13.05.2019 - 17:18

Daimler strebt komplett CO2-neutrale Neuwagenflotte an

daimler-ambition-2039

Der künftige Daimler-Vorstandsvorsitzende Ola Källenius hat unter der Überschrift „Ambition 2039“ seine Nachhaltigkeitsziele für den Pkw-Bereich vorgestellt. Während der nächsten 20 Jahre soll die Neuwagenflotte von Mercedes-Benz Cars demnach komplett CO2-neutral werden.

Weitere Zielmarken: Bis 2030 will der Hersteller mehr als 50 Prozent seines Pkw-Absatzes mit Elektroautos und Plug-in Hybriden bestreiten und bereits 2022 sollen alle europäischen Daimler-Werke klimaneutral produzieren. Anders als andere Konzerne will Daimler bei letzterem Ziel auch die Vorprodukte berücksichtigen. Das heißt, dass  der Autobauer seine Lieferanten anhalten wird, die Ökowende mitzumachen, schließlich erfolgt der Großteil der Wertschöpfungskette außer Haus.

Källenius, der den Vorstandsvorsitz kommende Woche von Dieter Zetsche übernehmen wird, hat sich bei der Vorstellung der Nachhaltigkeitsziele auch zu verschiedenen aktuell viel diskutierten Themen geäußert. Stichwort: Technologieoffenheit und CO2-Bepreisung.

Zuvorderst spricht sich der gebürtige Schwede anders als Volkswagen-Chef Herbert Diess für Technologieneutralität aus: “Aktuell liegt unser Fokus auf der batterieelektrischen Mobilität. Gleichzeitig bleibt es wichtig, an weiteren Lösungen zu arbeiten, wie etwa der Brennstoffzelle oder E-Fuels.” Heute könne niemand mit Sicherheit sagen, welcher Antriebsmix in 20 Jahren die Bedürfnisse der Kunden am besten erfüllen werde. „Deshalb wollen wir die Politik darin bestärken, der Technologieneutralität den Weg zu bereiten: Lasst uns das Ziel festlegen, aber nicht die Mittel, um es zu erreichen.“

Das klingt nicht nach einer gemeinsamen Linie, auf die sich die Chefs von VW, BMW und Daimler laut Insidern nach dem Vorstoß von Diess angeblich geeinigt hatten: Die Zukunft gehöre der Batterie-elektrischen Mobilität, soll noch im März der Tenor unisono gelautet haben. Diess hatte seinerzeit bekanntlich damit gedroht, aus dem VDA auszutreten, weil sich dieser zu „Technologieoffenheit“ bekannte. Diess macht dagegen sehr deutlich, dass es für seinen Konzern „in der nächsten Dekade keine Alternative zur E-Mobilität“ gibt und äußerte, dass „Technologieoffenheit jetzt die falsche Parole ist und nur dazu führt, den Systemwandel weiter in die Zukunft zu verlegen“.

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Doch zurück zu Källenius: Zum Thema klimaneutrale Mobilität sagte er u.a.: “Wir sind offen für eine Diskussion über die wirksame Bepreisung von CO2 und Anreize für kohlenstoffarme bzw. -freie Technologien – möglichst auf globaler Ebene.” Der Wandel zur nachhaltigen Mobilität der Zukunft werde aber nur gelingen, wenn Autoindustrie, Energieversorger und Politik Hand in Hand arbeiten. „Es bedarf massiver Investitionen und konkreter Maßnahmen auch über die Automobilbranche hinaus. Klimaneutrale Energie und eine umfassende Infrastruktur sind für diesen Systemwechsel unerlässlich.“

Damit ist er nicht der erste Autokonzernmanager, der sich zu einer potenziellen CO2-Steuer äußert. Vor wenigen Tagen sagte bereits Opel-Chef Michael Lohscheller, dass er sich solch ein Instrument unter bestimmten Voraussetzungen vorstellen könnte: „Wir denken schon, dass die CO2-Bepreisung als Instrument, das einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann, ergebnisoffen diskutiert werden sollte.“

Bei Daimler will die Chefetage derweil ihr Gehalt teils mit der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele verknüpfen: „Um zu unterstreichen, dass wir es ernst meinen, koppeln wir Teile der Vorstandsvergütung an die Erreichung unserer Nachhaltigkeitsziele, einschließlich unseres CO2-Fußabdrucks. Wir alle müssen unsere Komfortzonen verlassen, um auf neuen Wegen voranzukommen“, so Källenius.
handelsblatt.com, daimler.com

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6 Kommentare zu “Daimler strebt komplett CO2-neutrale Neuwagenflotte an

  1. Michael

    Technologieoffenheit ist eine Entschuldigung sich nicht festzulegen und gar nichts zu machen.
    Wie die Vergangenheit zeigt. Daimler sollte als alternative in Dampfmaschinenentwicklung investieren, bei all der heißen Luft, welche Sie produzieren.

    Quelle Wikipedia:
    „Auf der CES 2016 wurde von Thomas Weber, Entwicklungsvorstand der Daimler AG, ein Großserienfahrzeug mit Brennstoffzelle für Ende 2017 angekündigt. Dieses wird auf dem Mercedes-Benz GLC (Baureihe 253) basieren, einem von der C-Klasse (Baureihe 205) abgeleiteten Kompakt-SUV.“

    • SHausSTA

      Dein Kommentar zeigt leider wieder einmal, wie sich das permanente Bashing der Autoindustrie in den Köpfen der Besserwisser und Miesmacher in Deutschland festgesetzt hat. Statt wohlwollend zur Kenntnis zu nehmen, dass die Hersteller endlich in die Gänge kommen, dass Milliarden investiert werden und die Aktivitäten zum Ausbau der E-Mobilität in vollem Gange sind, wird weiterhin Untätigkeit unterstellt. Diese Ignoranz schadet letztlich uns allen!

