in Fabriken bedeutet

  1. Spannend an der Diskussion finde ich besonders, dass niemand die der ganzen Berechnung zu Grunde liegende Aussage in Frage stellt:
    „Für das Jahr 2030 skalieren die Experten von P3 den Batteriezell-Weltmarkt auf gigantische 3.000 Gigawattstunden hoch.“

    Fakt ist doch, dass der „Batterie-Weltmarkt“ 2030 so groß sein wird, wie er gemäß des möglichen(!) Ausbaus an Produktionskapazitäten sein kann. Wie groß dass auch immer sein mag…

    Wer die hierfür nötigen Mittel in die Hand nimmt wird schließlich darüber entscheiden, wie die Verteilung der Kapazitäten dann aussieht.
    Das wird am Ende der entscheidende Punkt sein.

  2. Die ambitionierte (und hemdsärmelige) Aussage von Min. Altmaier kam recht spät und wohl doch zu früh (s. Abstimmung der Beteiligten), ob er dazu hausintern optimal beraten war, zeigt diese schöne Rechnung …

    Als Elon Mosk die Gigafactory (ca. 2010) plante, wäre diese noch eine Verdopplung der damaligen Produktionskapazität und heute nur noch ein Teil von vielen aktuellen Aufbauplänen. Die anderen Hersteller haben überwiegend schon eigene „Partnerschaften“ mit den (nicht nur deutschen) OEM geschlossen, so dass es schon weiteres Kapazitäten bekommen werden. Wann und wer sind dann andere, wichtige Fragen.

    Der BSM ist gespannt, wann diesen Worten hier nun Taten folgen, denn gewartet haben wir eigentlich (zu) lange. Tatsache ist, dass wir zukünftig sehr, sehr viele Batterien in div. Anwendungen, also nicht nur in der Mobilität benötigen werden und sich Inventionen dort sicher rechnen werden. Aber ein gewisses KnowHoh sollte man da schon zuvor mitbringen.

    PS: Weniger Batterien pro E-Fhzg. benötigt man, wenn man leichtere E-Fhzg. baut und diese (möglichst lange) im Alltag fährt.

  3. Hallo Herr Schwierz,

    vielen Dank für den interessanten Artikel.
    Ich möchte das gerne noch um die erforderlichen Investitionen ergänzen:

    In einem anderen Artikel über LG Chem steht, dass ein zweiter China-Standort mit 32 Gwh Kapazität geplant ist, der eine Investition von 1,5 Mrd. € erfordert.

    Hochgerechnet auf die obigen Europa-Pläne bedeutet das einen Invest von mindestens 45 Mrd. €. Wenn man davon ausgeht, dass in China die Standortfaktoren unter denen in Europa liegen, dann sind wir in etwa beim Börsenwert von BMW (52Mrd.).

    Der andere Faktor ist die Zeit: Tesla hat mit einem Profi an seiner Seite über 3 Jahre gebraucht, um eine dieser Factory’s hochzuziehen und die haben die 33Gwh Output noch nicht erreicht.

    Wer soll das 30-fache davon in 11 Jahren in Europa aufbauen???

    • Sie haben Ihre Frage ja selbst bereits beantwortet. Wenn dann nur Experten (oder OEMs an der Hand von mehreren Experten), sprich, asiatische Batteriehersteller (vorrangig koreanische und chinesische, aber auch japanische). Wobei es dann mehrere sein müssten, also die TOP 5.

  4. Damit man ein solche Ziel
    am Standort D auch nur in etwa erreichen kann, müssen dann plötzlich alle Beteiligten entschlossen und mutig handeln.
    Wer glaubt vor dem Hintergrund der bisherigen „Entwicklungen“ denn daran?
    Der Autostandort D/Europa wird einfach aufgegeben!!

  5. Batteriezellen alleine werden sicherlich 28.5 Gigafabriken erforderlich machen aber in Kombination mit Ultrakondensatoren dürfte sich diese Zahl auf ca 30% reduzieren. Dies resultiert aus der Erhöhung der Lebensdauer einer Batterie durch die Verwendung von Unltrakondensatoren sowie der 1 Mio Ladezyklen die ein Ultrakondensator erreicht und der Möglichkeit Energierecycling zu betreiben. Durch Ultrakondensatoren kann freiwerdende Bremsenergie gespeichert werden, das bislang durch die langsamen Ladezeiten von Batterien nicht möglich war. Ein Ultrakondensator lässt sich in Sekunden und weniger be- und entladen. Somit sollten man nicht nur über Batteriefabriken nachdenken. Gut dass wir schon darüber nachgedacht haben und seit diesem Jahr in Deutschland produzieren.

    • Leider denkt derzeit kaum jemand darüber nach, das Supercaps den Akku deutlich entlasten könnten. Man will aber auch nicht, dass die Akkus 30 Jahre halten.

    • „…kann freiwerdende Bremsenergie gespeichert werden, das bislang durch die langsamen Ladezeiten von Batterien nicht möglich war.“

      Jedenfalls bei meinem Ioniq electric ist die mechanische Bremse so gut wie nie im Einsatz.
      Die Rekuperation kann 3-stufig eingestellt werden. Selbst bei 0-Rekuperation wird über die Bordelektronik immer der Rekuperation der Vorrang gegeben.

      Aber selbstverständlich muss die Entwicklung in allen Richtungen weitergehen – Hauptsache elektrisch, denn der hervorragende Wirkungsgrad wird mit Wasserstoff oder E-Fuels niemals erreichbar sein.

Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2018/11/13/was-europas-batteriezell-wunder-in-fabriken-bedeutet/
13.11.2018 23:56