      • Simon Maier

        Ich bin Kunde dieser Marke, aber mittlerweile habe ich leider den Eindruck, dass da wenig Interesse besteht so schnell an der aktuellen Pruduktpalette was zu ändern. Während andere wie Hyundai schon richtig gute E-Fahrzeuge im Programm haben, die neu noch billiger sind als ein C 180 in Basisausstattung, kommt Daimler mit einem SUV, der anders als der Rest der Flotte richtig altbacken aussieht und doppelt so viel Strom verbraucht als der Hyundai. In Wörth steht ein LKW der sich Future Truck 2025 nennt, mit Kameraspiegeln und Level 3 Autonomie. Und was sieht man, wenn man um das Teil drumrum geht? Einen Dieseltank. Gleichzeitig stehen achon ein halbes Dutzend Wettbewerber bereit mit E- und H2-Lkws, und in den Staaten gehen von der hauseigenen Marke Freightliner schon in 2 Jahren E-Lkws in Serie. Bei uns gar nichts, ausser 10 Prototypen die gerade getestet werden.

        Ich weiss nicht, vielleicht bin ich auch zu ungeduldig. Aber irgendwie habe ich den Eindruck dass bei uns bei diesen Sachen alles in Zeitlupe läuft.

        • Micha

          Saubere Diesel sind wohl das beste für die Umwelt und LKW sind sauberer als die meisten PKW. Zudem laufen die zu 95% im optimalen Wirkungsgradbereich.
          Einzig sinnvolle Ergänzung wäre der Oberleitungs-LKW.

          Daß Japaner und Koreaner jetzt schöne E-Autos bauen, ist nachvollziehbar, weil sie so Technologieführerschaft übernehmen können. Beim Diesel sind das die europäischen Marken.
          Und die US-Hersteller freuen sich über günstige Dieselkomponenten aus europäischer Produktion (weil die jetzt keiner mehr einbaut)

          Nachteil bei fast allen E-Autos (außer Tesla) ist zudem die fehlende Anhängerkupplung. Unverständlich, warum das sang- und klanglos verschwindet und kaum einer berichtet darüber.
          Vom Preis und der unzureichenden Möglichkeit zum Aufladen ganz zu Schweigen.

          E-Autos sind eine Waffe im Wirtschaftskrieg gegen die europäische Autoindustrie und vor allem Russland, dem man so den Ölabsatz abdrehen will.

  2. Andreas

    Wer kennt sie nicht, die berühmten 20 Jahre.
    In 20 Jahren kann sich jeder im mittleren bis oberen Management sicher sein, im gut dotierten Vorruhestand zu sein.
    Wer also von 20 Jahren spricht, der sagt eigentlich, dass er nichts unternehmerisch Aktives plant, sondern einfach minimal invasiv mitschwimmt.

    Auch die als „Technologieoffenheit“ vermarktete Entscheidungslosigkeit spricht eine deutliche Sprache:

    Wer nicht Effizienz und Antriebstechnik durchrechnen kann, der hat eigentlich nichts in dem Maschinenbau zu suchen. Dieser Vorstand schiebt anscheinend nur Politikpapiere von Rechts nach Links.

    Wo sind hier die Ingenieure bei Daimler, die rechnen können?
    Leider scheint Musk der Einzige in dieser Industrie zu sein, der die xxx in der Hose hat, klare Entscheidungen zu treffen. So kommt man in den Orbit, auf den Mars und so revolutioniert man die Fahrzeugtechnik.

    Bin wirklich kein Fanboy, aber Ehre, wem Ehre gebührt. Dieser Ola Källenius mag eine gute Papierform haben, aber als Unternehmer ist das ganz, ganz schwach.

  3. Urbantrail

    Ich finde es begrüssenswert, dass auch MB sich den Umweltbelastungen der Automobilindustrie stellt, und endlich reagiert. Die geforderte Technologieoffenheit ist absolut notwendig, kann aber nicht, wie im letzten Jahrzehnt, dazu genutzt werden immer grössere SUV’s zu „optimieren“ und sich hinter Fuelcell und EFuel zu verstecken. Es ist M.E. klar, dass zurzeit lediglich batteriebetriebene Autos kurzfristig unsere Umweltbelastungsprobleme verbessern können. Dass die heutigen Akkus noch grosses Verbesserungspotential haben und sowohl in Rohstoffen wie auch in Kapazität muss auch jedem bewusst sein. Ich gebe Herrn Diess insofern recht, dass man den Fokus im kommenden Jahrzehnt auf Elektromobilität legen muss, um endlich der breiten Masse finanzierbare Autos anzubieten, was die Industrie bisher aus Eigeninteressen verhindert hat. Dass EMobilität schon Heute geht und Spass macht haben einige kleine eindeutig bewiesen.
    Schockierend finde ich es, wie manche „Politiker“ sich der Thematik gegenüber verhalten. Dass heutzutage Industrielle sich offener gegenüber einer CO2 Bepreisung, NOx Feinstaubbelastung usw. äussern zeigt, dass so manches in Schräglage ist, und erklärt auch die Politikverdrossenheit der Bürger.
    Dass Ökonomie und Ökologie nur zusammen funktionieren sollte auch jedem klar sein. Dass wir Verbraucher uns jedoch umstellen müssen steht ausser Frage, macht das Leben aber nicht weniger lebenswert.

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2019/05/13/daimler-strebt-komplett-co2-neutrale-neuwagenflotte-an/
13.05.2019 17:16